“Nachdenkpause“ kostet Asylwerber in Ehrwald Job
Ein Togoer hatte sich im Café Leitner in Ehrwald als Küchenhilfe beworben. Die Chefleute hätten ihn gerne angestellt, mussten ihm nun aber doch absagen. Bis zum Entscheid des AMS haben sie längst wieder geöffnet.
Von Helmut Mittermayr
Ehrwald –Wie heißen die Einwohner Togos, wenn man nicht einmal weiß, wo das Land liegt? Für Kathrin Holzhey und Erich Papp war eine derartige Bewerbung um die Stelle einer Küchenhilfe in ihrem Kaffeehaus Neuland. Egal, den Menschen einmal anschauen, dachten sie sich. Das Café Leitner in Ehrwald hatte die Stelle beim AMS ausgeschrieben und neben zwei anderen Interessenten bewarb sich auch ein Togoer um den vakanten Job. Die Skepsis gegenüber dem Afrikaner war bei Papp im Vorhinein – er legt großen Wert darauf, nicht in „die Kategorie Gutmensch oder Unterstützer der Willkommenskultur“ eingeordnet zu werden – groß. Das Gespräch sollte seine Bedenken aber schnell zerstreuen. „Der Bewerber aus Reutte sprach sehr gut Deutsch, bekundete großen Arbeitswillen, hatte schon im Tourismus wie etwa dem Hotel Fischer am See gearbeitet und hatte einen Führerschein sowie ein eigenes Auto, was für uns wichtig ist.“ Holzhey und Papp waren angetan und sprachen ihrerseits eine Arbeitszusage aus.
Die Chefleute, ausgehend von ihrer Weltanschauung, pragmatisch: „Der Togoer machte einen guten Eindruck, war ein netter Mensch, wir hatten Arbeit, er suchte eine. Warum sollten wir es nicht probieren?“ Nun galt es noch die Formalitäten zu erledigen, um den 44-jährigen Asylwerber beim Saisonstart im Mai im achtköpfigen Team willkommen heißen zu können. Das Formular zum Antrag der Beschäftigungsbewilligung wurde online heruntergeladen und ans AMS Reutte geschickt. Eine Randbemerkung in der Antwort des AMS, dass nämlich erst ab Beantwortung von noch notwendigen Zusatzinformationen eine sechswöchige Entscheidungsfrist beginne, machte die Kaffeehausbetreiber stutzig: „So lange können wir doch nicht warten. Dann hat ja die Saison längst begonnen. Mitten im laufenden Betrieb jemand einzubauen ist sehr schwer. Und wenn wir eine Absage bekommen, stehen wir überhaupt ohne Küchenhilfe da.“ Schweren Herzens teilten die beiden dem Asylwerber mit, dass sie die Arbeitszusage „leider wieder zurückziehen müssen“. Nun hat ein Holländer die Stelle bekommen. Die Kritik der Gastronomen richtet sich nicht konkret gegen das AMS Reutte, sondern gegen das „System“. Ein Anstellungsprozedere von solch einer Länge sei realitätsfern und in einem touristischen Betrieb nicht praktikabel.
Klaus Witting, Leiter des AMS Reutte, räumt ein, dass es diesen Entscheidungszeitraum gebe, und erläutert die Hintergründe. Das Sozialministerium gebe jede Sommer- und Wintersaison ein Kontingent frei, für das in Tourismus- und Landwirtschaftsberufen Ausnahmegenehmigungen zum reglementierten Arbeitsmarkt gelten, um Spitzen abzufedern. „Damit ist es auch Asylwerbern und anderen Drittstaatenangehörigen wie etwa Bosniern erlaubt, befristet auf Saison zu arbeiten“, weiß Witting. Das vergangene Winterkontingent habe im Bezirk Reutte 20 Stellen ausgemacht. Keine Zahl, mit der Großes zu machen sei, so heiß begehrt seien diese paar Ausnahmegenehmigungen. Das Sommerkontingent liegt noch nicht vor, das AMS wartet schon hart darauf. Ein Regionalbeirat aus WK, ÖGB, AK, Industrie und der Person Wittings entscheidet über die Vergabe und hat Prioritäten festgelegt. An erster Stelle stünden jene, die schon bei Unternehmen tätig waren, an zweiter Stelle Fachkräfte wie Köche oder Kellner und zuletzt kämen die Hilfskräfte.
Witting sieht in der sechswöchigen Entscheidungsfrist auch Vorteile. In Fällen, in denen man sonst sofort ablehnen müsste und damit später ein neuer Antrag notwendig wäre, könne die Frist einfach weiterlaufen – und manchmal tue sich überraschend schnell ein Fenster auf.
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