„Doppelschlag“ von Neil Young: Soundtrack und Live-Album

Wien (APA) - Neil Young veröffentlicht am Freitag zwei neue Alben: zum einen den vielleicht etwas skurril anmutenden Soundtrack zum Netflix-...

Wien (APA) - Neil Young veröffentlicht am Freitag zwei neue Alben: zum einen den vielleicht etwas skurril anmutenden Soundtrack zum Netflix-Film „Paradox“, zum anderen einen wunderbaren Konzertmitschnitt aus dem Archiv. „Roxy - Tonight‘s The Night“ - die Aufnahmen stammen von 1973 - dokumentiert einen wichtigen Abschnitt in der Karriere des kanadischen Querkopfs.

„Paradox“ ist ein dystopischer musikalischer Öko-Science-Fiction-Western von Regie-Newcomerin Daryl Hannah, seit einiger Zeit Partnerin von Young. Der Soundtrack beinhaltet instrumentale Fragmente, neue und alte Songs, Coverversionen und Live-Material. Das Album ist collagenartig wie der Film angelegt, manche Tracks bloße Schnipsel (z.B. der zehnminütige „Cowgirl Jam“, mitgeschnitten beim Desert Trip Festival, bei dem die gesungenen Teile des Liedes fehlen), manche komplett - etwa eine schöne Solo-Orgel-Version von „Pocahontas“ (ebenfalls vom Desert Trip).

Willie Nelson, der im Film einen Gastauftritt hat, steuerte zu einem Lied seine Stimme bei. Nelsons Sohne Micah und Lukas waren ebenfalls am Projekt beteiligt (sie sind Bestandteil von Youngs aktueller Begleitband Promise Of The Real). „Tumbleweed“ vom „Storytone“-Album gibt es als Ukulele-Version. Die instrumentalen Teile erinnern an Youngs frühere Score-Arbeit für Jim Jarmusch („Dead Man“). Gecovert werden u.a. Nelsons „Angel Flying Too Close To The Ground“ und „Happy Together“ von The Turtles. Man braucht Forschergeist, bis sich das Album erschließt, wird dafür aber mit einigen Leckerbissen („Peace Trail“ etwa) belohnt.

„Roxy - Tonight‘s The Night“ macht bisher kursierende Bootlegs in schlechter Tonqualität überflüssig. Der Club Roxy in Los Angeles hatte 1973 eröffnet, Young war der erste Künstler am Programm. Mit seiner Band arbeitete er gerade an „Tonight‘s The Night“ (vom „Rolling Stone“ unter die 500 wichtigsten Pop-Alben gereiht), das aber erst rund zwei Jahre später in den Handel kam. Im Roxy brachte er das komplette Album plus „Walk On“ von „On The Beach“.

„Tonight‘s The Night“ war bei seinem Erscheinen kein großer Erfolg, erst langsam erkannte man die Qualität des Albums, das zu Youngs besten zählt. Die intensiven, teils sehr düsteren Lieder resultierten aus der Trauer über den Drogentod des Gitarristen Danny Whitten und des Roadies Bruce Berry. Die Live-Versionen sind eine gute (für Fans essenzielle) Ergänzung, mit viel Leidenschaft gespielt und wohl nicht nur für Young-Historiker ein Erlebnis. Vinyl-Ausgaben der beiden Tonträger kommen übrigens zum Record Store Day am Samstag (21. April) in den Handel.