Tausende beim „Marsch der Rückkehr“ im Gazastreifen
Gaza/Jerusalem (APA/dpa/AFP) - Bei den Protesten Tausender Palästinenser im Gazastreifen an der Grenze zu Israel ist es zu Zusammenstößen mi...
Gaza/Jerusalem (APA/dpa/AFP) - Bei den Protesten Tausender Palästinenser im Gazastreifen an der Grenze zu Israel ist es zu Zusammenstößen mit israelischen Sicherheitskräften gekommen. Mindestens neun Palästinenser wurden verletzt, wie das Gesundheitsministerium in Gaza mitteilte. Bereits in der Nacht sei ein Palästinenser von israelischen Soldaten erschossen worden, am Freitag starb ein weiterer Demonstrant.
Nach palästinensischen Medienberichten kamen mehr als 20.000 Menschen zu dem „Marsch der Rückkehr“. Die radikal-islamische Hamas wollte mit der Aktion ihren Anspruch auf ein „Recht auf Rückkehr“ für palästinensische Flüchtlinge und deren Nachkommen in das Gebiet des heutigen Israels untermauern. Israel lehnt eine Rückkehr in das eigene Staatsgebiet ab.
Fotos zeigten am Freitagmorgen zahlreiche Zelte im Grenzgebiet, Menschen schwenkten palästinensische Flaggen. Demonstranten verbrannten Bilder von US-Präsident Donald Trump. Die USA hatten im Dezember einseitig Jerusalem als Israels Hauptstadt anerkannt und damit den Zorn der Palästinenser auf sich gezogen.
Die Palästinenserführung unter Präsident Mahmoud Abbas (Abu Mazen) will Ost-Jerusalem als Hauptstadt für einen eigenen Staat neben Israel. Die radikalislamische Hamas hingegen erhebt Anspruch auf ganz Palästina und strebt die Auslöschung des „zionistischen Gebildes“, Israel, an.
Die israelische Armee sprach von Protesten an sechs verschiedenen Orten im Gazastreifen. Palästinenser würden brennende Reifen in Richtung der israelischen Soldaten rollen und Steine werfen, hieß es in einer Mitteilung. Die Soldaten würden gezielt auf Anstifter schießen. „Die Hamas-Terrororganisation gefährdet das Leben von Zivilisten“, schrieb die Armee. Sie sei verantwortlich für die gewaltsamen Proteste.
Laut den palästinensischen Behörden wurde am Freitag ein palästinensischer Demonstrant bei Zusammenstößen mit israelischen Soldaten an der Grenze des Gazastreifens erschossen. Die tödlichen Schüsse auf den 25-Jährigen seien von einem israelischen Soldaten abgegeben worden.
„Wir betonen, dass dieser Marsch friedlich ist“, hatte zuvor das führende Hamas-Mitglied Khalil al-Haya gesagt. Deswegen würden auch Frauen und Kinder an den Protesten teilnehmen. Die USA, die EU und Israel stufen die Hamas als Terrororganisation ein. Sie hatte 2007 die Macht in dem Küstengebiet an sich gerissen.
Israels Verteidigungsminister Avigdor Lieberman warnte die Menschen vor einer Annäherung an den Grenzzaun. „Jeder, der sich dem Zaun nähert, riskiert sein Leben“, schrieb Lieberman auf Twitter auf Arabisch. Die Armee hatte nach einem Bericht der israelischen Nachrichtenseite „ynet“ bereits vor den Protesten mehr als 100 Scharfschützen in der Nähe der Grenze postiert.
In der Nacht zum Freitag war ein Palästinenser nach Angaben des Gesundheitsministeriums von israelischen Soldaten erschossen worden. Die israelische Armee teilte mit, ein Panzer habe in der Nacht das Feuer auf zwei Verdächtige eröffnet, die sich im südlichen Teil des Küstengebietes dem Sicherheitszaun genähert hätten.
Die Proteste sollen bis zum 15. Mai dauern. Anlass sind die Feiern zum 70. Jahrestag der Gründung Israels. Die Palästinenser begehen den 15. Mai als Nakba-Tag (Tag der Katastrophe), weil im ersten Nahost-Krieg 1948 rund 700 000 Palästinenser flohen oder vertrieben wurden. Am 14. Mai wollen die USA zudem die US-Botschaft in Jerusalem eröffnen.
Das österreichische Außenministerium warnt dringend vor Reisen in den Gazastreifen. Auch für Israel bestehe ein erhöhtes Sicherheitsrisiko. Besonders am Wochenende, an dem heuer Ostern und Pessach zusammenfallen sowie auch das wöchentliche muslimische Freitagsgebet stattfindet, seien auch in Jerusalem allenfalls gewalttätige Zusammenstöße zu befürchten.
Bereits in den vergangenen Jahren kam es am 30. März zu Protesten in den Palästinensergebieten. Am „Tag des Bodens“ gedenken die Palästinenser stets massiver Landenteignungen und sechs israelischer Araber, die am 30. März 1976 in dem Ort Sakhnin von der israelischen Polizei getötet wurden. Sie hatten gegen die Beschlagnahmung arabischen Bodens protestiert.