Paraguay

Regierungskandidat Abdo gewinnt Präsidentenwahl in Paraguay

Mario Abdo Benitez ist der Sohn des ehemaligen Privatsekretärs von Diktator Alfredo Stroessner.
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Die konservative Colorado-Partei ist in Paraguay seit rund 60 Jahren fast ununterbrochen an der Macht – und bleibt es auch. Der neue Staatschef muss vor allem mehr soziale Gerechtigkeit schaffen.

Asuncion – Der Regierungskandidat Mario Abdo Benítez hat die Präsidentenwahl in Paraguay gewonnen. Der 46-Jährige von der konservativen Colorado-Partei holte bei der Wahl am Sonntag 46,4 Prozent der Stimmen, wie das Wahlamt nach der Auszählung fast aller Stimmzettel mitteilte. Sein stärkster Rivale Efraín Alegre von der Mitte-Links-Koalition Ganar kam demnach auf 42,7 Prozent.

Mit dem Sieg von Abdo setzt die Colorado-Partei ihre nahezu ununterbrochene Dauer-Herrschaft in Paraguay fort. In den vergangenen 60 Jahren musste sie nur während der Präsidentschaft des Armenbischofs Fernando Lugo zwischen 2008 und 2012 in die Opposition.

Abdo ist der Sohn des ehemaligen Privatsekretärs von Diktator Alfredo Stroessner (1954-1989). Mehrmals nahm er den deutschstämmigen Gewaltherrscher in Schutz. Dennoch sagte er zuletzt: „Niemand kann mein Engagement für die Demokratie in Zweifel ziehen.“

„Marito“, wie er sich in Abgrenzung zu seinem gleichnamigen Vater nennt, dürfte die liberale Wirtschaftspolitik des scheidenden Präsidenten Horacio Cartes weiterführen. Der konservative Staatschef durfte gemäß Verfassung nicht noch einmal antreten.

Wirtschaft wächst, Kriminalität hoch

Mit nur knapp sieben Millionen Einwohnern und einer Sojaproduktion von mehr als acht Millionen Tonnen hat Paraguay im letzten Jahrzehnt ein anhaltendes Wirtschaftswachstum von durchschnittlich fünf Prozent im Jahr verzeichnet. Das Land ist der fünftgrößte Soja-Exporteur der Welt.

Ein weiterer Exportrenner der paraguayischen Wirtschaft ist die Elektrizität, die von den gigantischen Wasserwerken von Itaupú und Yaciretá hauptsächlich für den brasilianischen und argentinischen Markt erzeugt wird. Mit den Exporteinkommen ist die Armutsrate im Land zwar stark gesunken, sie liegt aber immer noch bei 26,4 Prozent.

Paraguay hat auch nach wie vor mit Kriminalität zu kämpfen. Das Land ist nach Mexiko der zweitgrößte Marihuana-Produzent der Welt. Der Großteil wird von kriminellen Organisationen aus Brasilien außer Landes geschmuggelt. Im Grenzgebiet zu Brasilien operiert zudem die linke Guerilla-Organisation EPP, die sich immer wieder Gefechte mit den Sicherheitskräften liefert und Menschen entführt.

Auszählung der Parlamentswahl läuft noch

Neben dem Staatschef wurden am Sonntag auch die 45 Senatsmitglieder und die 80 Abgeordneten des Parlaments gewählt. Die Auszählung der Parlamentswahl war am Montag noch nicht abgeschlossen. Nach ersten Hochrechnungen wird Abdo Benítez mit 18 oder 19 Senatsmitgliedern über keine eigene Mehrheit in der oberen Kammer verfügen. Die Regierungspartei wird nach dem Wahlergebnis 13 der 17 Gouverneure stellen. Die Wahlbeteiligung lag bei 61 Prozent. Der neue Präsident soll seine fünfjährige Amtszeit am 15. August antreten. (dpa)