Dialyse wäscht seit 75 Jahren Blut

Aus der Waschtrommel wurde Hightech: Mehr als 300 Tiroler brauchen die Kunstniere.

© Getty Images/iStockphoto

Innsbruck –Die erste künstliche Niere sah aus wie eine Wäschetrommel aus Holz. Die Erfindung vor 75 Jahren war die Grundlage dafür, dass Millionen Nierenkranke länger leben können. Heute ist Dialyse Hightech. Laut Gert Mayer, Direktor der Uni-Klinik für Innere Medizin IV in Innsbruck, beginnen circa 86 Patienten pro Jahr in Tirol mit einer Nierenersatztherapie, 95 Prozent davon mit der Dialyse. Bei Therapiebeginn sind die Patienten im Schnitt 63 Jahre alt.

„Die Zahlen steigen kontinuierlich an“, so Mayer. Einerseits hätten über die Jahre nierenschädigende Krankheiten wie Diabetes und Bluthochdruck zugenommen, aber auch die Lebenserwartung. „Hier ist nun ein relativ stabiler Zustand erreicht. Die weiterbestehende Zunahme der Patientenzahlen liegt am besseren Überleben durch verbesserte Therapie“, sagt Mayer.

Die Technik der Blutwäsche geht auf den niederländischen Arzt Willem Johan Kolff (1911–2009) zurück. Kolff setzte am 4. April 1943 das erste Mal seine künstliche Niere ein. Trotz vieler Rückschläge konnte er zwei Jahre später einer Patientin damit das Leben retten.

Ohne Dialyse würden die meisten Menschen beim Versagen ihrer Nieren keine vier Wochen überleben, betont Andreas Kribben, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie. Wenn die Nieren ausfallen, gibt es zwei Wege der Blutreinigung. Bei der Hämodialyse (aktuell rund 300 Patienten in Tirol) wird das Blut in eine Maschine geleitet. Danach fließt es entgiftet in den Körper zurück. Die Patienten kommen dafür dreimal pro Woche für drei bis fünf Stunden ins Dialysezentrum.

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Bei der Peritonealdialyse (circa 14 Patienten in Tirol) wird das Bauchfell zur Entgiftung genutzt. Der Patient füllt mehrmals täglich eine Dialysierflüssigkeit über einen Katheter in den Bauchraum ein und lässt sie wieder ab. Der Patient ist unabhängig von einem Dialysezentrum. Es gehört aber auch viel Disziplin dazu: Patienten müssen Zeiten einhalten, Medikamente nehmen und Diätvorschriften befolgen. (thm, dpa)


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