Internationale Pressestimmen zu Syrien 3 - „Zynisches Gemogel“
Berlin (APA) - „Stuttgarter Zeitung“:...
Berlin (APA) - „Stuttgarter Zeitung“:
„Nach dem Militärschlag auf Syrien, samt den Schuldzuweisungen an Russland, Assad nicht gestoppt zu haben, sieht Moskau seine Version, vom Westen bedroht zu sein, als bestätigt an. Der Westen sei der Aggressor, der die Angst vor einem neuen Krieg schüre. Russland dagegen sei die vernünftige weltpolitische Kraft, die das internationale Recht achte und sich für den Erhalt funktionierender internationaler Beziehungen einsetze. Im russischen Verständnis ist das, was im Westen als vollkommen absurd anmutet, durchaus konsequent: Es wehrt sich gegen böse Mächte, die es umzingeln.“
„Frankfurter Allgemeine Zeitung“:
„Der Bundespräsident warnt vor einer „galoppierenden Entfremdung“ und davor, „Russland insgesamt, das Land und seine Menschen, zum Feind (zu) erklären“. (...) Die zutreffendste Einschätzung Putins, seiner Methoden und Ziele hat in Berlin schon seit langem die Bundeskanzlerin. Es ist erfreulich, dass auch der Blick des neuen Außenministers nach Moskau nicht von jener Verklärung getrübt wird, die in der SPD (und mitunter sogar in der CSU) das Wort Ostpolitik bis heute rosarot erscheinen lässt. Realismus aber tut not, denn gerade bei der Gestaltung des Verhältnisses des Westens zu Russland kommt Deutschland eine Schlüsselrolle zu. ... Solange der Kreml aber lieber Konflikte schafft oder vertieft, weil das seinen Interessen dient, wird auch der begabteste Pferdeflüsterer die Entfremdung nicht am Galoppieren hindern können.“
„Die Welt“ (Berlin):
„Die Kanzlerin hat recht: Der Militärschlag gegen Syrien war „erforderlich“. Freilich war er nicht, wie Angela Merkel meinte, auch „angemessen“. Wenn weiter keine Taten folgen, wird man von einer rein symbolischen Handlung reden müssen. Der Westen hat längst stillschweigend akzeptiert, dass Assad dank seiner Schlächtermentalität und seiner Helfer in Moskau und Teheran den Bürgerkrieg gewonnen hat. Was Russland betrifft, so muss natürlich eine militärische Konfrontation vermieden werden. Aber die Möglichkeiten ökonomischer Sanktionen, diplomatischer und sportlicher Boykotts sind noch lange nicht ausgeschöpft. Vor allem muss Europa einen Plan entwickeln, seine lähmende Abhängigkeit von russischem Gas zu beenden.“
„Frankfurter Rundschau“:
„Wer die Bilder der qualvoll erstickten Opfer von Ost-Ghouta noch vor Augen hat, auf den müssen die westlichen Raketenangriffe auf Syrien wirken wie ein zynisches Gemogel. Trotz einer Woche martialischer Trump-Tweets beließen es die Alliierten wieder nur bei symbolischen Luftschlägen, wenn auch ein paar Marschflugkörper mehr als vor einem Jahr nach dem Giftgasangriff auf Khan Sheikhoun. Und trotzdem - so hart es klingt - war das Bombardement unter dem Strich ein Sieg der Vernunft. Der befürchtete Schlagabtausch mit Russland auf syrischem Boden fand nicht statt, aus dem sich leicht ein verheerender Weltbrand hätte entwickeln können. Damit einher geht die Einsicht, dass für den Westen in Syrien nicht mehr viel zu machen ist. Das Regime in Damaskus hat gesiegt und wird weitgehend die Bedingungen für die Nachkriegszeit diktieren. Für die USA und Europa dagegen ist der Zeitpunkt längst verstrichen, wenn es ihn je gab, Syriens Tragödie abzukürzen oder in andere Bahnen zu lenken.“
„Süddeutsche Zeitung“ (München):
„Der Luftschlag sollte eine Botschaft der Entschlossenheit aussenden, aber er war vor allem auch ein Symbol der Hilflosigkeit, weil aus den Trümmern einer Giftmischanlage auch keine politische Idee emporstieg. Bald schon wird sich die Welt neuen Krisen zuwenden, bis in Syrien wieder Gas eingesetzt wird oder das Regime Assad auf den Trümmern einer einstigen Hochkultur den Sieg erklärt. Bis zu diesem Moment ist es nicht mehr weit. Ost-Ghouta war die letzte symbolische Hochburg der Assad-Gegner. Dort sind sie nun besiegt. Zwei, drei Enklaven bleiben den Aufständischen. Sie werden auch von dort vertrieben oder getötet werden. Assad kann den Sieg wohl noch in diesem Jahr verkünden. Und dann?“
„Kölner Stadt-Anzeiger“:
„Es war wohl eine Mischung aus Hochmut und Geschichtsvergessenheit, die US-Präsident Donald Trump nach den Luftangriffen auf Ziele in Syrien twittern ließ: Mission accomplished (zu Deutsch etwa: Auftrag ausgeführt). Hochmütig war es, weil der Militärschlag der USA, Frankreichs und Großbritanniens die Gräuel des syrischen Bürgerkriegs nicht beenden wird. Geschichtsvergessen war es, weil schon Trumps Vorvorgänger George W. Bush vor 15 Jahren mit dem Slogan ‚Auftrag ausgeführt‘ der Welt einreden wollte, nach dem Sturz des Machthabers Saddam Hussein sei der Irak auf dem Weg, zu einem blühenden Land zu werden - mit Frieden und Wohlstand. Wie wir heute wissen, ist das Gegenteil eingetreten.“
„Münchner Merkur“:
„Die Erleichterung darüber, dass der westliche Militärschlag in Syrien weder Todesopfer gefordert, noch, wie es in der Militärsprache genannt wird, „Kollateralschäden“ bei Assads Verbündeten Russland und Iran hervorgerufen hat, ist groß, kann aber nur von kurzer Dauer sein. Zu explosiv, zu verfahren bleibt die Situation in dem Bürgerkriegsland. Das wird sich so lange nicht ändern, wie Assads Pate in Moskau, Wladimir Putin, und das Mullah-Regime in Teheran dem Despoten in Damaskus nicht die Unterstützung entziehen. Russland trägt eine Mitverantwortung dafür, dass das syrische Regime überhaupt noch über Chemiewaffen verfügt. Auch für Moskau sollte der Preis, an Assad festzuhalten, langsam zu hoch werden.“
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