Klettern

Bandscheiben bremsen Stöhr: “Weltcup ist vorerst kein Thema“

Für Anna Stöhr sind die geliebten Boulderwände derzeit Sperrgebiet. Nach Ostern will die 29-Jährige zumindest in die Vorstiegswand zurück.
© Thomas Böhm

Österreichs Boulder-Königin Anna Stöhr muss aufgrund einer hartnäckigen Bandscheibenproblematik für den Weltcup-Auftakt in zwei Wochen passen. Selbst hinter der Heim-WM im September steht ein Fragezeichen.

Von Max Ischia

Innsbruck — „Geht so", sagt Anna Stöhr auf die Frage nach dem werten Befinden — und es ist mehr der nachdenkliche Tonfall, der ihre gegenwärtige Stimmungslage beschreibt. Als die zweifache Boulder-Weltmeisterin (2007, 2011) nach einem Trainingssturz Ende Februar vor drei Wochen auf ein Antreten bei den Boulder-Staatsmeisterschaften verzichtet hatte, schien das noch in die Rubrik Vorsichtsmaßnahme zu fallen. Jetzt, wo sich die Bandscheibenproblematik nicht merklich gebessert hat, schrillen — zumindest symbolisch — die Alarmglocken.

Der angepeilte Saisoneinstand beim Boulder-Weltcup­auftakt in zwei Wochen in Meiringen (SUI) hat sich als „Mission: impossible" herausgestellt. „Der Weltcup ist vorerst kein Thema", versichert die 29-Jährige, die sich gerade auf dem Weg zur Physiotherapie nach Längenfeld befindet. Dort betreibt mit dem Engländer Stewart Watson ein ehemaliger Weltcup-Kollege eine Praxis. „Stewart weiß ganz genau um die Spezifika eines Kletterers", erklärt Stöhr, die sich aber auch bei Physiotherapeutin Selina Rieder und Osteopathin Andrea Linder in besten Händen weiß.

Was für die erfolgsverwöhnt­e Dame nichts daran ändert, dass sich der Weg zurück „echt mühsam" anfühlt. Zumal die zielführenden Weggabelungen noch nicht absehbar sind — im Gegensatz zur Endstation Sehnsucht. Das soll die Heim-WM in Innsbruck sein, die heute in 159 Tagen eröffnet wird. „Aber", bleibt Stöhr ganz Realistin, „es macht derzeit keinen Sinn, so weit nach vorne zu blicken. Ich kann nur von Tag zu Tag schauen. Und der Körper wird Gangart und Richtung festlegen."

Dabei hatte sich die Tirolerin gerade für dieses Jahr so viel vorgenommen. „Ich war extrem motiviert und gut drauf, aber eine Verletzung kommt halt nie, wenn sie gerade gut reinpasst."

Wie im Herbst 2014, als die Dauerdominatorin bei der WM in München beim Angriff auf Gold Nummer drei aufgrund einer Sehnenscheidenentzündung passen musste. Wie im Sommer 2015, als sie sich beim Weltcup in Vail das Ringband im rechten Ringfinger riss. Zuvor hatte sie bei der Heim-EM am Innsbrucker Marktplatz noch Silber bejubelt und zwei Wochen später in Toronto ihren 22. und vorläufig letzten Weltcupsieg gefeiert. Vergangenheit, schmerzhafte wie glorreiche.

Was die nähere Zukunft betrifft, gibt sich Stöhr kämpferisch. Bereits nächste Woche will sie erstmals wieder klettern. Allerdings Vorstieg, also mit Seil. Die Stoßbelastung, die ein Absprung von einem Boulder mit sich bringen würd­e, wäre derzeit Gift für ihre Bandscheiben. Wie lange das so bleibt, bleibt fraglich. Fest steht: „Ich werde alles dafür tun, so rasch wie möglich wieder zurückzukehren."

Ein Weg, den sie nicht allein geht. Langzeitfreund und Kletterkollege Kilian Fischhuber stehe wie ein Fels in der Brandung und auch auf Familie, Freunde und das Trainer- und Betreuerteam könne sie voll bauen. Eine Rückendeckung, die sich schon einmal Gold verdient ...