Innsbruck-Wahl: Willi - Der Triumph des grünen Urgesteins

Innsbruck (APA) - Georg Willi zieht noch immer, auch nach Jahrzehnten in der Politik. Besonders in Innsbruck. Das Hinauswirken über die urei...

Innsbruck (APA) - Georg Willi zieht noch immer, auch nach Jahrzehnten in der Politik. Besonders in Innsbruck. Das Hinauswirken über die ureigensten grünen Wählerschichten bescherte dem 58-Jährigen seinen wohl bisher größten politischen Erfolg: das Einziehen in die Stichwahl um den Bürgermeistersessel gegen Amtsinhaberin Christine Oppitz-Plörer (FI), noch dazu als Erster. Er dürfte alles andere als chancenlos sein.

Willi schaffte die Stichwahl mit 30,88 Prozent bei der Bürgermeisterdirektwahl deutlich vor Oppitz-Plörer mit 24,28 Prozent. Als Draufgabe gab es auch bei der Listenwahl Grund zur grünen Freude; 24,16 Prozent und zehn Mandate, Platz eins.

Nun wird es drauf ankommen, inwieweit es Willi gelingt, die offenbar vorhandene Wechselstimmung noch verstärkt zu kanalisieren und vor allem noch mehr im bürgerlichen Bereich der Mitte zu „grasen“. Denn Oppitz-Plörer wird wohl alles daran setzen, das „bürgerliche Lager“ hinter sich zu vereinen und Willi in das linke Eck zu stellen.

Ob das gerade beim langjährigen Landtagsklubobmann verfängt, ist aber fraglich. Denn Willi gilt als Prototyp eines bürgerlichen Grünen. Der heimatverbundene bürgerliche Realo, der über den grünen Tellerrand hinausblickt - diese Rolle exerzierte der Innsbrucker auch in diesem Wahlkampf in Perfektion. Georg Willi, eine Art kommunaler Van der Bellen.

Dabei hatte der grüne Bürgermeisterkandidat im Wahlkampf keine leichte Übung zu vollziehen. Er musste sich der geschickten politischen Umarmung von Oppitz-Plörer entziehen, die ein vierfarbiges „C“ - in den Farben der Stadtkoalition aus Für Innsbruck, Grünen, SPÖ und ÖVP - plakatieren ließ.

Für Verwunderung sorgte das grüne Urgestein zudem, als er - analog zu FPÖ-Spitzenkandidat Rudi Federspiel - einen „Kassasturz“ nach der Wahl forderte. Eine urtypische Oppositions-Forderung, diesmal in koalitionärem Gewande.

In den finalen Tagen geriet Willis Wahlkampf indes etwas ins Schlingern. Grünen-Vizebürgermeisterin Sonja Pitscheider, nicht mehr auf der Wahlliste vertreten, verkündete ihren Parteiaustritt und begründete dies mit „rechtspopulistischen Mechanismen“ der Stadt-Grünen. Mit großer Wahrscheinlichkeit wohl ein Revanche-Foul an Willi, weil er sich im Rennen um die Spitzenkandidatur durchsetzte. Doch dieser Schritt Pitscheiders dürfte eher zu einem zusätzlichen Schub für die Willi-Kampagne geführt haben.

Willi war - nicht zuletzt ob seiner vom politischen Freund wie Feind attestierten Sachkompetenz - zum bekanntesten Gesicht der Öko-Partei in Tirol avanciert. Jahrelang wurde er deshalb auch als eine Art Verbindungsmann im Hinblick auf eine Koalition mit der ÖVP gesehen. Letztlich erntete die neue Generation um Landeshauptmannstellvertreterin Ingrid Felipe und Klubobmann Gebi Mair mit der schwarz-grünen Regierungsbildung im Jahr 2013 das, was Willi federführend gesät hatte.

Zur Person: Geboren wurde Georg Willi am 6. Mai 1959 in Innsbruck. Nach Gymnasium und einem Abiturentenlehrgang an der Handelsakademie studierte er in Innsbruck Ökologie und Rechtswissenschaften. Von 1989 bis 1994 war er für die Vereinten Grünen im Innsbrucker Gemeinderat. Nach der Einigung zwischen VGÖ und Grüner Alternative wechselte Willi 1994 als Klubobmann in den Tiroler Landtag. Bei der Landtagswahl 2003 schafften die Grünen mit ihm als Landessprecher an der Spitze mit 15,59 Prozent ihren bisher größten Sieg bei Landes-oder Bundeswahlen. Willi blieb bis 2013 für die Ökopartei im Tiroler Landtag, bis 2012 war er auch ihr Klubobmann. 2013 wechselte er in den Nationalrat. Von dort ist er zurückgekehrt, um der erste grüne Bürgermeister einer Landeshauptstadt zu werden. Zur großen Liebe des leidenschaftlichen Diskutierers zählt die Musik: Er ist als Sänger und Chorleiter tätig. Willi ist verheiratet und Vater eines Sohnes.