HRW prangert Folter und Vergewaltigung von Flüchtlingen im Jemen an

Sanaa (APA/AFP) - Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) wirft Behörden im Jemen Folter, Vergewaltigung und Tötung afrikani...

Sanaa (APA/AFP) - Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) wirft Behörden im Jemen Folter, Vergewaltigung und Tötung afrikanischer Flüchtlinge vor. Wachleute in einem seit Anfang 2017 betriebenen Haftzentrum in Aden schlugen einem am Mittwoch veröffentlichten Bericht zufolge Flüchtlinge mit Metallstangen und übten sexuelle Gewalt gegen sie aus. Mindestens zwei Gefangene seien erschossen worden.

Die Organisation befragte acht Migranten, die in dem Haftzentrum der südlichen Hafenstadt Aden festgehalten wurden, sowie Vertreter der jemenitischen Regierung. Ein ehemaliger Häftling berichtete, dass sich die Wärter jede Nacht ein Opfer holten, darunter junge männliche Insassen. Er kenne sieben Buben, die vergewaltigt worden seien. Das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) bestätigte die Angaben in einem eigenen Bericht und forderte ungehinderten Zugang zu den Gefangenen.

Die jemenitische Regierung trägt laut HRW zudem die Verantwortung für den Tod von Migranten, die unter Zwang über das Meer abgeschoben werden. Im Jänner ertranken nach Angaben der UNO und der Internationalen Organisation für Migration (IOM) vor Adens Küste mehr als 30 Flüchtlinge, die in einem völlig überfüllten Boot Dschibuti ansteuerten.

Schuldhaftes Verhalten sieht die Nichtregierungsorganisation auch bei den Vereinigten Arabischen Emiraten. Diese spielen eine wichtige Rolle innerhalb der von Saudi-Arabien angeführten Militärkoalition, die untere anderem mit Luftangriffen auf Seiten der Truppen des geflohenen jemenitischen Präsidenten Abd Rabbo Mansur Hadi gegen die vom Iran unterstützten schiitischen Houthi-Rebellen kämpft. Von den Emiraten unterstützte Sicherheitskräfte wurden laut HRW damit beauftragt, „Migranten und Vertriebene zusammenzutreiben und in das Gefangenenzentrum zu transportieren“.

Human Rights Watch rief die aus der jemenitischen Hauptstadt Sanaa nach Aden geflohene Regierung auf, die von ihr betriebenen Einrichtungen für Gefangene UN-Standards anzupassen. Für gefangene Frauen müsse sie weibliche Wärter zur Verfügung stellen, die Inhaftierung von Kindern beenden und den Häftlingen das Recht gewähren, Asylanträge zu stellen und sich gegen Abschiebungen zu wehren.

Im vergangenen Jahr trafen nach UNHCR-Angaben mehr als 87.000 Menschen vom Horn von Afrika im Jemen ein. Viele Flüchtlinge versuchen, von dort aus in die reichen Golfstaaten zu gelangen.

Houthi-Rebellen hatten im Jahr 2014 Sanaa eingenommen. Im März 2015 schaltete sich das von Riad geführte Militärbündnis in den Konflikt ein. Bei den Kämpfen wurden fast 10.000 Menschen getötet. Die Vereinten Nationen sprechen von der weltweit schlimmsten humanitären Krise.

(Alternative Schreibweise: Huthi, Jibuti)