Fußball-WM-Geschichte 3 - 1938/“Großdeutsches“ Team erfolglos
Paris (APA) - Der heraufdräuende Zweite Weltkrieg warf seinen langen Schatten auf die Fußball-WM 1938 in Frankreich. So wurde das deutsche T...
Paris (APA) - Der heraufdräuende Zweite Weltkrieg warf seinen langen Schatten auf die Fußball-WM 1938 in Frankreich. So wurde das deutsche Team im Pariser Prinzenpark beim Hitler-Gruß während des Horst-Wessel-Lieds ausgepfiffen und mit Eiern und Tomaten bombardiert. Danach folgte im Achtelfinale gegen die Schweiz ein peinliches 2:4 der „großdeutschen Mannschaft“, der auch Österreicher angehörten.
Die ÖFB-Auswahl hatte sich als eigenständiges Team qualifiziert, wurde nach dem Anschluss aber Teil der DFB-Truppe. Auf Anordnung der Nazi-Machthaber musste Reichstrainer Sepp Herberger sechs Deutsche und fünf Österreicher aufstellen - oder umgekehrt. Diese Gleichung konnte schon deswegen nicht aufgehen, weil sich beide Teams sowohl spielerisch als auch menschlich nicht verstanden.
Im WM-Achtelfinale schien die Schweiz eine leichte Hürde. Dem 1:1 nach Verlängerung - damals gab es noch kein Elfmeterschießen - folgte ein Wiederholungsspiel. Nach der frühen 2:0-Führung der Deutschen drehten die Eidgenossen das Spiel und gewannen 4:2, weil bei den Verlierern die Harmonie auf dem Platz einfach nicht stimmte.
Weltmeister wurde wie 1934 Italien. Und auch bei den Italienern spielte die Politik mit. Vor dem 4:2 im Endspiel gegen Ungarn kabelte der faschistische Diktator Benito Mussolini ins Teamquartier: „Siegen oder Sterben.“ Ungarns Tormann Antal Szabo meinte danach: „Ich war noch nie so stolz wie jetzt. Wir haben elf Menschen das Leben gerettet.“
Zuvor hatte sich Brasilien im Halbfinale selbst geschlagen, indem es seine besten Spieler fürs Endspiel schonte und so gegen Italien 1:2 verlor. Schweden kam gegen das nicht mehr existente Österreich im Achtelfinale kampflos weiter und nahm danach Kubas Kicker 8:0 auseinander, scheiterte dann aber an Ungarn. Dass Niederländisch-Indien, das heutige Indonesien, teilnehmen durfte, war auch der Absage Englands und der meisten südamerikanischen Teams geschuldet. Auswechseln war noch nicht erlaubt, so musste der tschechoslowakische Tormann Frantisek Planicka gegen Brasilien im Viertelfinale trotz eines Armbruchs durchspielen.
~ Halbfinale: Italien - Brasilien 2:1, Ungarn - Schweden 5:1 Spiel um Platz drei: Brasilien - Schweden 4:2 Finale: Italien - Ungarn 4:2 ~
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