We Are Scientists: Neues Album wie „ein netter, großer Marvel-Film“

Wien (APA) - We Are Scientists bringen am Freitag ein knallbuntes neues Album heraus. „Wir sind derzeit genauso depressiv wie viele andere“,...

Wien (APA) - We Are Scientists bringen am Freitag ein knallbuntes neues Album heraus. „Wir sind derzeit genauso depressiv wie viele andere“, sagten Keith Murray (Gitarren, Gesang) und Chris Cain (Bass) im Gespräch mit der APA auf aktuelle politische und gesellschaftliche Stimmungen Bezug nehmend. „Aber das Letzte was wir wollen, ist auf der Bühne zu stehen und zu grübeln, wie dunkel die Zeiten gerade sind.“

„Da würde ich lieber zu Hause bleiben und Marvel-Filme anschauen. Oh, man kann also sagen, unser Album ist ein netter, großer Marvel-Film“, grinste Cain. „Megaplex“ heißt dieser aktuelle Longplayer der Band aus New York. Wie auf einer großen Leinwand spielt sich darauf allerhand ab - von Synthie-Pop über Gitarrenbretter bis zum Kitsch. Die Angst vor der Genre-Polizei scheint gering: „Je länger wir dabei sind, desto weniger kümmern wir uns um so etwas. Ich weiß nicht einmal, in welchem Genre wir inzwischen angelangt sind“, meinte Murray.

„Mal ehrlich: Die derzeitige Art, Musik zu hören, macht es leicht, Kohäsivität als wichtigsten Faktor für ein Album zu ignorieren“, ergänzte Cain. „Ich glaube zwar, unser Album klingt ganz gut, wenn man es als ein solches in einem durch abspielt. Aber es passt sich auch gut der kurzen Aufmerksamkeitsspanne an, die die Leute mittlerweile haben. Sie sind es gewohnt, auf Streamingdiensten Playlisten zu hören und zwischen den Songs herumzuspringen. Um die Leute für ein ganzes Album zu begeistern, kann es daher von Vorteil sein, wenn sich die Sounds verändern.“

Seit immerhin 18 Jahren gibt es We Are Scientists. „Unser Geheimnis ist, dass wir schlechte Geschäftsleute sind“, sagte der Bassist darauf angesprochen. „Wir haben die Band immer als Projekt zwischen zwei Freunden gesehen, die Spaß haben wollen, aber weniger als Karriere oder Geschäftsmodell. Wir sind keine Idioten, wenn es ums Geld geht, aber wir sind allergisch auf strategische künstlerische Entscheidungen.“

„Man erkennt es, wenn eine Band aus finanzieller Notwendigkeit Musik macht“, so Murray. „Wir wollen natürlich mit unseren Alben Geld verdienen, aber wir haben bei der Arbeit an keinem Album kalkuliert, wie wir das meisten Geld machen können.“ Der folgende Dialog ging in lautem Lachen unter: „Wir haben auch akzeptiert, dass unser Geschmack nicht dem der Masse entspricht“, sagte Cain. Murray: „Wir sprechen die smarten Menschen an, die was von Kunst verstehen.“ Cain: „Genau, die wollen wir beeindrucken.“

Die Synthie-Klänge auf „Megaplex“ erinnern an die 80er-Jahre. Ein Einfluss? „Damals waren wir zu jung zum Ausgehen“, antwortete Cain. „Wir haben die Musik unserer Eltern und Geschwister gehört - und nicht zur Identitätsfindung. In den Neunzigern trug ich zerknitterte Flanellhemden und hörte Grunge, aber in den Achtzigern fand ich das cool, was mein Papa aufgelegt hat. Glücklicherweise waren das Foreigner und Mike and the Mechanics. Ich hatte also eine großartige Musikerziehung!“ Die Ergänzung seines Freundes hatte wieder einen Lachanfall zur Folge: „Bei mir waren das Rod Stewart und Hall & Oats.“

Sollte „Megaplex“ wirklich ein Marvel-Film sein, bliebe nur noch zu klären, welche Figuren aus dem Comicuniversum die beiden Helden von We Are Scientists wären. „Bruce Banner“, kam es bei Cain wie aus der Pistole geschossen. „Mit seiner Art und Weise kann ich mich am meisten identifizieren. Und er ist ein Wissenschafter!“ Murray grübelte etwas und sagte dann: „Ich wäre wohl Grandmaster, Jeff Goldblums Charakter im letzten ‚Thor‘. Er ist ein bisschen ein Blödmann, aber auch genial. Und er ist gemeiner als man zunächst glaubt.“

(Das Gespräch führte Wolfgang Hauptmann/APA)

(S E R V I C E - http://wearescientists.com)