Oberländer Hospizteam erlebt starken Zulauf

Nach der letztjährigen Ausbildung in Imst tauchen nun 14 neue ehrenamtliche Mitarbeiter in die Hospizarbeit im Oberland ein.

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Von Hubert Daum

Imst –Was sind das für Menschen? Sie stellen ihre Eigeninteressen vollkommen zurück und widmen sich den Menschen, die die wahrscheinlich gefürchtetste Stunde in absehbarer Zeit vor sich haben, den Tod. Und sie bekommen keinen Cent dafür. Für Außenstehende sind ehrenamtliche Hospizbegleiter wahrscheinlich die Helden der modernen, monetär geprägten Welt.

Gerade im Oberland und Außerfern – das Gebiet ist in der Organisation zusammengefasst – gibt es offensichtlich besonders viele selbstlose Menschen, die den Weg in die Hospizarbeit suchen. Und auch finden, denn seit Kurzem erhöhte sich die Mitarbeiteranzahl bedeutend. „Zwölf Frauen und zwei Männer der Bezirke Imst, Reutte und Landeck haben ihre Hospizausbildung abgeschlossen“, weiß Angelika Heim, die Ausbildungsleiterin der Tiroler Hospiz-Gemeinschaft (THG), „die Ausbildung erstreckt sich auf sieben Monate, in denen 95 Theorie- und 80 Praxisstunden zu absolvieren sind. Bemerkenswert ist, dass sogar eine Frau aus Lienz die wöchentlichen Fahrten auf sich genommen hat.“ Der jüngste Ausbildungslehrgang fand nämlich im Pflegezentrum Gurgltal in Imst statt, wo auch gleich Praxiselemente gelernt wurden.

Der letzte „weiße Fleck“ in der Betreuung, das Pitztal, wurde vor rund eineinhalb Jahren eingefärbt. Seitdem leitet Susanne Partoll das „Hospizteam Pitztal“, eines von acht im Oberland/Außerfern. „Der Ursprung meiner Motivation liegt sicher in einem Kindheitserlebnis, als ein Schulfreund starb“, sieht die gebürtige Ötztalerin ihr Schlüsselerlebnis, „außerdem ist meine Mutter auch Hospizmitarbeiterin. Ich wollte abseits der Arbeit etwas tun, wo es wichtig ist, dass ich es als Person bin, die das tut, und diese nicht austauschbar ist. Der Grundgedanke in der Hospizarbeit ist es, Zeit zu schenken und zu zeigen, dass der Mensch zählt, nicht die Leistung.“ Die mittlerweile sieben Pitztaler Ehrenamtlichen sind vorwiegend im Pflegeheim in Arzl tätig. Partoll: „Es ist oft schwierig, in privaten Haushalten Sterbende oder schwer Kranke zu begleiten, weil es da und dort Vorbehalte gibt.“

Für Angelika Heim ist es wichtig, vor Ausbildungsbeginn gemeinsam mit den Aspiranten zu eruieren, ob die schwierige Aufgabe psychisch bewältigbar ist und ob die Motive tief genug verankert sind: „Wir bieten als Erstes Infoabende an, um den Menschen aufzuzeigen, was auf sie zukommt. Dann führen wir ein Auswahlgespräch. Da kommt es durchaus vor, dass wir in einigen Fällen von der Mitarbeit abraten. Wir haben nämlich die Situation, dass mehr Menschen eine Mitarbeit anstreben, als es Ausbildungsplätze gibt.“

Von der künftigen Einführung mobiler Palliativteams des Landes Tirol werde auch die Hospizbewegung profitieren, meint Heim. Das Hospizgebiet Oberland sei mit rund 70 ehrenamtlichen Mitarbeitern (ca. 90 % Frauen) sehr gut aufgestellt. Im Jahr 2017 wurden hier in 9579 Betreuungsstunden 148 sterbende Menschen begleitet.

Eine neue Mitarbeiterin – sie wollte ihren Namen nicht erwähnt haben – im Nassereither Pflegeheim Via Claudia sprüht jedenfalls vor Begeisterung: „Man bekommt viel mehr zurück, als man gibt, und geht zufrieden und ausgeglichen nach Hause.“ Generell werde man im Heim Via Claudia die Hospizarbeit künftig forcieren.

Der nächste Ausbildungszyklus startet im Oktober im neuen Hospizhaus in Hall. Die Mitarbeiter bieten aber auch während des Jahres Vorträge an. Beispielsweise am 10. April in Längenfeld: Ab 19.30 Uhr referiert Elisabeth Medicus im Gasthaus Mesner Stuben über das Thema „Was brauchen schwer kranke und sterbende Menschen?“. Am 17. April gastiert die Ärztliche Direktorin der THG dann im Raiffeisensaal Mieming (ab 19 Uhr) mit dem Thema „Über das Leiden am Lebensende und den Umgang mit dem Sterbewunsch“.


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