45 Menschenbilder von 45 Künstlern aus 100 Jahren
Die Innsbrucker Galerie Maier feiert ihren 45. Geburtstag mit „45 Köpfen“: gemalten, gezeichneten und in Stein gehauenen.
Von Edith Schlocker
Innsbruck –Es ist etwas mehr als 100 Jahre her, als Josef Dobrowsky mit nur wenigen Strichen ein friedlich schlafendes Baby gezeichnet hat; der Bronzekopf, den Lois Anvidalfarei auf einen Sockel gelegt hat, ist dagegen erst kürzlich entstanden. Er zeigt einen dramatisch nach Luft Ringenden, in perfekter morbider Ästhetik zwischen Leben und Tod Schwebenden. Zwei Beispiele, die für die gewaltige Bandbreite der Ausstellung stehen, die sich die Galerie Maier zu ihrem 45. Geburtstag selbst schenkt.
Hätten Köpfe doch ihr gesamtes galeristisches Leben begleitet, sagt Mina Maier, und wie unterschiedlich das scheinbar Gleiche daherkommen kann, führt die exquisit mit 45 Köpfen bestückte Schau vor. Mit gezeichneten genauso wie gemalten, in Bronze gegossenen oder aus Stein gehauenen, von Männern und Frauen, Jungen und Alten. Um auf diese Weise gleichzeitig einen Querschnitt durch die Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts vorzuführen und deren flotten Wandel künstlerischer Sehweisen im Spiegel individueller Künstlerhandschriften bzw. -temperamente.
Da hängt etwa das unendlich depressive, mit schwarzer Kreide gezeichnete Selbstbildnis von Rudolf Wacker von 1932 neben einem etwa gleichzeitig entstandenen wunderbar poetischen Mädchenbildnis von Artur Nikodem und einem kleinen, von einer delikaten Farbigkeit dominierten Damenporträt Ernst Nepos, das dieser als reizvollen Verschnitt aus Sezessionismus und Neuer Sachlichkeit gemalt hat.
Zum Leben erweckt werden die 45 gezeigten Köpfe durch ihre heterogenen Nachbarschaften. Etwa des selbstbewusst aus dem Rahmen schauenden Herbert Boeckl, der sich selbst offensichtlich so anders sieht als es der sich in klassischer Anmutung porträtierende Oswald Oberhuber tut oder es der alte Wilfried Kirschl getan hat. Wunderschön ist die kleine Übermalung einer Totenmaske durch Arnulf Rainer von 1978 und in ihrer düsteren Archaik so komplett anders als die gerade durch ihre Stille so starken Menschenbilder von Jean Egger, Jutta Katharina Kiechl oder Norbert Drexel.
Breiten Raum nimmt in der Schau die Skulptur ein. Da gibt es etwa einen auf das Wesentliche reduzierten Kopf, den man niemals Franz Pöhacker zuschreiben würde, aber auch einen in archaischer Wucht von Fritz Wotruba in Beton gegossenen oder einen von Herbert Albrecht in schwarzen Stein gehauenen, dessen weiße Maserung der Künstler souverän zum grafischen Element instrumentalisiert.
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