Liebeslicht mit Ablaufdatum: Felix Gonzalez-Torres im Theseustempel

Wien (APA) - Je 42 Glühbirnen an zwei Lichterketten tauchen den Theseustempel im Wiener Volksgarten ab morgen, Mittwoch, in künstliches Lich...

Wien (APA) - Je 42 Glühbirnen an zwei Lichterketten tauchen den Theseustempel im Wiener Volksgarten ab morgen, Mittwoch, in künstliches Licht: 20 Jahre nach der ersten posthumen Retrospektive des kubanisch-amerikanischen Künstlers Felix Gonzalez-Torres (1957-1996) im 20er-Haus hat das Kunsthistorische Museum (KHM) eine seiner Arbeiten für die von Jasper Sharp kuratierte Zeitgenossen-Reihe ausgewählt.

„Man kann Wien dank dieser Ausstellung damals als eines der Kompetenzzentren für Felix Gonzalez-Torres bezeichnen“, freute sich Sharp anlässlich der Presseführung am Dienstag. Die nun gezeigte Installation „Untitled (Lovers - Paris)“, die mit einer weiteren Torres-Arbeit im Kunsthistorischen Museum im Rahmen der aktuellen Schau „Shape of Time“ korrespondiert, ist allerdings erstmals hier zu sehen. Das Werk ist Teil einer Lichterketten-Serie, die der Künstler nach dem Aids-Tod seines Lebensgefährten schuf. Laut Sharp symbolisieren die beiden Ketten zwei einander liebende Menschen, „die Licht und Freude in das Leben des anderen bringen“. Dennoch liege in der Arbeit zugleich eine Melancholie, da die Glühbirnen irgendwann ausbrennen werden, bevor sie ersetzt werden.

Weltweit gibt es nur drei dieser Doppelketten, wobei nur diese eine verliehen wird, wie Sharp erläuterte. Das nun nach Wien geholte Exemplar stammte aus der Sammlung des Glenstone Museums in Maryland, das diesen Herbst eröffnen wird. Ähnlich wie bei den beiden Uhren, die in „Shape of Time“ zu sehen sind und für die der Künstler lediglich ein Konzept für die Hängung vorgab, während man die Uhren einfach in einem heimischen Baumarkt kaufen konnte, stammen auch die 84 Glühbirnen von „Untitled“ aus einem solchen. Aus den USA sei lediglich die Kette mit den Porzellan-Fassungen für die Birnen angeliefert worden.

Auch die Art der Präsentation konnte Sharp selbst wählen und entschied sich, die beiden Ketten - analog zu den den Tempel umgebenden Säulen - von der mehr als neun Meter hohen Decke abzuhängen. So fließt die Lichterkette von oben nach unten, wo sich ein Lichtkreis bildet. Die Oberlichtes des Tageslichttempels wurde dafür eigens abgedeckt, sodass die 84 Glühbirnen die einzige Lichtquelle bieten und je nach Tageslicht und Wetter unterschiedliche Wirkung erzeugen.

Für KHM-Generaldirektorin Sabine Haag ist die im Jahr 2012 gestartete Ausstellungs-Reihe „eine große Chance, eine Brücke zwischen unseren Alten Meistern und späterem Kunstschaffen zu schlagen“, wie sie betonte. Man versuche stets, mit der Auswahl der Künstler eine Verbindung mit den eigenen Sammlungen herzustellen. Zuletzt waren Künstler wie Susan Philipsz (2015), Ron Mueck (2016) und Kathleen Ryan (2017) zu Gast. Gonzalez-Torres‘ Lichterketten sind nun bis zum 1. Oktober zu sehen.

(S E R V I C E - „Felix Gonzalez-Torres“ im Theseustempel im Volksgarten, 25. April bis 1. Oktober. Öffnungszeiten: täglich 11 bis 18 Uhr, freier Eintritt. Infos unter www.khm.at)