Syrien-Reaktion: Riskiert Trump Konflikt mit Russland?

US-Präsident Trump könnte nach einem mutmaßlichen Giftgasangriff durch das syrische Regime wieder zum Mittel eines begrenzten Militärschlags greifen. Ein tieferes Eingreifen in den Krieg gilt als unwahrscheinlich.

Anfang April 2017 wurden US-Marschflugkörper auf eine syrische Luftwaffenbasis abgefeuert. Greift Trump nun zu einem ähnlichen Mittel?
© US NAVY

Washington, Damaskus - Nach dem mutmaßlichen Giftgasangriff in Syrien will US-Präsident Donald Trump in Kürze über seine Reaktion entscheiden. Er hat gedroht, die Verantwortlichen würden einen „hohen Preis“ zahlen, sollte sich der Einsatz von Chemiewaffen in Ost-Ghouta bestätigen.

Eine militärische Reaktion scheint daher naheliegend, doch sind die Optionen des Pentagon begrenzt, will es keinen explosiven Konflikt mit Syriens Schutzmacht Russland riskieren.

„Die USA müssen sehr vorsichtig sein, nicht versehentlich russische Ziele zu treffen oder russische Berater zu töten“, sagt der Politikwissenschaftler Ben Connable von der Rand Corporation. Da die Russen vielerorts an der Seite der syrischen Regierungstruppen präsent seien, schränke das die Optionen der US-Streitkräfte erheblich ein. Der Tod russischer Soldaten könnte andernfalls zu einer direkten Konfrontation der Atommächte führen.

Begrenzte Intervention wahrscheinlich

Wahrscheinlicher erscheint daher, dass Trump sich für eine begrenzte Intervention wie vor einem Jahr entscheidet. Damals hatte der US-Präsident als Vergeltung für einen Giftgasangriff in der syrischen Kleinstadt Khan Sheikhoun (Chan Scheichun) Marschflugkörper auf einen Militärflughafen der Regierungstruppen feuern lassen. Auch Trumps Kritiker hatten den Angriff auf die Basis Al-Shairat damals als angemessene und begrenzte Reaktion gelobt.

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„Der Präsident hat entschieden reagiert, als Assad vergangenes Jahr Chemiewaffen eingesetzt hat“, sagte der republikanische Senator John McCain, der Trump sonst regelmäßig kritisiert. „Er sollte dies erneut tun und zeigen, dass Assad einen Preis zahlt, wenn er Kriegsverbrechen begeht.“ Allerdings hielt der Angriff auf Al-Shairat den syrischen Machthaber Bashar al-Assad nicht davon ab, erneut Chemiewaffen einzusetzen.

Noch rund 2000 US-Soldaten in Nordsyrien

Eine weiter reichende Militärintervention der USA erscheint trotzdem unwahrscheinlich, nachdem Trump kürzlich angekündigt hat, den Einsatz der US-Truppen in Syrien bald zu beenden. Rund 2000 US-Soldaten sollen im Kampf gegen die Jihadistenmiliz IS in Nordsyrien im Einsatz sein. Der Militärexperte Daniel Davis vom Politikinstitut Defense Priorities hält es für richtig, sich aus Syrien herauszuhalten.

„Die schlimmste Politikoption für die USA wäre, tiefer in den syrischen Bürgerkrieg verstrickt zu werden, der, so brutal er auch ist, keinen Einfluss auf unsere Sicherheit und unseren Wohlstand hat“, sagt Davis. Es ist aber nicht ausgeschlossen, dass Trump unter dem Einfluss seiner Minister, seine Meinung noch mal ändert. Insbesondere sein neuer Nationaler Sicherheitsberater John Bolton ist als Befürworter von Militärinterventionen bekannt. (APA/AFP)


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