Pas de deux zweier Charaktere

Exemplarischen Arbeiten des vor zehn Jahren verstorbenen Malers Walter Obholzer stellt die Innsbrucker Galerie Thoman neue Bilder seiner Frau Éva Bodnár gegenüber.

„Detail“, von Walter Obholzer, 1999, in Tempera auf eine 75 x 75 Zentimeter große Aluplatte gemalt.
© Gal. Thoman

Von Edith Schlocker

Innsbruck –Es sei überfällig, Walter Obholzer zehn Jahre nach seinem frühen Tod wieder einmal in Erinnerung zu bringen, sagt Klaus Thoman. Nicht nur, weil er mit ihm die Schulbank gedrückt und ihm 1979 in seiner damaligen Galerie auch die erste Einzelausstellung gewidmet hat, sondern weil er ein ganz einzigartiger Künstler gewesen sei. Dagegen, dass er sich die Galerie diesmal mit seiner malenden Frau Éva Bodnár teilen muss, hätte der im Alter von nur 54 Jahren verstorbene Obholzer sicher nichts. Haben der gebürtige Haller und die Budapesterin doch immer wieder gemeinsam ausgestellt, vielleicht gerade deshalb, weil sie künstlerisch so vieles trennte.

Denn ihren Mut zu einem spontan gestischen Arbeiten habe er nicht, hat Walter Obholzer einmal gesagt. War er im Gegensatz zu seiner vom Bauch gesteuerten Frau doch ein extrem disziplinierter Arbeiter, der absolut nichts Spontanes zuließ. Um auf diese Weise in wodurch auch immer erweiterte Denk- und Sehräume vorzudringen, die von hyperrealistisch formulierten klaren Linien, Farben und Formen dominiert sind. Walter Obholzer hat oft monatelang an diesen meist großformatigen Bildern gearbeitet, weshalb das Werk, das er der Nachwelt hinterlassen hat, ein entsprechend schmales ist.

Einige typische Beispiele daraus zeigt die Galerie Thoman nun. Etwa eine Serie von sechs kleinen Aquarellen, in denen ein Sujet jeweils minimal weiterentwickelt ist. Vergleichbar mit der Arbeitsweise eines Radierers, der die Druckplatte immer weiter strukturell verdichtet, in Obholzers Fall durch feinst nuancierte Grauwerte. Ins Großformat übertragen auf dem auf einer dünnen Aluplatte gemalten Temperabild einer komplex verknäuelten Struktur. Die in anderen Arbeiten reizvoll ins Ornamentale kippen, ausgebreitet in einer alles Handschriftliche ad absurdum führenden und somit das Wesen der Malerei kunstvoll hinterfragenden Art und Weise.

Éva Bodnár, die Obholzer anlässlich eines Stipendiums in Budapest kennen gelernt hat und ihm nach Wien gefolgt ist, tickt da ganz anders. Emotionen spielen in ihren gern auf quadratische Leinwände in Öl gemalten Bildern die zentrale Rolle. Sie kommen bisweilen ganz assoziativ daher, indem man etwa eine Blumenwiese oder Steine auf moosigem Grund zu sehen glaubt. Andere kommen dagegen allein mit einem subtilen Spiel mit Streifigem oder einem Schachbrettmuster aus. Die Malerei an sich wird da zum Thema, das Jonglieren mit einer delikaten, oft in vielen Schichten aufgetragenen Farbigkeit, wodurch sich im besten Fall magische Farbräume eröffnen.

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Vier der Bilder, die Éva Bodnár in die Galerie Thoman gehängt hat, erinnern durch ihre Punkte an Würfel. Aufgeblasen auf das Format von 80 mal 80 Zentimeter, bekommt das an sich ganz Kleine auf diese Weise eine Präsenz, die fast absurd anmutet. Durchdekliniert von Sequenz zu Sequenz auf ganz unterschiedliche Weise. Was mit der jeweiligen Farbigkeit genauso wie mit dem Grad an Expression im Handschriftlichen zu tun hat.


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