Kroatien - Gedenkfeier in KZ Jasenovac wieder im Schatten von Boykott
Jasenovac (APA) - In Kroatien ist am Sonntag die staatliche Gedenkfeier anlässlich des Gedenktages für die Opfer des Konzentrationslagers Ja...
Jasenovac (APA) - In Kroatien ist am Sonntag die staatliche Gedenkfeier anlässlich des Gedenktages für die Opfer des Konzentrationslagers Jasenovac (1941-1945) bereits zum dritten Jahr in Folge im Schatten des Boykotts gestanden. Opferorganisationen blieben aus Protest gegen Toleranz der kroatischen Behörden gegenüber der Relativierung der faschistischen Ustascha-Bewegung der offiziellen Zeremonie erneut fern.
Die jüdische Gemeinde gedachte der Opfer bereits vor einer Woche, die serbischen und antifaschistischen Organisationen hielten eine Gedenkfeier am Ort des einstigen Vernichtungslagers am Samstag ab. Die Opferorganisationen kritisierten erneut, dass der Ustascha-Grußes im öffentlichen Raum geduldet werde.
Die Kolonne, die zum Gedenktag traditionell durch die Gedenkstätte in Jasenovac zieht, war am Sonntag laut Medien deutlich kleiner als am Vortag. Etwa 200 bis 300 Menschen nahmen an der Sonntagsfeier teil, darunter auch Ministerpräsident Andrej Plenkovic, Parlamentspräsident Gordan Jandrokovic und mehrere Minister. Staatspräsidentin Kolinda Grabar-Kitarovic besuchte die Gedenkstätte am Freitag - alleine, wie schon im Vorjahr.
Bei der Zeremonie wurden keine Reden gehalten. Premier Plenkovic betonte unterdessen vor Journalisten, dass sich seine Regierung bemüht habe, mehrere Gedenkfeiern zu vermeiden, weil dies für die kroatische Gesellschaft nicht gut sei. „Wir arbeiten daran, die Spaltungen zu überwinden“, sagte er laut Medien. „Die Regierung hat klare Schritte gemacht und ich glaube, dass wir den Dialog und das Verständnis weiterbringen können, damit wir eine einheitliche Gedenkfeier haben werden“, so Plenkovic. Parlamentschef Jandrokovic drückte unterdessen die Hoffnung aus, dass dies das letzte Jahr mit getrennten Gedenkfeiern gewesen sei.
Unterdessen nahmen am Samstag rund 1.500 Menschen an der Gedenkfeier teil, die vom Verband der antifaschistischen Kämpfer und kroatischen Antifaschisten (SABA) und dem Serbischen Volksrat (SNV), einem Dachverein der kroatischen Serben, organisiert wurde. „Der Kampf geht weiter“, sagte der SABA-Vorsitzende Franjo Habulin am Samstag in einer Rede. Es sei ihre Pflicht, den Kampf für ein demokratisches, zivilisiertes, tolerantes, europäisches und antifaschistisches Kroatien fortzusetzen, betonte er laut Medien.
Habulin kritisierte, dass junge Menschen heute „bestenfalls eine unvollständiges, schlimmstenfalls ein völlig verdrehtes und falsifiziertes Bild“ über die Geschichte des Zweiten Weltkrieges auf diesem Territorium bekämen. „Solange die Lügen (über das Ustascha-Regime, Anm.) wiederholt werden und immer lauter sind, stehen wir in der Pflicht, die Wahrheit zu wiederholen.“ Solange die Behörden nicht ein für alle Mal eine klare, dezidierte und unveränderliche Position gegenüber Nazismus, Faschismus und der Ustascha-Bewegung einnehmen, werden die Antifaschisten der offiziellen Feier fernbleiben, sagte er.
Der Vorsitzende des Serbischen Volksrats, Milorad Pupovac, lehnte Ausnahmen für den Ustascha-Gruß „Za dom - spremni“ („Für die Heimat - bereit“) ab. „Es darf keine Ausnahme geben, weder für diejenigen, die ihn vielleicht aus Unwissenheit in Stadien ausrufen, noch für jene, die ihn absichtlich wiederherstellen wollen“, betonte er. Ähnlich sprach sich auch die jüdische Gemeinde gegen den Vorschlag einer von der Regierung bestellten Expertenkommission aus, den verfassungswidrigen Gruß in Ausnahmefällen für die rechte paramilitärische Gruppe HOS aus dem Kroatienkrieg (1991-1995), die diese Parole auf ihrem Emblem hat, zu erlauben.
In der Stadt Jasenovac kam es am Sonntag laut Medien zum Zwischenfall. An jener Stelle, wo im Vorjahr eine HOS-Gedenktafel entfernt wurde, hielten zwei Männer eine Flagge der paramilitärischen Gruppe mit dem umstrittenen Emblem hoch.
In dem von den Ustascha geleiteten Vernichtungslager in Jasenovac, rund 100 Kilometer südöstlich von Zagreb, starben überwiegend Serben, aber auch zahlreiche Juden und Roma sowie Regimegegner, darunter antifaschistische Kroaten. Der Gedenktag erinnert an einen Fluchtversuch am 22. April 1945. Nachdem die Ustascha begonnen hatten, das Lager zu zerstören und die Gefangenen zu töten, kam es zum Fluchtversuch, den nur 90 von 600 Häftlingen überlebten.
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