Brasilianischer Ex-Präsident Lula stellte sich der Polizei

Wegen Korruption muss der populäre Politiker eine langjährige Haftstrafe verbüßen. Nachdem eine ganze Reihe von Einsprüchen abgelehnt wurden, gibt Lula nach und stellt sich der Justiz. Seine Anhänger wittern eine Verschwörung.

Samstagabend stellte sich Luiz Inacio Lula da Silva (Mitte) der Polizei. Wenig später trat er seine Haft an.
© Reuters/Ricardo Moraes

Curitiba – Der wegen Korruption zu zwölf Jahren Gefängnis verurteilte brasilianischen Ex-Präsident Luiz Inacio Lula da Silva hat sich der Polizei gestellt. Lula habe am Samstagabend das Gewerkschaftshaus in Sao Bernardo do Campo verlassen und sei von Beamten der Bundespolizei in Gewahrsam genommen worden, berichtete der TV-Sender Globo.

Auf Live-Aufnahmen war zu sehen, wie sich der 72-Jährige mithilfe seiner Leibwächter den Weg durch eine Menge von Anhängern bahnte, die sich vor dem Gebäude versammelt hatten. Dem Bericht zufolge stieg er dann in ein Auto der Bundespolizei, das begleitet von anderen Einsatzfahrzeugen mit Blaulicht in Richtung Autobahn fuhr.

Noch am Abend wurde Lula nach Curitiba im Süden des Landes geflogen. Dort brachten ihn Beamte in das Hauptquartier der Bundespolizei, wo eine Zelle für den 72-Jährigen vorbereitet worden war. Medienberichten zufolge verfügt Lula dort über ein Bett, einen Tisch, Sessel und ein eigenes Bad. Das dort ansässige Gericht ist für die Ermittlungen in dem Korruptionsskandal um den staatlich kontrollierten Ölkonzern Petrobras zuständig.

Flammende rede vor Tausenden Anhängern

Kurz zuvor hatten Lulas Anhänger ihn noch daran gehindert, seine Haftstrafe anzutreten, indem sie die Ausfahrt des Gewerkschaftshauses in Sao Bernardo do Campo blockierten. Er musste zunächst wieder aus seinem Auto aussteigen und in das Gebäude zurückkehren.

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Lula hatte am Samstag nach anfänglicher Weigerung angekündigt, dass er sich den Behörden stellen werde. Der Politiker der Arbeiterpartei war im vergangenen Jahr wegen Korruption und Geldwäsche zu zwölf Jahren Gefängnis verurteilt worden.

Lula besuchte am Samstag noch eine Messe für seine im vergangenen Jahr verstorbene Ehefrau und hielt danach eine flammende Rede vor Tausenden Anhängern. „Je mehr sie mich angreifen, desto mehr wächst meine Beziehung zum brasilianischen Volk“, sagte er.

Lula weißt Vorwürfe vehement zurück

Dem Urteil zufolge ließ sich er sich während seiner Präsidentschaft von der größten brasilianischen Baufirma OAS eine Luxuswohnung in der Küstenstadt Guaruja im Teilstaat Sao Paulo sowie eine große Geldsumme in bar schenken. Der Baukonzern soll im Gegenzug bei Verträgen mit dem Ölkonzern Petrobras begünstigt worden sein.

Lula, der Brasilien von Anfang 2003 bis Anfang 2011 regierte, weist die gegen ihn erhobenen Vorwürfe zurück und wertet das Verfahren als Versuch, seine diesjährige Präsidentschaftskandidatur zu verhindern. Er galt bisher als aussichtsreichster Kandidat für den Urnengang im Oktober.

Auch gegen den amtierenden Präsidenten Michel Temer von der rechtskonservativen Partei der demokratischen Bewegung (PMDB) werden Korruptionsvorwürfe erhoben. Mehrere Minister seiner Regierung mussten bereits zurücktreten. Der Ex-Vizepräsident Temer kam 2016 zum Zug, nachdem Lulas Nachfolgerin und Parteikollegin Dilma Rousseff wegen Verstößen bei der Gebarung der Staatsfinanzen ihres Amtes enthoben worden war. (APA/dpa/AFP)


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