Armenischer Oppositionsführer berät mit Interims-Regierungschef
Eriwan (APA/AFP) - Nach dem Rücktritt des armenischen Regierungschefs Sersch Sarkissian will Oppositionsführer Nikol Paschinian am Mittwoch ...
Eriwan (APA/AFP) - Nach dem Rücktritt des armenischen Regierungschefs Sersch Sarkissian will Oppositionsführer Nikol Paschinian am Mittwoch mit dem kommissarischen Ministerpräsidenten Karen Karapetian über den Machtwechsel beraten. „Unsere samtene Revolution hat gesiegt, aber das ist nur ein erster Schritt“, sagte Paschinian am Montagabend in Eriwan.
Die Revolution dürfe nicht „auf halbem Wege stehen bleiben“. Paschinian fordert, dass das Parlament binnen einer Woche einen neuen Ministerpräsidenten wählt. Er schließt auch Neuwahlen nicht aus.
Eine Woche nach seinem Wechsel vom Präsidentenamt ins Amt des Ministerpräsidenten war Sarkissian am Montag unter dem Druck tagelanger Massenproteste zurückgetreten. Die Demonstranten warfen dem 63-Jährigen vor, sich durch den Wechsel der Ämter praktisch eine verfassungswidrige dritte Amtszeit als mächtigster Mann Armeniens zu ermöglichen. In seiner Rücktrittserklärung zeigte Sarkissian Reue und zollte auch dem Oppositionsführer Respekt. „Nikol Paschinian hatte Recht. Ich lag falsch“, erklärte er.
Zu seinem kommissarischen Nachfolger wurde Sarkissians Vorgänger und Stellvertreter Karapetian bestimmt. Karapetian ist ein enger Vertrauter Sarkissians und gehört auch dessen Republikanischer Partei an, die die einstige Sowjetrepublik im Südkaukasus seit 20 Jahren regiert.
Am Dienstag wurde in Armenien der Opfer der Massaker durch das Osmanische Reich in den Jahren 1915 bis 1917 im Ersten Weltkrieg gedacht. Für die Armenier und eine Reihe anderer Staaten gelten die damaligen Ereignisse als Völkermord, die Türkei lehnt dies strikt ab. An der Zeremonie an der zentralen Gedenkstätte für die hunderttausenden Opfer auf einem Hügel in Eriwan nahmen Karapetian, Präsident Armen Sarkissian und der Patriarch der Armenischen Apostolischen Kirche, Karekin II., teil. Paschinian wollte mit seinen Anhängern am Nachmittag zu der Gedenkstätte ziehen.
Vor den Feierlichkeiten hatten Karapetian und Paschinian die Anhänger von Regierung und Opposition zur Einigkeit aufgerufen. „Morgen werden wir zusammengehen, um unseren Märtyrern zu sagen, dass das Volk gewonnen hat, dass der Völkermord an unserem Volk der Vergangenheit angehört“, sagte Paschinian am Montagabend. Karapetian forderte die Armenier auf, der Welt zu zeigen, „dass wir uns in schwierigen Zeiten zusammenschließen, Verhandlungen führen und Lösungen finden können“.
(Alternative Schreibweisen: Serge/Serzh Sarksyan, Sargsyan, Sarkisian, Sarkisijan, Sarkissjan; Pashinyan, Paschinjan; Karapetyan, Karapetjan)