Internationale Pressestimmen zum Syrien-Konflikt

Paris/Zürich (APA/AFP/dpa) - Die internationalen Zeitungen beschäftigen sich am Dienstag mit den Reaktionen auf den mutmaßlichen Giftgasangr...

Paris/Zürich (APA/AFP/dpa) - Die internationalen Zeitungen beschäftigen sich am Dienstag mit den Reaktionen auf den mutmaßlichen Giftgasangriff auf die syrische Stadt Duma (Douma) am Wochenende:

„Liberation“ (Paris):

„Amerikaner und Franzosen könnten als Vergeltung für die Attacke von Duma gezielte Luftschläge in Syrien ausführen. Sie hätten damit Recht, selbst wenn es dafür eigentlich zu spät ist: Donald Trump ist bereits vor einem Jahr so vorgegangen; und Emmanuel Macron ist zu besorgt um seine internationale Stellung. Wenn die Diplomatie noch irgendeinen Sinn hat, muss sie nun voll in Gang kommen, um die Reaktion der Russen zu entschärfen. Sie sind die neuen Herrscher in Syrien.“

„Neue Zürcher Zeitung“:

„Die russische Führung, die seit Beginn des Bürgerkriegs die Verbrechen des Assad-Regimes deckt und mit ihrer Militärhilfe in erheblichem Ausmaß erst ermöglicht, macht sich einmal mehr mitschuldig am Massenmord in Syrien. Die Tragödie vom Wochenende entlarvt aber nicht nur den russischen Zynismus, sondern auch die Heuchelei des Westens. Dass die Europäer nun an den UNO-Sicherheitsrat appellieren, dasselbe Gremium, das Russland mithilfe seines Vetorechts zu einem zahnlosen Tiger degradiert hat, wirkt unbeholfen. Nur eine Demonstration robuster Macht könnte Assad davon abhalten, die eigene Bevölkerung abzuschlachten - doch der Wille dazu fehlt weitgehend.“

„Frankfurter Allgemeine Zeitung“:

„Das syrische Regime kann sich auf seinen Verbündeten Russland verlassen: Gleich welche Verbrechen Assads Truppen an der Zivilbevölkerung begehen, die Rechtfertigung aus Moskau folgt sofort. Die neuen Berichte über den Einsatz von Chemiewaffen, die Bilder von vergifteten Kindern? Nach offizieller russischer Lesart nur „Provokationen“ zum Schutz von Terroristen und zur Rechtfertigung ausländischer Militärschläge. Es sind nicht einmal Versuche erkennbar, mäßigend auf das Assad-Regime einzuwirken, das offensichtlich keinerlei Skrupel kennt. Die russische Führung trägt deshalb eine große Mitschuld an den Verbrechen gegen das syrische Volk.“

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„La Stampa“ (Rom):

„Die Vereinigten Staaten und Russland haben bisher gefährlich am syrischen Abgrund getanzt, auf unterschiedlichen Abhängen des Bürgerkrieges, aber ohne sich direkt zu begegnen. Washington und Moskau (...) können nun in den Strudel eines direkten militärischen Aufeinanderprallens gerissen werden. Das wollen weder die Russen noch die Amerikaner, aber die Ereignisse könnten sie einholen. USA und Russland haben sich auf eine Diplomatie der schriftlichen Erklärungen und der Tweets reduziert. Die letzten Ereignisse zeigen das wachsende Unverständnis füreinander.“


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