Abenteuer

Motorradreise: Mit zwei Pässen auf durch Afrika

Alexander Brunner (im Bild), sein Bruder Marc und Matthias Haselbacher setzen bei ihrem Abenteuer auf altbewährte Maschinen.
© Brunner

Heute starten drei Abenteurer eine 15.000 Kilometer lange Motorradreise von Tirol bis zum Tafelberg in Kapstadt. Unterwegs gibt’s vier besonders wichtige Zwischenstopps.

Von Kathrin Siller

Innsbruck –Für die meisten Tiroler ist das heute ein stinknormaler Samstag. Für Alexander Brunner (40), seinen Bruder Marc (36) und ihren Freund Matthias Haselbacher (37) hingegen ist es der Tag, an dem das vielleicht größte Abenteuer ihres Lebens beginnt. Pünktlich zum ersten Hahnenschrei schwingen sich die gebürtigen Bayern auf die Sättel ihrer Motorräder und gehen auf eine spektakuläre Reise quer über den afrikanischen Kontinent. In drei Monaten soll die Tour der Wahltiroler in Kapstadt enden.

Marc Brunner
© Brunner

„Es ist ein Kampf um jeden Kilo“, sagt Alexander Brunner vor wenigen Tagen, als er seine Ausrüstung durchgeht. „Links und rechts hängen Köfferchen mit jeweils etwa zehn Kilo Gepäck, ins Topcase kommen leichte Sachen. Über eine Düne könnten wir mit dem Gewicht nicht springen“, schmunzelt er.

Das Packen – Zelt, Miniluftmatratze, Moskitonetz, Wüstenbekleidung, Erste-Hilfe-Set – sei sowieso Kinderkram im Vergleich zum organisatorischen Aufwand. „Fünf Monate war ich an den Formalitäten dran: Zolldokumente, Visa, die genaue Planung des Tourverlaufs, ein zweiter Pass.“ Ein zweiter Pass? „Ja, in den Sudan dürfte man nicht einreisen, wenn man einen Visastempel von Israel im Ausweis hat.“ Dass sie aber an dem einen oder anderen Grenzübergang unfreiwillig mehrere Tage festsitzen könnten – darauf haben sie sich eingestellt. Die heutige Tour nach Venedig hat da fast Kaffeefahrt-Charakter. Von dort bringt eine Fähre die drei nach Griechenland. Weiter geht’s über Israel, Jordanien, Ägypten in den Sudan.

Alexander Brunner
© Brunner

Dass sich die drei so ohne Weiteres aus dem Staub machen können, verdanken sie aufgeschlossenen Arbeitgebern und toleranten Familien. Alexander und Matthias sind Ärzte, sparten Urlaub an und wurden zudem noch für einige Wochen karenziert. Marc ist als IT-Spezialist grundsätzlich flexibler. Und schließlich stellen sie ihre Reise ja auch in den Dienst der guten Sache. Das Trio sammelt auf seinem Trip nämlich nicht nur Spenden für SOS-Kinderdorf, sondern besucht außerdem vier Kinderdörfer in Malawi, Sambia, dem Sudan und Kenia. Für Brunner ist Afrika kein unbekanntes Terrain. Vor fünf Jahren hatte es ihn bereits von Berufs wegen für dreieinhalb Monate nach Äthiopien verschlagen. Beim Backpacken lernte er Teile Afrikas noch einmal besser kennen.

Angst vor Überfällen oder Diebstählen haben sie nicht. Die Einheimischen seien ja vor allem neugierig, wer da in ihr Land kommt. Sorgen mache ihnen am ehesten der Verkehr. Als die Brunner-Brüder nämlich vor einigen Jahren auf dem Motorrad von Berlin bis nach Teheran und Moskau fuhren, waren sie regelrecht froh, dass nichts passiert ist. In Afrika wird das nicht anders sein. Auch die Temperaturen von bis zu 45 Grad sind erst einmal unbeschadet zu überstehen. „Wir wollen etwa 300 Kilometer pro Tag fahren, aber auf einer gatschigen Straße werden’s halt nur 50 werden“, sagt Brunner. „Körperlich ist es extrem anstrengend, abends sind wir paniert.“

Der Dritte im Bunde: Matthias Haselbacher.
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Eine längere Pause gönnen sie sich in Nairobi. Alexan­ders Frau und die zweijährige Tochter „fliegen auf Besuch“ und gemeinsam kommen sie bei einem Tiroler Freund, der dort lebt, unter. „Dass wir unsere Familien so lange nicht sehen, ist natürlich ein Wermutstropfen“, gibt er zu.

In drei Monaten sollen die 15.000 Kilometer jedenfalls als fettes Plus auf der Anzeige stehen. Hoffentlich, ohne dass ihre Motorräder davor den Geist aufgeben. „Meine Maschine ist 18 Jahre alt und total robust. Ich kenne fast jede Schraube und kann sie selbst reparieren“, bleibt Brunner entspannt. „Mit den neuen Motorrädern und ihrer ganzen Elektronik wären wir aufgeschmissen, denn die kann unterwegs keiner reparieren und sie sind dermaßen optimiert, dass sie keinen Tropfen schlechten Sprit vertragen.“ Mit solchen Mimosen wäre vielleicht schon am Gardasee Endstation.

Hilfe für Kinderdörfer

SOS-Kinderdorf ist in 135 Ländern aktiv: 2016 gab es weltweit 571 SOS-Kinderdörfer, 553 Familienstärkungsprogramme, 236 Kindergärten, 184 Schulen, 58 Ausbildungsstätten, 178 Sozialzentren, 77 medizinische Zentren und 23 Nothilfeprogramme. Etwa 85.000 Kinder und Jugendliche sind in den SOS-Kinderdörfern und angeschlossenen Institutionen zuhause.

In Afrika wachsen besonders viele Kinder ohne Eltern und in Armut auf. 1971 entstand in Abobo-Gare in der Elfenbeinküste das erste Kinderdorf auf afrikanischem Boden. Heute gibt es 151 Kinderdörfer in 47 afrikanischen Ländern.

Auf www.ridingforhome.com lässt sich die Motorradreise durch Afrika mitverfolgen und direkt für SOS-Kinderdorf spenden.