Innsbruck-Wahl

Historisch niedrige Beteiligung: Jeder Zweite hat nicht gewählt

Schönes Ausflugswetter hin oder her: Das Interesse der Innsbrucker an der Gemeinderats- und Bürgermeisterwahl war erschreckend niedrig.
© Böhm

Die Wahlbeteiligung beim Urnengang in der Landeshauptstadt lag am Sonntag bei 50,38 Prozent – die niedrigste Marke seit 1945. Bei der Landtags- sowie der Nationalratswahl gingen mehr Innsbrucker wählen.

Innsbruck – Das schöne Ausflugswetter tut am Sonntag noch sein Übriges. Flugzettel, Plakate, Anzeigen, TV-Spots, Facebookpräsenz, Häuserabklappern, Händeschütteln – alles hilft nichts. Die Hälfte der Innsbrucker und Innsbruckerinnen kann sich nicht für die Stadtpolitik oder deren Weiterentwicklung erwärmen und bleibt zu Hause, zumindest aber den Wahllokalen fern. Die Wahlbeteiligung betrug am Sonntag 50,38 Prozent. Ein historischer Tiefststand.

Die Bereitschaft, wählen zu gehen, liegt in den 1950er-Jahren in der Landeshauptstadt konstant über 90 Prozent – allerdings noch zu einer Zeit, in der Wahlpflicht besteht. Dies wird sich erst im Jahr 1999 in ganz Tirol ändern. 1950 gehen noch 54.667 der 58.460 wahlberechtigten Innsbruckerinnen und Innsbruckern zur Wahl. Melzer bleibt wie gehabt Bürgermeister. Hochbetagte, Verreiste und Kranke abgezogen, pilgert praktisch ganz Innsbruck zu den Urnen. Die Wahlbeteiligung macht 93,5 Prozent aus.

Bis in die Achtzigerjahre immer über 80 Prozent

1959 bleiben erstmals etwas mehr als zehn Prozent der rechnerisch möglichen Wähler und Wählerinnen der Abstimmung fern, die Wahlbeteiligung beträgt 89,1 Prozent. Bis in die Achtzigerjahre unter BM Lugger wird immer ein Achter bei der Wahlbeteiligung voranstehen. Ausrufezeichen im Jahr 1971: Hier sollten mit 69.598 abgegebenen Stimmen die meisten Innsbrucker persönlich zu den Urnen pilgern. Gestern waren es nur 51.199, obwohl sich die Zahl der Wahlberechtigten seit damals um ein Viertel auf fast 100.000 erhöht hat. Im 1983 ist es noch 82,4 Prozent der Bewohner beiderseits des Inns ein Anliegen, die Stadtpolitik mitzubestimmen. Elf Jahre später nehmen noch drei Viertel (75,4 Prozent) ihr Wahlrecht wahr (BM Niescher).

Sechs Jahre später der Einbruch. Bei der Wahl 2000, die Herwig van Staa nach langwierigen Parteienverhandlungen als Bürgermeister bringen wird, bleiben schon 40,9 Prozent den Urnen fern. Bei der Wahl von Hilde Zach als erste Bürgermeisterin von Innsbruck im Jahr 2006 finden nur noch 57,8 Prozent der Innsbrucker den Weg in die Schulen und Vereinshäuser, um ihr Kreuzchen zu hinterlassen. Bisheriger Tiefpunkt ist 2012 mit einer Wahlbeteiligung von 52,7 Prozent. 50.684 von 96.861 gehen nicht zur Wahl.

Interesse an Landtags- und Nationalratswahl größer

Gestern wählte auch das Land Salzburg – die Wahlbeteiligung beträgt 64 Prozent. Bei den vergangenen Landtagswahlen am 25. Februar liegt die Wahlbeteiligung tirolweit bei 60 Prozent. Immerhin 58,4 Prozent der Innsbrucker gehen wählen. Die Geschicke des Landes Tirol scheinen die Landeshauptstädter jedenfalls mehr zu interessieren als jene vor der eigenen Haustüre. Denn auch bei der Nationalratswahl im Oktober 2017 lag die Innsbrucker Wahlbeteiligung mit 62,3 Prozent weit über dem gestrigen Wert von 50,38 Prozent. (hm)