Kirchen empört über AfD-Anfrage zu behinderten Migranten
Berlin/Trier (APA) - Die Kirchen in Deutschland sind empört über eine AfD-Anfrage zu behinderten Migranten. Der Vorsitzende der Deutschen Bi...
Berlin/Trier (APA) - Die Kirchen in Deutschland sind empört über eine AfD-Anfrage zu behinderten Migranten. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Kardinal Reinhard Marx, kritisierte am Wochenende in Trier eine entsprechende Anfrage der AfD-Bundestagsfraktion laut Kathpress scharf.
In der Anfrage wollten die AfD-Abgeordneten unter anderem wissen: „Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Zahl der Behinderten seit 2012 entwickelt, insbesondere die durch Heirat innerhalb der Familie entstandenen?“ Gefragt hatte die Fraktion zudem, wie viele Fälle der durch Heirat in der Familie entstandenen Behinderungen einen Migrationshintergrund haben.
Es sei unerträglich, wie ein Zusammenhang zwischen Migration, Behinderung und Inzest geschaffen werde, sagte der Erzbischof von München und Freising. Marx: „Es wird hier eine Atmosphäre geschaffen, die doch außerordentlich bedenklich ist. Dagegen müssen wir uns verwahren. Man sollte die Behinderten nicht gegeneinander ausspielen.“
Auch der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, kritisierte das Vorgehen der AfD. „Hinter solchen Anfragen stecken Haltungen, die an eine Zeit erinnern, die wir überwunden zu haben glauben. Es sind letztlich menschenverachtende Haltungen.“ Die Vertreter der beiden großen Kirchen äußerten sich am Rande der deutschlandweiten Eröffnungsfeier der ökumenischen „Woche für das Leben“.
In der am Donnerstag in Berlin veröffentlichten Antwort an die AfD teilt das deutsche Arbeitsministerium in nüchterner Form mit, dass die Zahl der schwerbehinderten Bürger in Deutschland von 6,71 Millionen im Jahr 2001 auf 7,61 Millionen im Jahr 2015 angestiegen sei.
Danach ist vor allem die Anzahl von älteren Menschen mit einer Schwerbehinderung stark gewachsen. Der Anteil der „angeborenen Behinderungen“ ging zwischen 2011 und 2015 von 4,1 auf 3,8 Prozent zurück. Bei mehr als 94 Prozent der schwerbehinderten Menschen handelt es sich um Deutsche. Die übrigen schwerbehinderten Menschen haben einen Migrationshintergrund. Dieses Verhältnis ist in den vergangenen Jahren in etwa gleich geblieben.
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