Wirtschaftsforscher sehen stabilen deutschen Aufschwung, aber Risiken
Berlin (APA/dpa/Reuters) - Der Wirtschaftsaufschwung in Deutschland hält an. Die führenden Forschungsinstitute haben ihre Wachstumsprognose ...
Berlin (APA/dpa/Reuters) - Der Wirtschaftsaufschwung in Deutschland hält an. Die führenden Forschungsinstitute haben ihre Wachstumsprognose für dieses und nächstes Jahr leicht angehoben. Die Forscher erwarten nun für das laufende Jahr 2,2 Prozent Wirtschaftswachstum und für das kommende Jahr 2,0 Prozent. Im Herbst hatten sie noch mit einem Plus von 2,0 und 1,8 Prozent gerechnet.
Das geht aus dem Frühjahrsgutachten hervor, das am Donnerstag in Berlin vorgestellt wurde. Der deutsche Export profitiere vom Aufschwung der Weltwirtschaft, außerdem bleibe der private Konsum stark. Allerdings gibt es Risiken. „Die noch verfügbaren gesamtwirtschaftlichen Kapazitäten werden allmählich knapper“, hieß es.
„Der Boom, in dem sich die deutsche Wirtschaft befindet, hält an“, sagte der Leiter der Konjunkturforschung des federführenden Ifo-Instituts, Timo Wollmershäuser. „Allerdings wird die Luft dünner, da die noch verfügbaren gesamtwirtschaftlichen Kapazitäten knapper werden.“ In den Unternehmen gibt es bereits eine hohe Kapazitätsauslastung, die zuletzt noch einmal gestiegen sei. Die Firmen sehen aber einen Mangel an Fachkräften als immer größeres Problem. Ein Risiko sei auch der laufende Handelskonflikt mit den USA.
Die gute Konjunktur kommt auch am Arbeitsmarkt an: Die Zahl der Erwerbslosen soll in diesem Jahr auf rund 2,3 Millionen fallen und damit erstmals seit der Wiedervereinigung unter der Grenze von 2,5 Millionen liegen. 2019 sollen es dann 2,2 Millionen sein. Die Zahl der Beschäftigten soll bis dahin auf das Rekordniveau von rund 45,3 Millionen steigen. Das wären eine Million mehr als 2017.
Auch beim Staat macht sich der Aufschwung immer mehr bemerkbar: Er soll in diesem Jahr einen Rekordüberschuss von fast 38 Mrd. Euro erzielen, der im kommenden Jahr ähnlich hoch ausfallen dürfte. „Gerade wenn die Kassen voll sind, sollte die Finanzpolitik die Konsequenzen für die gesamtwirtschaftliche Stabilität und die Nachhaltigkeit der Staatsfinanzen im Blick haben“, sagte Wollmershäuser. „Die im Koalitionsvertrag vereinbarten Leistungsausweitungen in der Gesetzlichen Rentenversicherung laufen dem Nachhaltigkeitsgedanken zuwider.“
Der Boom wird den Experten zufolge wohl nicht in eine starke Inflation münden: Die Institute gehen davon aus, dass die Teuerungsrate in Deutschland sowohl in diesem als auch im kommenden Jahr unter 2 Prozent verharrt. Die EZB strebt für die gesamte Eurozone knapp 2 Prozent an, den für sie optimalen Wert für die Wirtschaft. Wegen der Exportstärke dürfte der Überschuss in der Leistungsbilanz in beiden Jahren bei jeweils rund acht Prozent des Bruttoinlandsproduktes liegen. Die EU-Kommission sieht bereits Werte ab 6 Prozent als stabilitätsgefährdend an, da Ländern mit Überschüssen Staaten mit hohen Defiziten gegenüberstehen.
Die Gemeinschaftsdiagnose dient der Bundesregierung als Basis für ihre eigene Prognosen, die kommende Woche veröffentlicht werden sollen. Beteiligt an dem Gutachten sind das Münchner Ifo-Institut, das Berliner DIW, das Essener RWI, das Kieler IfW und das IWH Halle.
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191000 Apr 18
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