Leitgeb-Prozess - Leitgeb: „Habe 12 Jahre meines Lebens verloren“

Wien (APA) - „Ich hätte mir nie gedacht, dass das das Ende meiner Karriere sein wird“, sagte der angeklagte Tennismanager Ronnie Leitgeb am ...

Wien (APA) - „Ich hätte mir nie gedacht, dass das das Ende meiner Karriere sein wird“, sagte der angeklagte Tennismanager Ronnie Leitgeb am Dienstag am Wiener Straflandesgericht. Dort wird der Strafprozess in der Causa „Villa Esmara“ wiederholt. „Ich stehe heute da, und habe zwölf Jahre meines Lebens verloren“, führte Leitgeb aus.

Zuvor habe er 15 bis 20 Vorträge im Jahr gehalten. Seither stehe er ständig in den Medien, als jemand, der quasi die Immofinanz überfallen habe: „Hände hoch, Kohle her.“ So sei es aber nicht gewesen.

Seit der letzten Verhandlung habe sich sein Einkommen halbiert, sagte Leitgeb bereits gestern. Die Faktenlage sei aber eindeutig. „Ich habe nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt“, betonte Leitgeb.

Leitgeb ist wegen Untreue gegenüber der Immofinanz angeklagt. Der Prozess muss nach einem OGH-Urteil wiederholt werden. In der Causa geht es um die „Villa Esmara“, ein Trainingszentrum für Spitzensportler („Champ Fitness“) in der Nähe von Monaco, für das Leitgeb die Idee hatte. Er - bzw. seine französische Firma - mietete das Zentrum ohne Vorlage von Sicherheiten von der Immofinanz, blieb aber die Miete schuldig. Letztendlich wurde die Villa im Jahr 2006 an einen schwedischen Investor verkauft. Den dabei erzielten Mehrerlös von rund 800.000 Euro erhielt Leitgeb - laut Anklage ungerechtfertigterweise - als „Provision“.

Er habe in den letzten zwölf Jahren - so lange gibt es diese Causa schon - viel aus dieser Geschichte gelernt, sagte Leitgeb bei der Fortsetzung der Wiederholung des Prozesses, der von Richterin Caroline Csarmann geleitet wird. „Der Untergang der Immofinanz war auch mein persönlicher Untergang“, so Leitgeb. Denn ursprünglich sei sein Projekt weit weg von der Immofinanz gewesen und er habe ein sehr gutes Verhältnis mit einer französischen Bank gehabt. „Dann wurde mir von einem Berater die Immofinanz herangetragen.“ Die Immofinanz habe mit diesem Projekt auf der weltgrößten Immobilien-Messe in Cannes überzeugen wollen.

Damals sei er als Trainer von mehreren Tennisspielern und Berater beruflich „nicht ganz unerfolgreich“ gewesen und habe sich in 25 Jahren eigenständig eine Reputation aufgebaut. Durch das Umfeld der Immofinanz sei das wieder untergegangen.

Ursprünglich habe er sich auch sehr gefreut, mit der Immofinanz ein großes Immobilienunternehmen mit an Bord zu haben. Er habe geglaubt, es werde ein ganz großes und tadelloses Projekt werden.

„Meine persönliche Lehre: Es scheitert an Personen“, so Leitgeb, ohne etwa den Namen des in dieser Causa mitangeklagten Ex-Immofinanz-Chefs Karl Petrikovics zu nennen, der derzeit in der Buwog-Causa um Ex-Finanzminister Karl Heinz Grasser vor Gericht steht.

Im Prinzip sei alles betriebsbereit gewesen, bis ein Immofinanz-Manager mit einer Liste von Baumängeln gekommen sei, so Leitgeb weiter. Da sei ihm erst bewusst geworden, wie sehr er um dieses „Baby“ gekämpft habe. Die Immofinanz sei davon ausgegangen, „der macht eh alles da unten, der soll bezahlen“.

„Wie es hart auf hart gegangen ist, hatte ich keine Unterstützung von der Immofinanz“, sagte Leitgeb.

Sein damaliger Architekt und Bauleiter habe ihn schon zuvor vor der Beauftragung eines Generalunternehmers gewarnt: „Hände weg, ein Projekt von einer Million Euro ist zu klein dafür.“ Der Generalunternehmer sitze dann irgendwo und niemand merke, wenn dann vor Ort einiges nicht fertig werde. Deshalb habe er auch an die Immofinanz geschrieben: „Bitte keinen Generalunternehmer.“ Die Immofinanz sei aber dagegen gewesen.

„Ich hatte ein ganz klares Budget, was wir an Mieten zahlen können“, so Leitgeb. Irgendwann sei dann der „point of no return“ gekommen. Er sei wegen dieser Probleme auch in österreichischen Zeitungen schlecht dagestanden, dabei seien andere Schuld daran gewesen.

Da es so nicht weiter gehen konnte, und die Immofinanz aus eigenen Reputationsgründen keine Klagen haben wollte, sei es zum bekannten Vergleich gekommen. „Ich hätte mir nie gedacht, dass das das Ende meiner Karriere ist“, so Leitgeb, denn zwei Jahre später habe er eine Vorladung von der Staatsanwaltschaft bekommen.

Der Prozess wird am Nachmittag fortgesetzt.

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