Tiroler Hilfe abgelehnt: „Wie hinter dem Eisernen Vorhang“

Die Landesnotrufzentrale in Bozen hat nach einem Lawinenabgang mit zwei Verschütteten Hilfe aus Tirol abgelehnt. Flugunternehmer Roy Knaus kritisiert die mangelnde grenzüberschreitende Zusammenarbeit.

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Von Benedikt Mair

Innsbruck, Bozen –Eigentlich sei die von Politikern aus Nord- und Südtirol am 2. Februar am Brenner verkündete engere Zusammenarbeit der Rettungsorganisationen gut und richtig, sagt Roy Knaus, Inhaber des Flugunternehmens Heli Tirol.

Eigentlich. Denn eine Panne bei einem Rettungseinsatz nach einer Lawine am Wochenende zeigt für Knaus, dass es an der Praktikabilität der Versprechen oft noch hapert. „Erst groß ankündigen, dann passiert aber nichts“, klagt er an. In einem der Tiroler Tageszeitung vorliegenden Brief an Politiker beider Länder kritisiert er die mangelhafte Zusammenarbeit bei grenznahen Rettungseinsätzen. Die Südtiroler Verantwortlichen mahnen zur Zurückhaltung, solange der Zwischenfall nicht lückenlos aufgeklärt ist und betonen zugleich den Willen, eng mit den Tiroler Rettungskräften zusammenzuarbeiten.

Bei eben erwähntem Zwischenfall handelt es sich um einen Lawinenabgang, der sich am Samstag nahe der Timmelsalm im hinteren Passeiertal in Südtirol ereignet hatte. Vier Skitourengeher wurden von einer Lawine mitgerissen. Zwei Menschen wurden verschüttet – davon konnte sich einer selbst befreien. Obwohl die Lawine auf italienischem Staatsgebiet abging, wurde anfangs die Leitstelle in Innsbruck alarmiert. Die Handys der Gruppe waren ob der Grenznähe wohl noch im österreichischen Mobilfunknetz eingeloggt. Nachdem festgestellt wurde, dass der Einsatz unter Südtiroler Zuständigkeit fällt, wurde die Landesnotrufzentrale in Bozen eingeschaltet. Mit dem Hinweis, dass nur drei Flugminuten entfernt, in Obergurgl, der „Martin 8“-Rettungshubschrauber bereitstünde. Dieses Hilfsangebot nahmen die Mitarbeiter in Bozen – vorerst – nicht an und alarmierten die eigenen Helikopter. Eine Stunde nach dem ersten Notruf entschieden sie sich um. Die eigenen Maschinen konnten wegen Nebels nicht landen. Der Tiroler Hubschrauber wurde angefordert. Nur um wenige Minuten später wieder storniert zu werden. Die Südtiroler Rettungskräfte waren doch zum Einsatzort vorgedrungen. Eine Deutsche wurde stark unterkühlt aus dem Lawinenkegel geborgen.

Roy Knaus versteht nicht, warum die Notrufzentrale in Bozen das Hilfsangebot aus Tirol „trotz Lebensgefahr“ anfangs abgelehnt hat. In solchen Fällen sei es wichtig, „die Ressourcen, die uns zur Verfügung stehen, bestmöglich zu nutzen“. Egal aus welchem Staat diese kommen würden. Manchmal komme er sich vor „wie hinter dem Eisernen Vorhang“, sagt er im Gespräch mit der TT. In seinem Brief schreibt er: „Im Sinne der Patienten ersuchen wir Sie, auf die Verantwortlichen im Südtiroler Rettungswesen dahingehend einzuwirken, Ländergrenzen abzubauen.“

Der Geschäftsführer des Südtiroler Landesnotrufdienstes, Ernst Fop, hält in einer schriftlichen Stellungnahme fest, dass die oberste Priorität bei jedem Einsatz der Rettung der Verunfallten gelte. Man achte aber auch darauf, die eigenen zur Verfügung stehenden Mittel bestmöglich einzusetzen. Fop: „Aber in Einzelfällen ist es schwierig abzuschätzen, ob es besser ist, unseren Hubschrauber einzusetzen oder sofort einen auswärtigen hinzuzuziehen.“

Erst wenn der Fall lückenlos überprüft ist, will auch die zuständige Südtiroler Landesrätin Martha Stocker dazu Stellung nehmen: „Alle Beschwerden werden derzeit genau betrachtet.“

Auch Tirols Landesrat Bernhard Tilg spricht sich „für die Aufklärung zwischen den verantwortlichen Stellen aus“. Nichtsdestotrotz will er „ohne Einschränkungen“ zu den mit Südtirol getroffenen Vereinbarungen stehen.


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