Lawine in Südtirol: Hilfsangebot aus Tirol ausgeschlagen?

Bei einem Lawinenabgang nahe des Timmelsjochs auf Südtiroler Seite soll ein Opfer eine Stunde lang auf Hilfe gewartet haben. Der Vorwurf: Die Südtiroler Leitstelle soll Hilfe aus Nordtirol abgelehnt haben, obwohl die Tiroler binnen drei Minuten vor Ort hätten sein können.

Der Hubschrauber "Martin 8". (Symbolfoto)
© Zoom.Tirol

Bozen/Innsbruck – Eine Anfrage im Südtiroler Landtag ist schon eingelangt, das Unverständnis groß: Laut einer Sachverhaltsdarstellung der Firma Heli Tirol an den Südtiroler Landeshauptmann Arno Kompatscher soll es kürzlich bei einem schweren Lawinenabgang auf Südtiroler Seite zu einer folgenschweren Panne gekommen sein, die lebensrettende Zeit gekostet hat. Die Vorwürfe sind massiv: Demnach soll die Südtiroler Leitstelle das Hilfsangebot aus Nordtirol ausgeschlagen haben, obwohl die Tiroler Retter in drei Minuten an der Unglücksstelle hätten sein können. Bis die Lawinenopfer dann tatsächlich Hilfe erhielten, soll rund eine Stunde vergangen sein.

Konkret soll der Zwischenfall am vergangenen Freitag passiert sein. Gegen 12.10 Uhr wurde unterhalb der Timmelsalm auf Südtiroler Seite ein Lawinenabgang gemeldet. Mehrere Menschen sollen verschüttet worden sein. Da es sich um italienisches Staatsgebiet handelte, wurde der Einsatz an die Landesleitstelle Bozen übergeben. Dabei sollen die Tiroler eindrücklich darauf hingewiesen haben, dass nur drei Minuten entfernt der Notarzthubschrauber „Martin 8“ einsatzbereit sei und sofort entsendet werden könne.

Dieses Angebot soll die Leitstelle in Bozen abgelehnt haben. Stattdessen wurden Südtiroler Bergretter und der Rettungshubschrauber alarmiert. Erst gegen 13.05 Uhr soll sich die Leitstelle Bozen in Innsbruck gemeldet haben, weil die Südtiroler Rettungskräfte aufgrund des starken Nebels von Süden her nicht zum Unglücksort kommen konnten. Von Norden her sah das Wetter wesentlich besser aus.

Opfer musste von Begleitern ausgegraben werden

Die Leitstelle Innsbruck alarmierte um 13.07 Uhr „Martin 8“ – seit Eingang des Notrufs waren 57 Minuten verstrichen. Um 13.11 Uhr wurde der Tiroler Hubschrauber dann allerdings wieder storniert, da die Südtiroler Einsatzkräfte doch noch zum Lawinenhang gelangt waren. Wertvolle Zeit für die Opfer war verstrichen: Von der Lawine waren vier Menschen mitgerissen worden, zwei von ihnen waren verschüttet worden. Während sich eine Person selbst befreien konnte, war eine deutsche Skitourengeherin rund eine halbe Stunde verschüttet, bevor ihre Begleiter sie aus den Schneemassen befreien konnten. Ihre Körpertemperatur war da bereits auf 33 Grad gesunken, sie hatte eine Lungenquetschung und eine Wirbelverletzung erlitten. Es bestand Lebensgefahr. Nach der Bergung wurde die Frau ins Krankenhaus Bozen geflogen und von dort in eine deutsche Klinik verlegt.

In der Sachverhaltsdarstellung an Kompatscher stellen die Retter die Frage, wie es sein kann, dass die Leitstelle in Bozen das Angebot der Innsbrucker ausgeschlagen hat, obwohl allen Beteiligten die Lebensgefahr der Betroffenen bekannt war. Die Südtiroler Freiheit hat mittlerweile eine Anfrage im Landtag eingebracht, um die Hintergründe für diese fatale Entscheidung untersuchen zu lassen. Die Politiker in einer Aussendung: „Das Wohl des Patienten ist wichtiger, als die Frage, von wo die Rettungskräfte kommen.“ (TT.com)


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