Bootsunfall am Wörthersee: „Beide Hände von ihm am Lenkrad“
Bei einem Motorbootunfall am Wörthersee starb ein Mann (44). Der Fahrer weist die Verantwortung von sich.
Von Cornelia Ritzer
Klagenfurt – Ein Ruck, eine massive Drehung und ein Krachen: So beschreibt einer jener Männer, der als Teil einer vierköpfigen Freundesgruppe im Vorjahr auf einem Motorboot am Wörtersee unterwegs war, den verhängnisvollen Crash. Beim beschriebenen „Ruck“ ging ein 44-jähriger Unternehmer aus Niederösterreich über Bord und wurde – wie ein Gutachten klärte – durch die Schiffsschraube getötet. Auch der Lenker und nunmehrige Erstangeklagte, der sich am Landesgericht Klagenfurt wegen grob fahrlässiger Tötung verantworten muss, soll durch die heftige Bewegung des Bootes in den See geschleudert worden sein. Der ehemalige Medienmanger aus Niederösterreich (45) legt Wert auf seinen Identitätsschutz, aus diesem Grund darf sein Name nicht genannt werden. Gegen eine Veröffentlichung würde er sich auch juristisch zur Wehr setzen, ließ sein Verteidiger Alexander Todor-Kostic bei Prozessauftakt wissen.
Staatsanwalt Christian Pirker schilderte die Anklage kurz und prägnant: In den frühen Abendstunden des 2. Juni sei das hoch motorisierte Boot mit Höchstgeschwindigkeit vom alkoholisierten Erstangeklagten gelenkt worden. Nach einem riskanten Fahrmanöver sei das Opfer aus dem Boot geschleudert worden. Im Anschluss sei der Retourgang eingelegt worden, das Boot erfasste den 44-Jährigen, er starb. Der Erstangeklagte sowie der Zweitangeklagte, ein 33-jähriger Bootsführer aus Kärnten, angeklagt wegen fahrlässiger Tötung durch Unterlassen, bekannten sich nicht schuldig.
Wie es zum tragischen Unfall kam, versuchte Einzelrichter Matthias Polak zu rekonstruieren. Dass an diesem Freitag sehr viel Alkohol getrunken wurde, bestreitet niemand. Er fühlte sich jedoch nach Bier, Wein, Gin Tonic und ein, zwei Gläsern Rum, verteilt über mehrere Stunden, nicht betrunken, betonte der Erstangeklagte. Vielmehr entschied er sich sogar, sich für die letzte Fahrt des Tages selbst ans Steuer zu setzen. Ein großer Fehler, wie er beteuerte. Keinesfalls habe er jedoch gefährliche Manöver auf dem Wasser gemacht, vor allem kein einziges „Eindrehmanöver“, wie es das Opfer wenige Stunden zuvor bei seiner Bootsfahrt auf dem Wörthersee vorzeigte: Dabei lenkt man abrupt nach rechts oder links, nimmt Gas weg, das Boot springt über die eigene Bugwelle, Wasser spritzt.
Der Angeklagte verteidigte sich damit, dass ihm das Opfer zweimal ins Lenkrad gegriffen habe, um eine schärfere Kurve zu fahren. Einmal habe er ihn abwehren können, beim zweiten Versuch seien dann „beide Hände von ihm vor mir im Lenkrad“ gewesen, sagte der Niederösterreicher dem Richter. Und das habe den verheerenden Ruck, bei dem das Boot „katapultartig“ nach links kippte, verursacht. Die massive Drehung habe dann ihn und seinen Freund innerhalb von Sekunden von Bord geschleudert. Er habe jedoch nicht den Rückwärtsgang eingelegt, wie es die Anklage vermutet. Das Opfer geriet dann in die Schiffsschraube, laut einem der Zeugen, die mit an Bord waren, als „Krachen“ hörbar.
Dass sowohl das Opfer als auch der Erstangeklagte ins Wasser geschleudert wurden, wurde bestätigt, sowohl vom Bootsführer, als auch von den zwei Freunden und nunmehrigen Zeugen. Auch einen Versuch des Opfers, in die Lenkbewegung des 45-Jährigen einzugreifen, sahen sie – wie auch dessen Abwehr mit dem Arm. Einen zweiten Versuch konnte jedoch keiner bestätigen, auch sah keiner, wie das Opfer dann von Bord fiel. Erst nach dem Stillstand des Bootes wurde die Reichweite des Unfalls erkennbar. Die Zeugen sahen eine „Riesenblutlache“ neben dem Boot, nach ihrem verunglückten Freund tauchten sie erfolglos.
Unfälle wie dieser sind eine Besonderheit, was auch ein Grund für die enorme Aufmerksamkeit an dem Fall ist. Eine offizielle Statistik über Bootsunfälle am Wörthersee gibt es laut Seepolizei Kärnten zwar nicht, doch auch wenn Sachschäden nicht so selten seien, enden nur „sehr, sehr wenige“ Unfälle mit Personenschaden oder sogar einem Todesfall, heißt es von Seiten der Exekutive. Der Prozess wird fortgesetzt.