Radler testen WM-Schlüsselstelle: Polizei erwägt Kontrollen
Zahlreiche Hobby-Radler testen trotz Verbots die WM-Schlüsselstelle in der sogenannten “Innsbrucker Höll“. Die Polizei erwägt nun Kontrollen.
Von Thomas Hörmann
Innsbruck –Die Innsbrucker Höll – ein schmales, aber auch sehr steiles Sträßchen zwischen dem Stadtteil Hötting und Gramart. Eine Verbindung mit bis zu 28 Prozent Steigung, die vorwiegend von Anrainern benutzt wird. Und neuerdings auch vermehrt von Radsportlern, die sich durch die Höll bergwärts quälen. Und das dürfte mit der Rad-Weltmeisterschaft zusammenhängen, die im September in Tirol stattfindet. Beim Eliterennen der Herren, dem Höhepunkt der Großveranstaltung, führen die letzten der insgesamt 265 Kilometer durch die Höll – das steile Sträßchen wird damit zur vielleicht alles entscheidenden Schlüsselstelle für die Profis. Eine Schlüsselstelle, die Ex-Profi und WM-Streckenplaner Thomas Rohregger das „Pendant zur Mausefalle auf der Streif“ nannte. Eine Herausforderung offenbar nicht nur für die Profis, sondern jetzt auch für Amateur-Sportler.
Und genau das ist das Problem – „für die Höll besteht ein allgemeines Fahrverbot“, sagt Reinhard Moser, stellvertretender Kommandant der Innsbrucker Polizei: „Das gilt selbstverständlich auch für Radfahrer. Die Strecke ist eng, steil und gefährlich.“ Und das wissen auch die Anrainer, von denen einige mit den Radlern auf der engen Straße keine Freude haben. „Wir erhielten schon mehrere Beschwerden“, bestätigt der Polizeioffizier.
Den Unmut mancher Höll-Bewohner erregte angeblich auch der 34-jährige Strecken-Planer Thomas Rohregger, als er Ende März die Steigung mit seinem Rennrad bezwang. Noch sieht die Innsbrucker Polizei die Situation mit den Höll-Radlern relativ gelassen: „Aber wenn sich die Beschwerden häufen, müssen wir in Erwägung ziehen, das Fahrverbot zu überwachen“, sagt Moser.
Dass die Höll zunehmend zum Anziehungspunkt für Hobby-Sportler wird, bestätigt auch Innsbrucks Radkoordinator Helmut Krainer (Stadtmagistrat): „Kaum ist die Streckenführung bekannt gegeben worden, hab ich bereits die ersten Rennradfahrer in diesem Bereich gesehen. Einige sind herumgeirrt, weil sie den ,Eingang‘ nicht gleich fanden.“
Krainer kennt auch die Wünsche der Touristiker, die die Strecke nach der WM als Attraktion nutzen und für Hobby-Radler ausschildern wollen. Dazu müsste das derzeitige allgemeine Fahrverbot in ein Fahrverbot für Kraftfahrzeuge umgewandelt werden. Für den Radkoordinator keine so gute Idee: „Das Problem ist nicht die Höll selbst, sondern die zu enge Zulaufstrecke im Bereich der Dorfgasse.“