Vier Tote bei Lkw-Attacke in Münster - Täter wohl psychisch labil

Münster (APA/dpa/Reuters/AFP) - Nach der blutigen Tat im westdeutschen Münster gehen die Ermittler nach ersten Ermittlungen nicht von einem ...

Münster (APA/dpa/Reuters/AFP) - Nach der blutigen Tat im westdeutschen Münster gehen die Ermittler nach ersten Ermittlungen nicht von einem Terrorhintergrund aus. Bei dem Mann am Steuer des Kleintransporters, der am Samstag in eine Menschenmenge gerast war, handelt es sich wohl um einen psychisch labilen Einzeltäter. Er hatte sich nach dem Angriff, bei dem drei Menschen ums Leben kamen, erschossen.

Nach einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ wurde die Wohnung des mutmaßlichen Täters am Abend nach Sprengstoff durchsucht. Dafür gab es zunächst keine offizielle Bestätigung. Nach Informationen von NDR, WDR und „Süddeutscher Zeitung“ ist der Mann Jahrgang 1969 und Deutscher ohne Migrationshintergrund. Er soll in der Vergangenheit psychisch auffällig gewesen sein, Hinweise auf Islamismus gebe es nicht. Die „FAZ“ berichtete online, bei dem Mann handle es sich um einen 27-Jährigen. Ein Sprecher des nordrhein-westfälischen Innenministeriums sagte, er könne die Berichte „weder bestätigen noch dementieren“.

Der Täter hatte am Nachmittag in der Altstadt von Münster einen Kleintransporter in eine Menschenmenge gesteuert. Nach Angaben des deutschen Innenministeriums starben nach aktuellem Informationsstand vier Menschen. Darunter war auch der mutmaßliche Täter. Er erschoss sich nach Polizeiangaben in dem Wagen.

Von den rund 30 Verletzten seien sechs schwer verwundet, einige von ihnen schwebten noch in Lebensgefahr, hieß es aus Sicherheitskreisen. Die Einsatzkräfte untersuchten einen verdächtigen Gegenstand im Auto und prüften, ob er möglicherweise Sprengstoff enthielt.

Unklar war nach der Tat zunächst, ob der Mann alleine handelte oder ob ihm geholfen wurde. Laut Polizei gab es Gerüchte, wonach zwei weitere Menschen aus dem Transporter gesprungen und geflüchtet seien könnten. Das sei aber nicht sicher und müsse nun verifiziert werden, sagte ein Polizeisprecher.

Die Tat ereignete sich im Gastgarten des Traditionsgasthauses „Großer Kiepenkerl“ mitten in der Münsteraner Altstadt. Dieser war am Samstagnachmittag wegen des frühlinghaften Wetters stark frequentiert. Dass sich die Tat an dem beliebten Treffpunkt ereignete, gab Spekulationen über einen möglichen Anschlag Auftrieb. Der Platz rund um das Standbild eines reisenden Händlers aus dem Münsterland ist auch eine Touristenattraktion.

Deutsche Spitzenpolitiker zeigten sich entsetzt und sprachen den Opfern und Angehörigen ihre Anteilnahme aus. „Die Meldungen, die uns aus Münster erreichen, sind entsetzlich“, erklärte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am Samstag in Berlin. Bundeskanzlerin Angela Merkel zeigte sich „zutiefst erschüttert“ von den „schrecklichen Geschehnissen“. Es werde nun „alles Denkbare zur Aufklärung der Tat und zur Unterstützung der Opfer und ihrer Angehörigen getan“, versicherte sie.

„Ein trauriger, ein schrecklicher Tag für unser Land“, schrieb der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet auf Twitter. Innenminister Horst Seehofer betonte, dass die Polizei auf Hochtouren an der Aufklärung arbeite. Die AfD-Spitzenpolitikerin Beatrix von Storch kommentierte die Berichte in einem ersten Kommentar sarkastisch mit dem Merkel-Zitat „WIR SCHAFFEN DAS!“, ruderte aber nach scharfer Kritik zurück. „Das muss kein islamischer Anschlag gewesen sein. Klar nicht“, schrieb sie auf Twitter. „Und wenn sich ein deutscher Kranker als Täter herausstellt, dann konstatiere ich: auch von deutschen Mördern und Verrückten haben wir genug. Wir brauchen keinen einzigen dazu.“

Bestürzt zeigte sich auch das Ermittlerteam des Münsteraner Fernseh-“Tatorts“. „Erste Bilder und Nachrichten aus Münster brechen mir das Herz“, schrieb der als Rechtsmediziner Professor Karl-Friedrich Boerne bekannte Schauspieler Jan Josef Liefers auf Twitter. „Einer der friedlichsten und freundlichsten Orte, die ich kenne - trotz dieses kranken Anschlags.“ Ähnlich äußerte sich Liefers‘ Kollege Axel Prahl, der den fiktiven Hauptkommissar Frank Thiel spielt. „Wir denken an Euch“, teilte Prahl auf Facebook mit. „Münster, bleib wie Du warst und wie wir Dich lieben: offen, friedlich, freundlich, stark und stolz. Lass Dich jetzt nicht unterkriegen.“

Auch die österreichische Spitzenpolitik äußerte ihr Mitgefühl mit den Betroffenen. „Schreckliche Nachrichten aus Münster“, twitterten Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) und Oppositionsführer Christian Kern (SPÖ) gleichlautend. „Tief betroffen“ zeigte sich auch der katalanische Ex-Regionalpräsident Carles Puigdemont, der sich wegen des laufenden Auslieferungsverfahrens nach Spanien in Berlin aufhält. „Mein ganzes Mitgefühl und Solidarität den deutschen Bürgern, den Vertretern vor Ort und der Bundesregierung“, twitterte er auf Deutsch.

(Grafik Nr. 0380-18, Format 88 x 55 mm)


Kommentieren