Internationale Pressestimmen zu Syrien 2 - „Lächerliche Tragik“
Damaskus/Washington (APA/dpa) - „Adevarul“ (Bukarest):...
Damaskus/Washington (APA/dpa) - „Adevarul“ (Bukarest):
„Der Fall ist außerordentlich ernst, nicht nur weil wir nun in absolut lächerlicher Tragik vor einer völligen Auslöschung dessen zu stehen scheinen, was die Grundfunktion der UNO hätte sein müssen - nämlich die Vorbeugung und das Management von Konflikten. Mehr noch, wir scheinen vor einer Periode des Mangels an Regeln für internationale Beziehungen und des Verhaltens zwischen Staaten zu stehen. (...)
Diesmal haben wir unzählige Beteuerungen gehört, dass die Ziele höchst sorgfältig ausgesucht und dass die Schläge punktgenau geplant worden seien, was sich jetzt auch durch Analyse der Satellitenbilder belegen lässt. Nur, beim nächsten Mal könnte es anders sein, weil andere sich kaum um Kollateralschäden und um die Meinung der internationalen Gemeinschaft scheren werden.“
„Sme“ (Bratislava):
„Mit der Bestrafung des syrischen Schlächters (des syrischen Präsidenten Bashar al-Assad) sind der Westen und vor allem die USA wieder in den Nahen Osten zurück gekehrt. Zuvor hatten sich Russland und der Iran in das Einfluss-Vakuum gedrängt, das dort vor allem (Ex-US-Präsident Barack) Obama hinterlassen hatte. Das Morden an der eigenen Bevölkerung mit Giftgas war Ergebnis davon gewesen. (...) Russland baut seine scharfe Kritik auf dem Fehlen von Beweisen auf. Aber auch aus Laiensicht ist offensichtlich, dass sich die vier besten Geheimdienste (auch mit jenem des nicht angreifenden Israel) nicht erneut gemeinsam irren konnten, wie einst im Fall des Irak. Die internationale Gemeinschaft hat überzeugende Beweise dafür, dass auch der Großteil der vorherigen Giftgaseinsätze auf das Konto des Regimes in Damaskus ging.“
„Dennik N“ (Bratislava):
„Der Einsatz von Chemiewaffen, die logischerweise vor allem Zivilisten treffen, hat (für den syrischen Präsidenten Bashar al-Assad) keine militärischen Gründe. Er ist eher ein Ausdruck der Rache gegen all jene, die sich ihm keck in den Weg zu stellen wagten. Mit dem Einsatz von Giftgas beendet Assad nicht den Krieg, sondern baut damit sein neues Syrien auf - ein Syrien, in dem sich niemand mehr trauen wird, sich gegen ihn zu erheben, nachdem er sieht, wozu Assad fähig ist. Und das soll das Regime sein, von dem sogar der Westen inzwischen sagt, es nicht beseitigen zu wollen? Aus geopolitischen Gründen ist das vielleicht wirklich nicht möglich, das ist traurig genug.“
„De Volkskrant“ (Amsterdam):
„Das Assad-Regime zeigt sich nicht sonderlich beeindruckt von der Botschaft aus dem Westen. Es lässt einen Film verbreiten, ob nun inszeniert oder nicht, in dem Präsident Assad nach dem Anschlag ungerührt auf dem Weg ins Büro ist - bereit für einen neuen Arbeitstag. Westliche Raketen auf Damaskus? Der staatlichen syrischen Nachrichtenagentur Sana zufolge wurden die von der kriegsgehärteten Bevölkerung als ‚Feuerwerk‘ empfunden.“
„Süddeutsche Zeitung“ (München):
„Nach der strengen Auslegung der UNO-Charta war der Luftschlag nicht vom Völkerrecht gedeckt. Weder diente er der Selbstverteidigung noch gab es ein UNO-Mandat. In einer breiteren, humanitären und politischen Lesart war der Schlag indes sehr wohl möglich. Das Leid der Zivilbevölkerung in Syrien darf gemildert werden, die humanitäre Verpflichtung zum Schutz besteht gerade in dieser Extremsituation des Krieges. Außerdem senden Staaten die Botschaft aus, dass der völkerrechtswidrige Einsatz von Giftgas nicht widerspruchslos akzeptiert und der Ächtung der chemischen Waffen durch die Weltgemeinschaft Geltung verschafft wird. Das ist ein starkes Argument.“
„Neatkariga Rita Avize“ (Riga):
„Die USA, Großbritannien und Frankreich haben den bisher ehrgeizigsten Angriff auf Syrien unternommen und mindestens 105 Kampfraketen auf Objekte abgefeuert, die als Produktionsstätten von syrischen Chemiewaffen gelten. Selbst wenn US-Präsident Donald Trump sich über die ‚Mission accomplished‘ gefreut hat, gibt es keine Anzeichen dafür, dass dies die Kampfkraft der loyalen Streitkräfte des syrischen Präsidenten Bashar Al-Assad beeinträchtigt hätte.
Außerdem wurde der Eindruck erweckt, dass es auch nicht nötig war - der Hauptzweck der Angriffe bestand darin, die öffentliche Spannung in den Beziehungen zwischen den Großmächten zu verringern. Mehrere syrische Oppositionsgruppen äußerten Unzufriedenheit, dass die Antwort des Westens an Assad so unentschlossen war. Bestätigt wurden von ihnen auch die von Damaskus und Moskau verbreiteten Nachrichten - ein großen Teil der Marschflugkörper sei abgeschossen worden, bevor sie die Ziele erreichten.“
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