Im Wandel der Zeit: David Krems‘ Romandebüt „Falsches Licht“

Wien (APA) - Affären mit verheirateten Partnern können einen selbst nach Jahren noch in Schwierigkeiten bringen. Diese Erfahrung macht die H...

Wien (APA) - Affären mit verheirateten Partnern können einen selbst nach Jahren noch in Schwierigkeiten bringen. Diese Erfahrung macht die Hauptfigur in David Krems‘ Romandebüt „Falsches Licht“. Der 1977 geborene Wiener bietet dem Leser in seinem Erstling eine interessante Reise in die jüngste Geschichte der Fotografie und zeichnet die Umbrüche nach, die das Digitalzeitalter auslöste.

Schotter, ein desillusionierter ehemaliger Fotograf, wird von seiner Vergangenheit eingeholt. Vor Jahren beschattete er im Auftrag des undurchsichtigen Geschäftsmanns Sachs dessen Frau Tanja. Sein damaliger Auftraggeber meldet sich nun überraschend wieder und verlangt die alten Aufnahmen. Schotter, der mit der inzwischen verstorbenen Tanja eine Affäre hatte, ist unklar, warum Sachs plötzlich die alten Bilder will. Als sich dann noch ein Mann bei ihm meldet, der Tanja sehr ähnelt, und Sachs sein Anliegen mit zunehmender Gewalt vertritt, gerät Schotter in ein Spiel um Geheimnisse und Verrat. Der Fotograf begibt sich in seinem Archiv auf Spurensuche, denn irgendwo dort scheint sich der Schlüssel zu dem Rätsel zu verbergen.

David Krems, Medientheoretiker und Experimentalfilmemacher, hat mit seinem Erstling dem analogen Fotografieren ein Denkmal gesetzt. Ohne dass es für den Leser zu offensichtlich wird, blitzen im Roman bekannte Fotografen, Fotografien und Fototheorie auf. Licht und Zeit nehmen im Roman denn auch eine zentrale Rolle ein: „Er entsann sich, dass seine Begeisterung für die Fotografie ursprünglich von dem Wunsch hergerührt hatte, den Moment festzuhalten und aus seinem zeitlichen Umfeld zu isolieren. Später hatte er dann erkannt, dass der Augenblick sich nicht festhalten ließ.“ Schotter (wie wohl auch der Autor, darf man mutmaßen) lehnt die Digitalfotografie ab - „Es ist falsches Licht. Es kommt nicht von der Sonne.“ - und hat das Fotografieren darum aufgegeben. Anhand seiner Bilder reist Schotter, der heute in einem Copyshop arbeitet, in Rückblenden zurück in die Vergangenheit, zu seinen Aufträgen als damals gefragter, vielgereister Modefotograf und zu seinen geheimen Urlaubstreffen mit Tanja.

Als Leser hält einen das wie für eine Verfilmung geschriebene Buch auf Distanz, erlaubt eher ein Betrachten als ein Einfühlen, das gilt vor allem für die Liebesgeschichte zwischen Schotter und Tanja. Was David Krems‘ Geschichte vorantreibt und an alte Agentenfilme erinnert, wirkt in seiner Ablehnung des Digitalzeitalters mit Schwarz-weiß-Fernseher, Telefonzellen und Festnetzanschlüssen bisweilen konstruiert. Dass Fotos aus einer anderen Situation heraus betrachtet eine andere Interpretation ermöglichen, ja Dinge in ein anderes Licht rücken, gibt der gut lesbaren Geschichte ihren Reiz, zumal sie am Ende noch mit einer Überraschung aufwarten kann.

(S E R V I C E - David Krems: „Falsches Licht“, Picus Verlag, 208 S., 22 Euro)