Neonicotinoid-Verbot - Bauern sehen Zuckerrüben-Anbau bedroht

Wien (APA) - Die heimischen Rübenbauern sehen den Zuckerrübenanbau durch das geplante EU-weite Verbot einer Gruppe bienenschädlicher Insekti...

Wien (APA) - Die heimischen Rübenbauern sehen den Zuckerrübenanbau durch das geplante EU-weite Verbot einer Gruppe bienenschädlicher Insektizide (Neonicotinoide) gefährdet. Der Präsident der Vereinigung „Die Rübenbauern“, Ernst Karpfinger, warnte am Dienstag in einer Aussendung vor massiven Produktionsverteuerungen durch das Verbot bis hin zu einem Produktions-Aus.

Umwelt- und Agrarministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) hatte am vergangenen Sonntag angekündigt, dem Neonicotinoid-Verbot auf EU-Ebene am 27. April zuzustimmen. „Wir treffen diese Entscheidung auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse und der Überzeugung, dass wir alles dafür tun müssen, um Bienen zu schützen und ihre Lebensräume zu erhalten“, sagte die Ministerin. Gleichzeitig warnte Köstinger vor Auswirkungen auf die Rübenbauern. Wenn man Zucker ohne Neonicotinoide wolle, dann müsse man den Import von Rohrzucker und Zuckerrüben aus Drittstaaten in die EU stoppen bzw. eindämmen, so die Landwirtschaftsministerin. „Ich sehe hier vor allem die Europäische Kommission, aber auch den österreichischen Handel und die Industrie gefordert, sagte Köstinger.

Die Rübenbauern zeigten sich überrascht, dass Köstinger die Verwendung der Neonicotinoide beim Zuckerrüben-Anbau nun auch als bienengefährlich einstuft. „Wenn dadurch leichtfertig die Rübenproduktion gefährdet wird, dann müssen im Gegenzug die Mehrkosten und das hohe Ausfallsrisiko finanziell abgegolten werden“, so Karpfinger.

Der Rübenbauernverband kritisiert, dass es beim Verbot von Neonicotinoiden keine Ausnahme für den Rübenanbau geben soll. Der heimische Rübenanbau arbeite mit geringsten Mengen an Neonicotinoiden und Bienen würden nie an das Pflanzenschutzmittel herankommen, weil die Zuckerrübe nicht blühe, so die Interessenvertreter. Durch ein Neonicotinoide-Verbot würden zur Bekämpfung von Schädlingen kostenintensive Ersatzmaßnahmen im Rübenanbau notwendig. Weil aufgrund des niedrigen Zuckerpreises die Produktionskosten derzeit höher seien als die Erlöse, würden sich die Landwirte solche Maßnahmen nicht mehr leisten können. „Der Rübenanbau in Österreich ist bedroht und damit die rund 6.000 Bauern und ihre Familien“, warnte der Interessenvertreter. Beim Wegfall des heimischen Rübenanbaus würden österreichische Konsumenten von Zuckerimporten aus Ländern abhängig, auf deren Umweltschutzbedingungen weder die EU-Kommission noch die NGO einen Einfluss haben.