Serbischer Verteidigungsminister sorgt für neuen Disput mit Zagreb

Belgrad/Zagreb (APA) - Der politische Disput zwischen Belgrad und Zagreb geht weiter. Für eine Protestnote Zagrebs an Belgrad sorgte an dies...

Belgrad/Zagreb (APA) - Der politische Disput zwischen Belgrad und Zagreb geht weiter. Für eine Protestnote Zagrebs an Belgrad sorgte an diesem Wochenende Serbiens Verteidigungsminister Aleksandar Vulin. Der für seine provokanten Äußerungen zu Kroatien bekannte Vulin reagierte auf Spekulationen, dass er am Sonntag, dem kroatischen staatlichen Gedenken an die Opfer des Vernichtungslagers Jasenovac (1941-1945) beiwohne.

Dass es Anzeichen dafür gebe, hatte am Freitag zunächst die kroatische Außenministerin Marija Pejcinovic Buric bestätigt. Der kroatische Ministerpräsident Andrej Plenkovic meinte laut Belgrader Medienberichten am Samstag, dass er nicht sicher sei, dass die mögliche Ankunft des serbischen Verteidigungsministers zur Gedenkfeier die beste Lösung wäre angesichts seiner früheren unangemessenen und beleidigenden Äußerungen.

Vulin hatte in der Vergangenheit dem Nachbarland wiederholt vorgeworfen, dass die faschistische Ustascha-Ideologie niemals aus seiner Politik und dem öffentlichen Leben verschwunden sei. In einer Reaktion auf die Kommentare kroatischer Amtsträger ließ Vulin am Samstag gegenüber Belgrader Medien wissen, dass über seine eventuelle Reise nach Kroatien er und sein „Oberster Befehlshaber Aleksandar Vucic und nicht die kroatischen Minister“ entscheiden würden.

Kroatiens Außenministerium reagierte daraufhin laut der staatlichen Presseagentur Tanjug mit einer Protestnote an die serbische Botschaft in Zagreb, in der es heißt, dass Vulin „bis auf Weiteres in Kroatien nicht willkommen“ sei.

In der kroatischen Protestnote wird darauf hingewiesen, dass die Republik Kroatien ein souveräner Staat, Mitglied der Europäischen Union und der NATO sei, in dem über die Einreise von Ausländern ausschließlich die zuständigen kroatischen Behörden im Einklang mit den kroatischen Gesetzen zu entscheiden haben. „Die Erwähnung des Obersten Befehlshabers der Streitkräfte Serbiens, Aleksandar Vucic, als die Person, die über die Einreise nach Kroatien entscheidet, ist ein unangemessener und unannehmbarer Versuch, die Souveränität der Republik Kroatiens infrage zu stellen“, hieß es demnach in der Protestnote.

Er habe gar nicht vorgehabt, nach Jasenovac zu reisen, erwiderte Vulin. Er unterließ es gegenüber dem staatlichen TV-Sender RTS am Sonntag auch nicht, zu bemerken, dass das aktuelle „Kroatien nicht bereit ist, seine Reue für das zu bekunden“, was während des Zweiten Weltkrieges im KZ Jasenovac passiert sei.

Als Vasallenstaat Hitler-Deutschlands bestand der Ustascha-Staat von 1941 bis 1945. Sein Vernichtungslager in Jasenovac, rund 100 Kilometer südöstlich von Zagreb, gehörte zu den größten Lagern dieser Art in Europa. Historiker sind uneins über die Zahl der Opfer, die dort umkamen. Während das Museum von Jasenovac die Zahl der Opfer mit rund 83.000 angibt, gehen serbische Quellen von 700.000 Opfern aus. Das Holocaust-Museum in Washington schätzt die Zahl auf 100.000. Die meisten Opfer waren Serben, Roma und Juden, aber auch antifaschistische Kroaten.

Der Gedenktag erinnert an einen Fluchtversuch am 22. April 1945. Nachdem die Ustascha begonnen hatten, das Lager in Jasenovac zu zerstören und die Gefangenen zu töten, kam es zum Fluchtversuch, den nur 90 von 600 Häftlingen überlebten.

Ein erster Besuch einer kroatischen Parlamentsdelegation in Belgrad war in der Vorwoche nach wenigen Stunden abgebrochen worden, nachdem der serbische Ultranationalist Vojislav Seselj im Parlament versucht hatte, eine dort aufgestellte kroatische Flagge zu zerreißen. Er soll die kroatische Delegation auch als „Ustaschas“ beschimpft haben. Zagreb reagierte auch mit einer Protestnote.