Massaker an Muslimen von 2002: 17 Urteile in Indien aufgehoben

Ahmedabat (APA/dpa) - Mehr als 15 Jahre nach einem Massaker an Muslimen in Indien sind 17 Verurteilte in Berufung freigesprochen worden. Das...

Ahmedabat (APA/dpa) - Mehr als 15 Jahre nach einem Massaker an Muslimen in Indien sind 17 Verurteilte in Berufung freigesprochen worden. Das Oberste Gericht des westlichen Bundesstaates Gujarat hob die im Jahr 2012 gesprochenen Urteile wegen Mordes, Brandstiftung und Aufstands am Freitag auf, wie der Staatsanwalt Prashant Desai vor Journalisten mitteilte. Grund seien widersprüchliche Zeugenaussagen.

Randalierende Hindus hatten im Februar 2002 in einem Vorort von Ahmedabad, der Hauptstadt von Gujarat, 97 Muslime umgebracht. Das Massaker gilt als das schlimmste der Unruhen in Gujarat mit Schätzungen zufolge bis zu 2000 Toten - die meisten waren Muslime. Auslöser war der Brand eines Zuges, bei dem 59 Hindu-Pilger starben. Nach einer Studie der Bahn hatte ein Unfall das Feuer ausgelöst. Eine Untersuchung der hindu-nationalistischen Regierung Gujarats kam dagegen zu dem Schluss, dass es sich um eine Verschwörung und einen Anschlag durch Muslime gehandelt habe.

Der heutige indische Premierminister Narendra Modi war damals Regierungschef von Gujarat. Ihm wird vorgeworfen, die darauffolgenden Rachefeldzüge von Hindu-Mobs angefacht und nicht genug getan zu haben, um das Blutvergießen zu verhindern. Sonderermittler von Indiens Oberstem Gerichtshof erklärten jedoch im Jahr 2012, dass es nicht genügend Beweise gegen Modi gebe, um ihn zu belangen. Unter den nun Freigesprochenen war auch eine frühere Ministerin in dem Bundesstaat unter Modi, die zu 28 Jahren Haft verurteilt worden war. Indiens Justizsystem arbeitet notorisch langsam.