China-Besuch - Peking will in Umwelt- und Klimafragen Akzente setzen

Peking/Wien (APA) - Im Zuge des österreichischen Staatsbesuchs in China werden Bundespräsident Alexander Van der Bellen und Umweltministerin...

Peking/Wien (APA) - Im Zuge des österreichischen Staatsbesuchs in China werden Bundespräsident Alexander Van der Bellen und Umweltministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) am kommenden Montag in Peking die größte Wasseraufbereitungsanlage Asiens besuchen. Zudem sollen mehrere Umweltprojekte in Chinas Hauptstadt vorgestellt werden und beim „Eco Forum Global“ Gespräche mit Experten über Chinas Klimasituation geführt werden.

Diese Termine gelten auch als Hinweis, dass das Umwelt- und Klimabewusstsein in China durchaus gestiegen ist. Die Huaifang-Wasseraufbereitungsanlage in Peking nahm im Oktober 2016 ihren Dienst auf. Die Anlage liegt laut Medienberichten vollständig unter der Erdoberfläche und ist in der Lage, täglich 600.000 Kubikmeter Wasser aufzubereiten. Diese Menge entspricht dem gesamten durchschnittlichen Wasserkonsum von zwei Millionen Familien. Dadurch soll das Problem der Abwasseraufbereitung im südlichen Teil Pekings völlig gelöst und die Wasserqualität der betreffenden Gewässer weiter verbessert werden.

Peking startete 2016 einen zweiten Dreijahresplan, in dessen Verlauf 15 Wasseraufbereitungsanlagen modernisiert und 27 neue aufgebaut werden sollen. Der Schwerpunkt liegt dabei darauf, das Problem des direkten Ausflusses von Abwässern am Stadtrand und den Mangel an Abwasseranlagen in Dörfern mit wichtigen Wasserquellen sowie in Tourismusorten zu lösen. Ziel ist es, die Abwässer vollständig aufzusammeln, zu behandeln und aufzubereiten.

Aber auch in der Klimapolitik und anderen Nachhaltigkeitsfragen setzt China neue Akzente. So kritisierte Peking den Rückzug von US-Präsident Donald Trump aus dem Paris Klimaabkommen scharf. Die Entscheidung sei ein „globaler Rückschlag“, hieß es im Juni des Vorjahres in einem Kommentar der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua. Trump habe „zum Bedauern fast aller“ entschieden, sich und die USA von einer „historischen globalen Vereinbarung abzuschneiden, bei deren Entstehung sein Land einmal eine Schlüsselrolle spielte“.

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Klimaexperten loben schon länger, dass China im Kampf gegen die Treibhausgase eine immer klarere „Führungsrolle“ einnehme. Das Land hat zugesagt, seinen Höchststand beim CO2-Ausstoß spätestens 2030 erreichen zu wollen. Viele Experten sind jedoch der Meinung, dass dieser „Peak“ schon deutlich früher erreicht sein dürfte. Vor allem bei der dreckigen Verbrennung von Kohle, mit der China derzeit noch mehr als 60 Prozent des Energiebedarfs deckt, macht das Land Fortschritte.

Auch dank des schwächeren Wirtschaftswachstums hat China im Jahr 2016 4,7 Prozent weniger Kohle als im Vorjahr verbraucht - der dritte Rückgang in Folge. Die zweitgrößte Volkswirtschaft ist damit zwar noch immer der größte Kohle-Konsument der Welt. Dennoch lobten Umweltschützer, dass Peking sichtbare Fortschritte dabei mache, seine Abhängigkeit von Kohleverbrennung, eine der größten Quellen für das klimaschädliche Treibhausgas CO2, zu reduzieren.

Nach zwei Jahrzehnten blinden Wachstums strebt auch die Regierung ein qualitativ besseres und nachhaltigeres Wachstum an. China verfügt bereits heute über mehr Solar- und Windenergieanlagen als jedes andere Land der Welt. Allerdings will die Volksrepublik nicht nur mit Hilfe regenerativer Energien ihren CO2-Ausstoß reduzieren. Im Kampf gegen die Erderwärmung und den dichten Smog in den Großstädten sieht die Regierung den massiven Ausbau von Atomkraft als unverzichtbar an. Rund 80 neue Atomkraftwerke sollen allein in den nächsten 15 Jahren gebaut werden. Auch soll die Stahl-, Aluminium- und Düngerproduktion deutlich gedrosselt werden.

Das passiert laut politischen Beobachtern nicht zuletzt aufgrund des sozialen Drucks. Schließlich war die Luftverschmutzung und die damit verbundene Eintrübung bisweilen so stark, dass in Städten die Balkonpflanzen und die Bauern am Land Ernteausfälle zu beklagen hatten.

Van der Bellen bricht am (heutigen) Freitag nach Peking auf. Ab Samstag absolviert er in China einen Staatsbesuch, an dem auch Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP), Außenministerin Karin Kneissl (FPÖ), Umweltministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP), Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck (ÖVP), Infrastrukturminister Norbert Hofer (FPÖ) sowie WKÖ-Präsident Christoph Leitl teilnehmen. Neben einem Treffen mit der chinesischen Staatsspitze in der chinesischen Hauptstadt stehen für den Großteil der Delegation im Lauf der kommenden Woche ein Besuch des Boao-Wirtschaftsforums auf der Insel Hainan sowie der Regionalmetropole Chengdu auf dem Programm.


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