Innsbruck-Wahl

Oppitz-Plörer: ,,Hätten sie das gewusst, hätten sie anders gewählt“

Christine Oppitz-Plörer (Für Innsbruck).
© Thomas Böhm

Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer (FI) über die grünen Zugewinne, Wahlempfehlungen und „schlechten Polit-Stil“ des Stichwahlgegners.

Frau Bürgermeister, Sie haben sich am Montag einen Tag Auszeit genommen, um das Wahlergebnis mit Ihrer Liste zu beraten. Wie lautet Ihre Bilanz?

Christine Oppitz-Plörer: Es hat massive Veränderungen gegeben, keine Frage. Eine solche Aufsplitterung im Gemeinderat hat es noch nie gegeben. Vor dieser Zersplitterung ist gewarnt worden.

Sind Sie auch zu dem Schluss gekommen, dass es für Sie in der Bürgermeisterstichwahl am 6. Mai ohne die Stimmen der FPÖ nicht reichen wird?

Oppitz-Plörer: Gerade wenn man die Person Rudi Federspiel analysiert: Er ist für die ÖVP im Landtag gesessen, war mit seiner freien Liste im Gemeinderat und ist jetzt wieder bei der FPÖ – daran sieht man, dass das klassische Lagerdenken nicht fruchtet.

Aber welches Angebot wollen Sie den Wählern anderer Gruppierungen – also auch denen der FPÖ – legen, um Sie zu wählen?

Oppitz-Plörer: Gerade da hat es gutgetan, auch einmal einen Tag Pause zu machen und in die Leute hineinzuhören. Dieses starke Ergebnis der Grünen haben viele nicht erwartet. Wenn sie das gewusst hätten, hätten sie anders gewählt – diesen Eindruck bekommt man. Ich will den Menschen vor Augen führen, wie Innsbruck in den nächsten sechs Jahren unter einer Bürgermeisterin Oppitz-Plörer und wie unter einem möglichen Bürgermeister Georg Willi aussehen wird. Unter Willi gibt es verlässlich neue Straßenbahnbaustellen – mit weniger Leben im öffentlichen Raum. Unter mir bleibt der öffentliche Raum für alle Gruppen zugänglich. Diese Bilder – das ist mein Angebot an alle Wähler. Speziell auch an Grün-Wähler.

Willi warnt davor, Sie könnten eine Koalition mit der FPÖ planen. Muss man in Innsbruck vor der FPÖ als Partner warnen?

Oppitz-Plörer: Bei dieser Zusammensetzung des Gemeinderates und im Wissen, wie eng Mehrheiten sind, ist es jetzt zu früh, über Koalitionen auch nur zu spekulieren.

Sie betonen seit Sonntag sehr die „bürgerliche Mitte“ im Gemeinderat. Willi will jetzt wissen, wie Sie diesen Begriff definieren.

Oppitz-Plörer: Es liegt nicht am Mitbewerber, eine Erklärung in diesem Falle zu verlangen. Wen ich nicht zur bürgerlichen Mitte zähle, ist ein Großteil des Gemeinderatsklubs der Grünen – die gehören zur linken Seite. Diese Unterscheidung ist wie bei einer Marke: Das Gesicht von Georg Willi in Innsbruck ist sicherlich bürgerlich, die Zusammensetzung der Liste ist aber schon sehr im linken Bereich angesiedelt.

Sie haben bereits mit der ÖVP und FPÖ erste Gespräche geführt. Über was?

Oppitz-Plörer: Man tauscht sich über das Ergebnis der Wahl aus. Wer kann mit wem? Wer schließt wen aus? Ich versuche, mit allen Gespräche zu führen. Das ist ein Gebot der Fairness und des guten politischen Stils. Willi sagt, er kann gut zuhören, hat aber noch kein einziges Gespräch diesbezüglich geführt. Zwei Tage nach der Wahl ist das doch eine recht lange Zeit, die viele verwundert.

Federspiel spricht von einem sehr amikalen Gespräch, will aber keine aktive Wahlempfehlung für Sie abgeben.

Oppitz-Plörer: Wahlempfehlungen sind von gestern. Die Wähler sind mündig.

Willi hat Ihnen heute via Pressekonferenz den Vizebürgermeisterposten angeboten ...

Oppitz-Plörer: Das ist ein schlechter politischer Stil – Ressorts und Posten zu verteilen, ohne mit den Betroffenen gesprochen zu haben. Das ist von oben herab und hat nicht nur bei mir Verwunderung ausgelöst.

Sehen Sie sich wirklich als Herausforderin in der Stichwahl – als amtierende Bürgermeisterin?

Oppitz-Plörer: Die Poleposition hat ganz klar Willi. Er geht als Erster in die Stichwahl.

Das Gespräch führte Manfred Mitterwachauer