Mika Rottenberg verbindet im Kunsthaus Bregenz Reales mit Absurdem
Bregenz (APA) - Die Kreisläufe der Produktion und die Grundlagen der Arbeit sind die Themen der Installationen von Mika Rottenberg in der ne...
Bregenz (APA) - Die Kreisläufe der Produktion und die Grundlagen der Arbeit sind die Themen der Installationen von Mika Rottenberg in der neuen Ausstellung im Kunsthaus Bregenz (21. April bis 1. Juli). Dabei verzerrt und übertreibt die in Israel aufgewachsene Künstlerin die Gegenwart, entführt in beklemmende Räume, erzählt von skurrilen Begebenheiten mit ernstem Hintergrund - und schafft damit neue Perspektiven.
Kunsthaus-Direktor Thomas D. Trummer versprach bei der Presseführung eine „amüsante, aber auch anspruchsvolle Ausstellung“, für Kurator Rudolf Sagmeister stand fest: „Wir haben es hier mit einer philosophisch-politischen Ausstellung zu tun“. Man könne nur darüber staunen, was die Künstlerin hervorgebracht habe. Beide trafen mit ihrer Einschätzung ins Schwarze.
Die 1976 in Argentinien geborene und nun in New York lebende Künstlerin verwebt in ihrer namenlosen Ausstellung nicht nur die Exponate miteinander, sondern auch alle Stockwerke des Kunsthauses. Elemente aus den über 20-minütigen Videos von Rottenberg stehen als reale Gegenstände dem Film gegenüber. Das Geschehen in den Videos hingegen ist nur zum Teil real, zum anderen aber auch bunte Kreativität, absurd und skurril.
Die Ausstellung beginnt im Erdgeschoß mit Rottenbergs Installation „Cheese“ aus dem Jahr 2008, die die wahre Geschichte von sieben amerikanischen Schwestern („The Seven Sutherland Sisters“) zugrunde liegt. Diese wurden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit aus Extrakt aus ihren Haaren hergestelltem Haarwasser zu Millionärinnen. In „Cheese“ allerdings stehen nicht nur wallende Mähnen im Mittelpunkt, die Frauen im Video stellen in einem völlig surrealen Prozess auch Käse her.
Das oberste Stockwerk des Kunsthauses wird hingegen mit der Installation „CosmicGenerator“ (2017) bespielt. Verwoben sind dabei der mexikanisch-amerikanische Grenzübergang (Rottenberg: „Das war schon mein Thema, bevor Trump kam“), ein Tunnel und chinesische Verkäuferinnen, die in 99 Cent-Shops - vollgestopft mit Glitzergirlanden, aufblasbaren Schwimmreifen, Plastikbällen und anderen Billigwaren - ihr Dasein fristen müssen. „Die Installation zeigt den Zusammenbruch von Distanz und Zeit. Es braucht länger, an dieser Grenze von Mexiko in die USA einzureisen, als Plastik von China in die USA zu bringen“, sagte Rottenberg.
Buchstäblich dazwischen, nämlich an der Decke des zweiten Stockwerks, finden sich Projektionen von bunten Glühbirnen, die im Video im dritten Stockwerk zerschlagen werden. Auch das Wasser, das im zweiten Stock aus der Decke in heiße Pfannen tropft, kennt man aus jenem Film. Und auch „NoNoseKnows“ (2015) aus dem ersten Erdgeschoß ist gut mit den anderen Kunstwerken verbunden. Während nämlich in „Cheese“ (zumindest) Käse produziert wird, so sind es in der Installation darüber Perlen (real) und Nudelgerichte - indem eine Frau mit überdimensional langer Nase niest.
Man brauche Stunden, um alle genial miteinander verwobenen Details der Ausstellung zu entdecken, auch wenn man ihren Kern in wenigen Minuten erkenne, stellte Sagmeister fest. Deren Elemente nannte er „verführerisch, schön, mit Rhythmus“. „Ich kann gar nicht glauben, wie gut die Ausstellung geworden ist“, stellte der Kurator mit Begeisterung fest.
(S E R V I C E - „Mika Rottenberg“, Ausstellung im Kunsthaus Bregenz, 21. April bis 1. Juli, Eröffnung: Freitag, 20. April, 19 Uhr; Di bis So 10 -18 Uhr, Do 10 - 20 Uhr; www.kunsthaus-bregenz.at)
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