Zerreißprobe um die Zukunft der Formel 1

Besitzer Liberty Media enthüllt am Freitag die Zukunftspläne für die Motorsportkönigsklasse. Die großen Streitthemen: Einmal mehr die Motoren und das liebe Geld.

Bei den bislang kolportierten Zukunftsplänen von Liberty Media wollen die "Big Player" Ferrari und Mercedes nicht mitspielen.
© imago/LAT Photographic

Sakhir – Am Freitag soll in Bahrain der Vorhang gelüftet werden. Bei einer Sitzung aller Teams mit dem Formel-1-Management und dem Automobil-Weltverband (FIA) wollen die beiden Organisationen wesentliche Eckpunkte ihrer Pläne für das Reglement nach 2020 enthüllen. Im Vorfeld kursieren Schlagworte wie Salary Cap, mehr Spannung und Motor-Redimensionierung, was erdrutschartige Umwälzungen bedeuten würde.

Das US-Unternehmen Liberty Media, das beginnend mit der Saison 2017 das operative Geschäft in der Formel 1 übernommen hat, möchte mit Reformen sicherstellen, dass die Rennserie auch für jüngere Publikumssegmente weiter interessant ist. „Jeder Grand Prix sollte eine Super Bowl sein“, hatte der neue Geschäftsführer Chase Carey kurz nach seinem Amtsantritt angekündigt.

Kostendeckelung als No-Go

Bis Ende 2020 laufen Verträge, die sowohl die sportlichen Regeln als auch finanziell den Verteilungsschlüssel zwischen den Teams weitgehend festschreiben. Diverse Arbeitsgruppen mit Beteiligung der FIA, die für die Ausgestaltung des Regelwerks zuständig ist, haben in den vergangenen Monaten Vorschläge erarbeitet, wie die Formel 1 danach aussehen soll.

Details sind bisher nicht bekannt worden. Laut Aussagen führender Vertreter ist Liberty Media bestrebt, einen ausgeglicheneren Wettbewerb zu schaffen, was etwa durch eine Kostendeckelung erreicht werden könnte. Für die großen Hersteller, allen voran Ferrari und Mercedes, ist das ein No-Go.

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Was ein neues Motor-Konzept angeht, fanden 2017 schon erste, unverbindliche Treffen statt. Hersteller wie Red Bull fordern diesbezüglich eine weniger komplexe und billigere Lösung als den derzeit vorgeschriebenen 1,6-Liter-V6-Hybridantrieb. Für Mercedes und Ferrari erscheinen wiederum die Investitionen, die zur Entwicklung eines gänzlich neuen Motors notwendig wären, als horrender Kostenfaktor.

Die Überhol-Debatte, die beim Saison-Auftakt in Melbourne durch das dortige Strecken-Layout noch verschärft worden ist, zeigt eines der Problemfelder auf: Mit der aktuellen Auto-Generation ist es wegen der ausgeklügelten Aerodynamik enorm schwer, andere Wagen zu überholen. Beim Nahkampf verliert der Verfolger wegen der ungünstigen Luftverwirbelungen an Tempo, weil die Boliden seit dem Vorjahr wieder breiter sind, ist zudem der Platz knapper.

Action und Spannung fehlen

„Es ist schwerer als je zuvor, dicht an andere Autos heranzufahren. Wir können nicht mal mehr enge Duelle führen“, bestätige Mercedes-Starpilot Lewis Hamilton. Zwar sollten sich an diesem Wochenende in Bahrain mehr Chancen zum Überholen ergeben, weil die Strecke von Sakhir im Gegensatz zum Stadtkurs von Melbourne mehr Freiheiten bietet. Das Grundproblem aber bleibt.

Der Formel 1 fehlt dadurch Action und Spannung auf der Strecke, die Rennen sind relativ vorhersehbar. Da möchten die neuen Regisseure der Königsklasse gegensteuern. „Wir streben eine Komplettlösung an, einen ganzheitlichen Ansatz“, verriet Sportchef Ross Brawn. Dafür aber werden die neuen Formel-1-Eigentümer noch Überzeugungsarbeit leisten müssen.


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