Die erste Frau an der Spitze der SPD - Parteivorsitzenden seit 1946

Wiesbaden (APA/AFP) - Bisher führten nur Männer die deutschen Sozialdemokraten (SPD) an - mit Andrea Nahles steht nun erstmals eine Frau an ...

Wiesbaden (APA/AFP) - Bisher führten nur Männer die deutschen Sozialdemokraten (SPD) an - mit Andrea Nahles steht nun erstmals eine Frau an der Parteispitze. Die Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion setzte sich am Sonntag auf einem Bundesparteitag gegen ihre Gegenkandidatin, die Flensburger Oberbürgermeisterin Simone Lange, durch. Die SPD-Vorsitzenden seit Ende des Zweiten Weltkriegs:

KURT SCHUMACHER (1946 bis 1952) übernahm nach dem Krieg den Wiederaufbau der deutschen Sozialdemokratie. Bei der ersten Bundestagswahl musste er sich aber Konrad Adenauer (CDU) geschlagen geben. Schumacher leitete die Partei sechseinhalb Jahre bis zu seinem Tod im August 1952.

ERICH OLLENHAUER (1952 bis 1963) folgte ihm als Vorsitzender - wenn auch angesichts der wiederholten Wahlniederlagen nicht immer unangefochten. Ollenhauer blieb aber ebenfalls bis zu seinem Tod im Amt.

WILLY BRANDT (1964 bis 1987) führte die SPD als Parteichef erstmals in der Nachkriegszeit an die Regierung. Den Anfang bildete 1966 die Beteiligung an der Großen Koalition unter CDU-Kanzler Kurt Georg Kiesinger; es folgte 1969 die sozialliberale Koalition mit Brandt als Kanzler. Dieses Amt gab er wegen der Guillaume-Affäre 1974 an Helmut Schmidt ab, behielt aber den Parteivorsitz noch über ein Jahrzehnt.

HANS-JOCHEN VOGEL (1987 bis 1991) bemühte sich anschließend darum, die SPD in der Opposition wieder zu konsolidieren. Die Kanzlerkandidatur überließ er 1990 aber Oskar Lafontaine.

BJÖRN ENGHOLM (1991 bis 1993) sollte als neuer Hoffnungsträger die SPD 1994 wieder an die Regierung führen. Nach der sogenannten Kieler Schubladen-Affäre musste der Schleswig-Holsteiner den Parteivorsitz aber noch vor dem Wahltermin wieder abgeben.

JOHANNES RAU (Mai bis Juni 1993) führte die SPD danach kurze Zeit kommissarisch.

RUDOLF SCHARPING (1993 bis 1995) wurde als einziger SPD-Chef nach einer Mitgliederbefragung ins Amt gewählt. Bei der Bundestagswahl 1994 verpasste er den Wahlsieg knapp.

OSKAR LAFONTAINE (1995 bis 1999) setzte sich auf einem Parteitag per Kampfabstimmung gegen Scharping durch. Gemeinsam mit Gerhard Schröder wurde er zum Architekten des Wahlsiegs 1998. Nach Meinungsverschiedenheiten mit Schröder trat Lafontaine von allen Ämtern zurück.

GERHARD SCHRÖDER (1999 bis 2004) führte Kanzleramt und Parteivorsitz wieder zusammen. Allerdings wurde ihm vorgeworfen, dem Regierungshandeln zu sehr den Vorrang einzuräumen. Die Quittung bekam Schröder im November 2003, als er mit nur noch 80,8 Prozent wiedergewählt wurde. Wenig später trat er als Parteichef zurück.

FRANZ MÜNTEFERING (2004 bis 2005) übernahm das Amt im März 2004. Dem damaligen SPD-Fraktionschef wurde ein besserer Draht zur Basis nachgesagt. Als nach der Wahl 2005 sein Wunschkandidat Kajo Wasserhövel vom Vorstand nicht für das Amt des SPD-Generalsekretärs nominiert wurde, trat er zurück.

MATTHIAS PLATZECK (2005 bis 2006) wurde mit 99,4 Prozent zum SPD-Chef gewählt. Nach nicht einmal fünf Monaten gab er das Amt aus gesundheitlichen Gründen wieder ab.

KURT BECK (2005 bis 2008) sprang danach für die SPD in die Bresche. Nach ungeschickten Äußerungen zum Umgang mit der Linkspartei musste er aber Frank-Walter Steinmeier den Vortritt für die Kanzlerkandidatur lassen. Er trat nach internen Querelen als Parteichef zurück.

FRANK-WALTER STEINMEIER (2008) übernahm für sechs Wochen kommissarisch das Amt.

FRANZ MÜNTEFERING (2008 bis 2009) übernahm nach drei Jahren Pause im Oktober 2008 erneut den Parteivorsitz. Nach der SPD-Niederlage bei der Bundestagswahl erklärte er seinen Verzicht auf das Amt.

SIGMAR GABRIEL (2009 bis 2017) wurde im November 2009 Nachfolger Münteferings, eckte in der SPD aber immer wieder an. Bei seiner Wiederwahl im Dezember 2015 erhielt er nur rund 74 Prozent. Ende Jänner verzichtete Gabriel auf Parteivorsitz und Kanzlerkandidatur und schlug Martin Schulz für beide Posten vor.

MARTIN SCHULZ (2017-2018) wurde auf einem Parteitag im März 2017 mit 100 Prozent der Stimmen gewählt. Mit ihm als Kanzlerkandidat erreichte die SPD aber nur 20,5 Prozent. Nach den Koalitionsverhandlungen strebte Schulz zunächst den Außenminister-Posten statt des Parteivorsitzes an, verzichtete aber nach innerparteilichem Druck auf beide Ämter.

OLAF SCHOLZ (2018) führte die SPD seit dem Rücktritt von Schulz kommissarisch bis zum Parteitag am Sonntag.