Ornament ohne Verbrechen: Adriana Czernin im Wiener MAK
Wien (APA) - Ein 722 Jahre altes Ornament als Ausgangspunkt für eine ganze Serie an Arbeiten: Adriana Czernin hat sich für die kleine Einzel...
Wien (APA) - Ein 722 Jahre altes Ornament als Ausgangspunkt für eine ganze Serie an Arbeiten: Adriana Czernin hat sich für die kleine Einzelschau „Fragment“ im Wiener MAK von der Rosette der Kanzel in der Ibn-Tulun-Moschee in Kairo inspirieren lassen. Das „Minbar“ stammt aus 1296 und befindet sich seit 1907 in der MAK-Sammlung. Es wurde zur impulsgebenden Inspirationsquelle für die gebürtige Bulgarin.
Zwar wurde die 1969 in der Hauptstadt Sofia geborene Czernin, die seit 1990 in Österreich lebt, mit der Verbindung von floralen Elementen und Frauenkörpern bekannt, die sich gleichsam gegenseitig überwucherten. Diese Stillinie hat sie jedoch vor Jahren verlassen und mittlerweile die Struktur des Ornaments als solches ins Zentrum ihres Oeuvres gestellt.
„Nun steht nicht mehr der verstrickte Mensch im Bild im Fokus, sondern wir als Betrachter sind verstrickt“, umriss Kurator Johannes Wieninger bei der Präsentation am Dienstag diesen Wechsel. So dient Czernin nun die vornehmlich islamische Ornamentik als Sinnbild für Verstrickung und Formenspiel - eine „schöne, verführerische und sehr zarte Form“, wie MAK-Direktor Christoph Thun-Hohenstein unterstrich.
Bereits 2014 entstand aus diesem Ansatz heraus eine erste Bleistiftzeichnung der Künstlerin nach dem 27-teiligen MAK-Minbar, der sich in den Folgejahren weitere Werke anschlossen. In der MAK-Schau reihen sich nun die entstandenen Arbeiten in einer Rauminstallation mit dem jahrhundertealten Original traut aneinander - respektive ineinander, sind die Minbar-Fragmente doch in einer Zeichnung der Künstlerin neu arrangiert.
Czernins Kunst besteht dabei nicht zuletzt aus Dichotomien, die sich aus den Gegensatzpaaren Symmetrie/Asymmetrie oder Fortspinnen versus Reduktion der Vorlage zusammensetzen. „So wunderschön das Ornament auch ist, hat es für mich doch immer auch etwas Beengendes, Beängstigendes“, sinnierte die Künstlerin über ihren Zwiespalt. Vor dem Auge des Betrachters entsteht dadurch jedenfalls ein Spiel mit Mustern und ihrer Verzerrung - und ein Dialog der Kunst über die Jahrhunderte hinweg.
(S E R V I C E - „Adriana Czernin. Fragment“ in der MAK Galerie, von 18. April bis 30. September geöffnet Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr, dienstags bis 22 Uhr. www.mak.at/adrianaczernin)
Kommentare