Fall Alfie: Eltern beantragten Verlegung des Kindes nach Italien

Rom/Liverpool (APA) - Die Eltern des schwerkranken Alfie Evans haben bei der britischen Justiz am Dienstag einen Antrag auf Verlegung ihres ...

Rom/Liverpool (APA) - Die Eltern des schwerkranken Alfie Evans haben bei der britischen Justiz am Dienstag einen Antrag auf Verlegung ihres Sohnes von Liverpool in ein italienisches Krankenhaus eingereicht. Der Antrag wurde eingebracht, nachdem sich herausgestellt hatte, dass der knapp zwei Jahre alte Bub selbstständig atmen kann, sagte ein Sprecher der Familie nach Angaben italienischer Medien.

Neben dem vatikanischen Kinderkrankenhauses „Bambino Gesu“ erklärte sich auch das Spital „Gaslini“ in Genua zur Behandlung des Kindes bereit. Die römische Bürgermeisterin Virginia Raggi erklärte ebenfalls ihre Bereitschaft, dem Buben eine Behandlung in Rom zu garantieren. Die italienische Verteidigungsministerin Roberta Pinotti habe sich eingeschaltet, um ein Flugzeug für Alfie zur Verfügung zu stellen, berichtete die Leiterin des vatikanischen Krankenhauses, Marinella Enoc, nach Medienangaben.

Enoc war am Montag nach Liverpool gereist und hatte das Kind im Spital besucht. Von der Leitung des Krankenhauses wurde sie nicht empfangen. Sie sei in engem Kontakt zu den Eltern des Kindes, berichtete Enoc. Die Regierung in Rom hatte am Montag Alfie Evans die italienische Staatsbürgerschaft gewährt, um ihm Behandlungen in Italien zu ermöglichen. Die rechtspopulistische Lega reichte am Dienstag im Parlament einen Antrag ein, um die italienische Regierung zu verpflichten, Alfie nach Italien zu bringen.

„Wir sind geschockt. Wir tun alles Mögliche, um Alfie das Leben zu retten. Unsere Krankenhäuser stehen zur Verfügung“, sagte die italienische Gesundheitsministerin Beatrice Lorenzin. Der Präsident der italienischen Gesundheitsbehörde ISS, Walter Ricciardi, bezeichnete die Methoden der britischen Behörden als „schockierend und unmenschlich“. „Einige Krankheiten sind unheilbar. Doch jeder Mensch muss bis zum Schluss behandelt werden“, meinte Ricciardi.

„Alfie atmet selbstständig und lebt. Wann werden die Behörden den Unterschied zwischen einem Elektrogerät und einem kranken Kind begreifen?“, fragte der Abgeordnete der rechtskonservativen Forza Italia, Antonio Palmieri.

EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani meinte, man müsse Alfie noch eine Chance geben. „Man muss das Leben dieses kleinen europäischen Bürgers schützen. Vielleicht kann man ihn in Rom retten“, sagte Tajani nach einem Treffen mit Kardinal Gualtiero Bassetti, Präsident der italienischen Bischofskonferenz CEI, in Brüssel.

Alfie Evans ist an einem seltenen degenerativen Hirnleiden erkrankt. Sein Fall erinnert an das Schicksal des britischen Babys Charlie Gard, das im Juli vergangenen Jahres eine Woche vor seinem ersten Geburtstag gestorben war, nachdem die Ärzte das Beatmungsgerät abgeschaltet hatten. Der Bub hatte an einer seltenen Erbkrankheit gelitten, die das Gehirn schwer schädigt.