Politologe Ranan: Islamischer Antisemitismus meist Hass auf Israel

Köln (APA/dpa) - Islamischer Antisemitismus ist nach Einschätzung des Politikwissenschafters David Ranan oftmals in anti-israelischen Ressen...

Köln (APA/dpa) - Islamischer Antisemitismus ist nach Einschätzung des Politikwissenschafters David Ranan oftmals in anti-israelischen Ressentiments begründet. „Zwischen den Muslimen und den Juden gibt es im Nahen Osten einen Konflikt“, begründete er im Deutschlandfunk seine These (Ausstrahlung Samstag).

Es gebe „viele Muslime, die sich als Teil der islamischen Umma, der Volksgemeinde sehen und deswegen Empathie haben für ihre Geschwister, die von Israel gedemütigt werden“. Ranan hatte für sein Buch „Muslimischer Antisemitismus: Eine Gefahr für den gesellschaftlichen Frieden in Deutschland?“ mehr als 70 muslimische Deutsche interviewt. Sicher gebe es auch unter Muslimen Judenhass wegen Eigenschaften, die den Juden angedichtet würden, sagte der aus einer deutsch-jüdischen Familie stammende Wissenschafter. Bei Arabern und auch bei vielen Muslimen sei das aber nicht der Fall: „Die hassen die Juden und meinen damit Israelis.“

Ein genau umgekehrtes Phänomen finde man häufig bei Deutschen, sagte Ranan. Diese wüssten, „dass man sich nicht gegen Juden äußern darf“, und zeigten sich dann israelkritisch. „Wenn die das machen, sagen sie Israel und meinen Juden. Bei den meisten Arabern und sicher bei vielen Muslimen sagen sie Juden und meinen damit Israel. Das Antisemitismus zu nennen, ist ungenau“, erläutere der Politologe.

„Das Ganze Antisemitismus zu nennen, nur weil es nach ‚45 eine solche Sensibilität gibt für alles, was jüdisch ist, das ist ein Missbrauch des Begriffs Antisemitismus“, fügte er hinzu. „Aber wir bekämpfen ein Phänomen nicht dadurch, dass wir es falsch verstehen, falsch beschreiben, falsch labeln. So können wir diesen Hass nicht bekämpfen. Aber wenn ich jetzt die Jugend in den Schulen dazu erziehen möchte, nicht Juden zu hassen, wie sie es jetzt tun, dann muss ich ihnen den Nahostkonflikt beibringen. Und man muss lernen, dass auch wenn ich jemanden nicht mag, ich nicht gewalttätig werden darf. Diese Sachen müssen die Schulen machen.“