Innsbruck-Wahl

Wahlkampffinale in Innsbruck, Grüner Zwist eskalierte

Der Wahlkampf geht zu Ende: Am Sonntag entscheiden die Innsbrucker über ihre neue Stadtregierung.
© Michael Kristen

Mit viel Inszenierung wurde am Freitag das Ende des Wahlkampfes für die Innsbrucker Gemeinderats- und Bürgermeisterwahl am Sonntag eingeläutet. Kurz vor dem Entscheidungstag kehrt Innsbrucks Vizebürgermeisterin Pitscheider den Grünen nach Ärger über Willi den Rücken.

Innsbruck – Urlaubsfeeling pur gab es gestern mitten in Innsbruck. Bei hochsommerlichen Temperaturen ein Leichtes. Ab in den Urlaub vom Wahlkampf heißt es seit Freitag auch für eine Vielzahl der Wahlkampftrupps, die seit Wochen um die Stimmen der Innsbrucker buhlen. Plangemäß soll erst im Jahre 2024 neu wahlgekämpft werden. Und so läutete gestern die Mehrheit der zwölf antretenden Listen bereits die Schlussrunde für die morgige Gemeinderats- und Bürgermeisterwahl in der Landeshauptstadt ein.

BM Christine Oppitz-Plörer marschierte mit ihrem Team demonstrativ die Altstadt ab - sie will weiter die Marschrichtung vorgeben.
© Gerhard Berger

Die Bürgermeisterliste Für Innsbruck will den Wahlkampfschluss nur „vorläufig“ beenden. Immerhin möchte BM Christine Oppitz-Plörer am Sonntag in die Bürgermeisterstichwahl kommen. Verlässlichkeit, Stabilität, Sicherheit – kein Wahlkampf­slogan darf bei der gestrigen Schlusspressekonferenz fehlen. Für sie geht die Gefahr von Blau und Grün aus – das hat sie neuerdings auch plakatiert. Kämpfen will Oppitz-Plörer indes noch bis morgen um jede Stimme – auch weil sie eine Richtungswahl für Sonntag ausrufen will.

Das bürgermeisterliche „C“ nahm gestern vor dem Rathaus die Liste Fritz zum Wahlkampfabtakt auf die Schaufel. Nicht nur in Form eines „Liste-Fritz-Wahlkampf-Gstanzls“, sondern auch in Form von vier farbigen Ganzkörperverhüllten, die Bürgermeisterkandidat Thomas Mayer „sprengte“. Die Liste Fritz pochte einmal mehr auf Transparenz und Bürgernähe. Die „Olympiawatschn“, also die negative Volksbefragung, bräuchte Oppitz-Plörer „auch am Sonntag wieder“, so Mayer.

Thomas Mayer, Spitzenkandidat der Liste Fritz, nahm das bügermeisterliche "C" aufs Korn - und will die Viererkoalition sprengen.
© Mitterwachauer

Oppitz-Plörer vom Bürgermeisterthron zu stoßen, traut sich der Grünen-Spitzenkandidat Georg Willi durchaus zu. Mit einem „Wir können es schaffen“ motivierte er am Innsbrucker Marktplatz seine Wahlkampftruppe, bis zum Schluss zu laufen – schließlich gehe es um jede Stimme. Willi bekräftigte erneut, eine große Offensive für leistbares Wohnen starten zu wollen sowie auf „gute Fußwege, supergute Radwege und ein fantastisches Öffi-Netz“ zu setzen. Dass alle Parteien nun über das Radfahren reden, freut ihn zwar, aber: „Wer einen radelnden Bürgermeister will, der muss Georg Willi wählen.“

Entspannt und voller Zuversicht starten die Grünen mit Bürgermeisterkandidat Georg Willi (Mitte) ins Wahlwochenende.
© Daum

Eis statt heiße Würstel wählte die SPÖ angesichts der Temperaturen als Wahlkampf-Snack beim Abschluss am Franziskanerplatz. Und schließlich steckt „Eis“ auch in „Heisz“, witzelte Spitzenkandidatin Irene Heisz – die zwar „leicht erschöpft, aber voller Dankbarkeit“ auf die Wahlkampfzeit zurückblickt. Die SPÖ habe an 20.000 Wohnungstüren geklingelt und Überzeugungsarbeit geleistet. Wie erfolgreich die SPÖ damit war, will sie nicht vorhersagen, aber „wir haben alles gegeben“. In der kommenden Periode sei es ihr erklärtes Ziel, den „Mietpreiswahnsinn“ zu stoppen. Die anderen Parteien, die ebenfalls auf dieses Thema setzen, möchte sie nach den Wahlen an deren Versprechen erinnern und darauf drängen, diese auch einzuhalten.

Ein koreanisches Fernsehteam verfolgt den Wahlkampf und gesellte sich zur SPÖ-Abschlussfeier mit Spitzenkandidatin Irene Heisz.
© Denise Daum

ÖVP-Spitzenkandidat Franz X. Gruber warnte gestern noch einmal eindringlich vor dem „Listen-Wirrwarr“ und einer Zersplitterung im Gemeinderat. Stabilität und Verlässlichkeit hingegen gebe es mit der ÖVP. Der Fokus in den nächsten Jahren liege – wie auch schon im Wahlkampf – auf den Themen Sicherheit, leistbares Wohnen, Wirtschaft und Verkehr. Letzteres ist Grubers Lieblingsthema: Deshalb will er auch nach den Wahlen das Verkehrsressort für sich beanspruchen.

Das ÖVP-Team rund um Spitzenkandidat Franz X. Gruber (Mitte) kam noch mal zum Wahlfinale zusammen.
© Denise Daum

Auf das „wichtigste Zukunftsthema“ Bildung – das alle anderen Listen „verschlafen“ hätten – fokussierten die NEOS beim pinken Wahlkampfabschluss am Bozner Platz. Flexiblere Kinderbetreuung oder ein „Update“ für die Schulen gehörten ebenso dazu wie eine „lebendigere Stadt“ für Studierende samt Belebung der Gründerszene, meinte Bürgermeisterkandidatin Dagmar Klingler. „Wir werden am Sonntag jubeln“, zeigte sich Klingler überzeugt.

99 Luftballons: NEOS-Bürgermeisterkandidatin Dagmar Klingler (ganz vorne) möchte Innsbruck "aufwecken" und "pinkifizieren".
© Domanig

Grüner Zwist eskaliert vor der Wahl

Sonja Pitscheider ist nicht länger grüne Vizebürgermeisterin in Innsbruck. Die langjährige Frontfrau der Grünen hat Donnerstagabend der Partei den Rücken gekehrt, das Amt behält sie. Der Austritt Pitscheiders kommt für die Innsbrucker Grünen vor der Gemeinderats- und Bürgermeisterwahl morgen Sonntag zur Unzeit. Weil Pitscheider damit ihren Unmut über jüngste Aussagen von Grünen-Bürgermeisterkandidat Georg Willi zum Ausdruck bringt. Dieser sprach gegenüber dem Standard davon, dass der Bevölkerung derzeit das Thema Wohnen mehr unter den Nägel brenne als grüne Debatten über das Binnen-I oder die Ehe für alle.

„Das ist ein klarer rechtspopulistischer Sprachgebrauch wie bei der FPÖ“, wettert Pitscheider. Einer Partei, die mit solchen Mechanismen arbeite, wolle sie nicht angehören.

Willi selbst fühlt sich von Pitscheider „einseitig missverstanden“. Ob Pitscheiders Attacke ihm für Sonntag schade, wollte er nicht kommentieren. Pitscheider unterlag Willi vor gut einem Jahr intern im Rennen um die Spitzenkandidatur für die anstehende Gemeinderatswahl. Hinter den Kulissen hat sie mit der Partei daher bereits gebrochen – nun auch offiziell. (mami, dd, md)

Scheidet im Zorn: Sonja Pitscheider
© Foto Rudy De Moor / Tiroler Tage