Boom bei Sicherheit, aber Ausbildung fehlt
Angst vor Einbruch und Terror füllt die Kassen der Sicherheitsfirmen. Securitys fehlt oft die Ausbildung.
Von Stefan Eckerieder
Wien –Die österreichische Sicherheitsbranche darf sich in Zeiten großer Verunsicherung und immer strengeren Sicherheitsbestimmungen über kräftige Umsätze freuen. Den Mitarbeitern fehlt es jedoch nicht selten an der Ausbildung. Die Branche ruft nun um Hilfe und fordert die Bundesregierung auf, endlich einheitliche Standards festzulegen.
Im vergangenen Jahr setzen die 65 Mitglieder des Verbandes der Sicherheitsunternehmen Österreichs (VSÖ) 1,28 Mrd. Euro um, ein Zuwachs von 4,5 Prozent zum Jahr 2016. Das größte Stück vom Kuchen erhielten Sicherheitsdienstleistungen wie Personenschutz, Securitydienste, Notrufzentralen oder Portierdienste mit 551 Mio. Euro. Doch gerade dort, wo es um die Sicherheit von Leib und Leben geht, arbeiten nicht selten Personen ohne berufsspezifische Ausbildung. „Wir sind das einzige EU-Land, in dem es keine Regeln für das Bewachungsgewerbe gibt“, sagt VSÖ-Vorstand Martin Wiesinger, Chef des Sicherheitsunternehmens Securitas Austria. Laut Wiesinger seien deshalb rund ein Drittel der privaten Sicherheitskräfte nicht ausgebildet und hätten keine Ahnung, wie sie bei gefährlichen Vorkommnissen agieren sollen. Lediglich notwendig zur Einstellung der Fachkräfte sind Volljährigkeit, eine Sicherheitsüberprüfung und eine Eignung, wobei Letztere nicht definiert ist.
Wiesinger wünscht sich eine Gewerberechtsnovelle, bezweifelt aber, dass sie kommt, „obwohl sich die Regierung Sicherheit auf die Fahne geschrieben hat“. Seit zwei Jahren liege eine fertige Lösung am Tisch – seither wartet die Branche auf Umsetzung.
Die Mitarbeiter der VSÖ-Mitglieder würden zumindest eine dreitägige Grundausbildung erhalten und müssten eine Zuverlässigkeitsprüfung absolvieren. Außerhalb des Verbandes gebe es jedoch zahlreiche schwarze Schafe, die nicht nur Mitarbeiter ohne Ausbildung beschäftigen, sondern auch in Scheinselbstständigkeit oder durch Schwarzarbeit die Preise drücken und Mitarbeiter nicht entsprechend entlohnen würden. Das Gewerbe zahle hingegen bei Gefahren über Kollektivvertrag, „wann immer es uns möglich ist“, kontert Wiesinger jüngst geäußerte Gewerkschaftskritik an der Bezahlung und Arbeitsbedingungen in der Branche.
Kommentare