Massenschlägerei in Reutte: ,,Viele fühlen sich nicht mehr sicher“
Die Massenschlägerei im Reuttener Obermarkt hat Nachwirkungen. Die Polizei hat sieben Streithähne ausgeforscht. Vizebürgermeister Klaus Schimana regt an, die Gemeindepolizei zu reaktivieren.
Von Simone Tschol
Reutte –Die Massenschlägerei vom Sonntagnachmittag war auch gestern noch Gesprächsthema Nummer eins in Reutte. Wie die TT berichtete, waren Türken und Asylberechtigte am helllichten Nachmittag am Isserplatz im Obermarkt aneinandergeraten. Auch ein Schlagring wurde eingesetzt. Erst das Einschreiten der Polizei samt Pfeffersprayeinsatz beendete den Tumult. Sieben Verletzte mussten im BKH Reutte versorgt werden. Vier Verletzungen sind auf den Raufhandel zurückzuführen, drei weitere auf den Pfeffersprayeinsatz der Polizei.
„Als die erste Streife hingekommen ist, ging es schon voll zur Sache“, beschreibt Michael Eder vom Bezirkspolizeikommando Reutte, der auch selbst vor Ort im Einsatz war, die Situation. Sofort wurde um Unterstützung gefunkt. Alle verfügbaren Streifen rückten an. Eder: „Die Stimmung war sehr aufgeheizt. Und zudem mischten sich viele ein, die zuerst nichts mit der Sache zu tun hatten. Man kennt das ja, da kommt dann der Onkel, der Cousin oder ein Freund zu Hilfe und schon ist ein Pulk beisammen. Es waren rund 20 Personen involviert.“ Bei den Streithähnen handelt es sich laut Polizei um fünf türkische Staatsangehörige sowie je einen Asylberechtigten aus Pakistan und Afghanistan, alle im Alter zwischen 17 und 28 Jahren. Die Ursache des Streits ist noch nicht geklärt. „Es gibt einige Spekulationen, aber unsere Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen“, erklärte Eder.
Bürgermeister Alois Oberer hat vom Vorfall, wie er selbst sagt, „aus der Zeitung erfahren“. Eine Stellungnahme dazu will er nicht abgeben. „Was soll ich dazu sagen? Ich habe gestern gehört, dass die Rettung öfter fährt. Das war’s.“ Die Tatsache, dass es in Reutte keinen Integrationsbeauftragten mehr gibt, will Oberer schon gar nicht in Verbindung mit dem Vorfall bringen. „Was hat das damit zu tun? Das ist schon ziemlich weit hergeholt“, meint der Bürgermeister auf Anfrage der TT. Er legt aber Wert auf die Tatsache, dass es sich nicht um Asylwerber aus der Südtiroler Siedlung handelt, wo bereits bis zu 100 Flüchtlinge untergebracht waren.
Vizebürgermeister Klaus Schimana ist nach dem jüngsten Vorfall schockiert. „Es ist an der Zeit, auch mal über das Thema Sicherheit in Reutte zu diskutieren, denn viele fühlen sich in Reutte nicht mehr sicher.“ Schimana will das auch im Gemeinderat ansprechen. „Man muss sich auch überlegen, ob es nicht sinnvoll wäre, die Gemeindepolizei wieder einzuführen. Die Polizei tut eh, was sie kann, aber so könnten wir selbstbestimmter eingreifen. Und mir fehlt auch die Kommunikation mit den einzelnen Communitys. Ich könnte mir beispielsweise vorstellen, Vertreter der verschiedenen Gruppierungen an einen Tisch zu holen und zu hinterfragen, wo gibt es Probleme“, so Schimana. Probleme wegschweigen sei jedenfalls das Falsche.
Bezirkshauptfrau Katharina Rumpf sieht derzeit von Seiten der BH keinen Handlungsbedarf. „Wie mir die Polizei mitgeteilt hat, handelt es sich um Gerichtsdelikte. Auch die fremdenpolizeilichen Belange werden seit 2014 nicht mehr an der BH, sondern über das Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl bearbeitet.“
Handlungsbedarf sieht hingegen FPÖ-Bezirksobmann Fabian Walch. „Dass es innerhalb von zwei Wochen zu zwei Massenschlägereien bzw. -raufereien in Reutte kam, ist symptomatisch für die Fehlentwicklungen der letzten Jahre. Das Gewaltpotenzial gewisser Migrantengruppen ist besorgniserregend hoch.“ Hinzu kämen noch die religiösen, kulturellen und ethnischen Spannungen – „nicht nur zwischen Migranten und autochthonen Österreichern, sondern auch zwischen den Migrantengruppen“.
Walch: „Es ist völlig utopisch zu glauben, dass Personen, die in archaischen Gesellschaften sozialisiert worden sind, durch ein oder zwei Wertekurse friedliebende Paradedemokraten und Vorzeigefeministen werden“, sagt Walch und fügt hinzu: „Wirklich beunruhigend aber ist, dass Migranten türkischer Herkunft es auch in dritter und vierter Generation nicht geschafft haben, sich in unsere Kultur zu integrieren. Das Ergebnis erleben wir gerade.“