Ustascha errichteten nahezu totales Terrorregime

Zagreb/Wien (APA) - Vor dem alljährlichen kroatischen Gedenktreffen bei Bleiburg wird über ein Verbot von Ustascha-Symbolen diskutiert. Der ...

Zagreb/Wien (APA) - Vor dem alljährlichen kroatischen Gedenktreffen bei Bleiburg wird über ein Verbot von Ustascha-Symbolen diskutiert. Der Kärntner Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ) hatte vor dem am 12. Mai stattfindenden Treffen, das immer auch Anziehungspunkt für Rechtsextreme ist, eine Ausweitung des Verbotsgesetzes gefordert. Das Innenministerium will nun „legistische Maßnahmen“ prüfen.

Anlass der Feier am Loibacher Feld ist die Ermordung Tausender Angehöriger der Ustascha-Miliz des faschistischen „Unabhängigen Staates Kroatien“ (NDH) nach der Kapitulation Nazideutschlands 1945. Rund 40.000 geflüchtete Soldaten des NDH, Ustascha und reguläre Armee (Hrvatsko domobranstvo), die aufseiten Nazideutschlands gekämpft hatten, wurden in Bleiburg mit ihren Familienangehörigen von der britischen Besatzungsmacht an die kommunistischen Tito-Einheiten ausgeliefert. Tausende wurden an Ort und Stelle oder auf dem Rückmarsch nach Jugoslawien, der in Kroatien „der Kreuzweg“ genannt wird, ermordet.

Der NDH betrieb auch das Vernichtungslager Jasenovac, in dem nach internationalen Expertenerkenntnissen während des Zweiten Weltkrieges 700.000 Serben, Juden und Roma umgebracht wurden. Die Zahl ist in den Nachfolgestaaten Jugoslawiens immer wieder Gegenstand von Auseinandersetzungen.

Die kroatische Ustascha-Bewegung (wörtlich: „Der Aufständische“) wurde 1929 von dem Rechtsanwalt Ante Pavelic mit dem Ziel gegründet, die Unabhängigkeit Kroatiens mit terroristischen Methoden zu erkämpfen. Finanziell wurde sie vom faschistischen Italien unterstützt. Sie unterhielt Ausbildungslager in Italien und auch in Ungarn.

Die überwiegende Mehrheit der kroatischen Bevölkerung stand damals auf der Seite der Bauernpartei, deren Führer Stjepan Radic am 20. Juni 1928 zusammen mit drei weiteren Abgeordneten im Belgrader Parlament erschossen wurde. Die schwere Krise des parlamentarischen Systems führte zur Errichtung der Königsdiktatur durch Alexander Karadjordjevic, der das nach dem Ende des Ersten Weltkriegs geschaffene Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen 1929 in Jugoslawien umbenannte und alle national oder konfessionell ausgerichteten Parteien auflösen ließ.

Während im August 1932 ein Ustascha-Aufstand vom Militär niedergeschlagen wurde, gelang es Mitgliedern der Untergrundorganisation nach mehreren fehlgeschlagenen Attentaten, den König am 9. Oktober 1934 bei einem Staatsbesuch in Frankreich in Marseille zusammen mit dem französischen Außenminister Louis Barthou zu ermorden. Dieser Anschlag führte zwar nicht wie von Pavelic erhofft zu einem allgemeinen antiserbischen Aufstand in Kroatien, schwächte aber das Regime, an dessen Spitze nun ein zerstrittener Regentschaftsrat stand, da Alexanders Sohn Peter II. noch ein Kind war.

In ideologischer und organisatorischer Hinsicht orientierte sich die Ustascha ganz am Vorbild des italienischen Faschismus. Allerdings bestand ein unlösbar scheinender Widerspruch, weil Italien die dalmatinischen Küstengebiete und damit kroatisches Gebiet beanspruchte.

Obwohl Jugoslawien als Mitglied der Kleinen Entente mit Frankreich verbündet war, blieb es bei Ausbruch des Zweiten Weltkriegs neutral und trat sogar im März 1941 dem Dreimächtepakt (Deutschland, Italien, Japan) bei. Dies hatte umgehend einen Militärputsch in Belgrad zu Folge, den Adolf Hitler zum Anlass nahm, Jugoslawien im April zu überfallen. Der Krieg, an dem sich auch Bulgarien und Italien beteiligten, endete mit der völligen Besetzung und Zerschlagung des Landes.

Erst nachdem sich die Führung der kroatischen Bauernpartei nicht zur Kollaboration mit Deutschen und Italienern bereit fand, konnte Pavelic an die Macht kommen und seinen „Unabhängigen Staat Kroatien“ ausrufen, zu dem auch Bosnien und die Herzegowina gehörten. Die Ustascha als Staatspartei errichtete ein nahezu totales Terrorregime, das mit ebenso fanatischer wie grausamer Konsequenz Juden, Roma, Kommunisten und vor allem die zwei Millionen Serben in Kroatien verfolgte. Unterstützung erfuhr die Diktatur seitens der römisch-katholische Kirche, deren Oberhirten nichts gegen die Massenmorde unternahmen und nach dem Vorbild mittelalterlicher Kreuzzüge Massentaufen an orthodoxen Serben durchführen ließen.

Mit ihrer utopisch-reaktionären Zielsetzung, einen rein kroatischen Nationalstaat zu errichten, und ihrem kompromisslosen Vernichtungswillen weist die Ustascha Ähnlichkeiten mit dem deutschen Nationalsozialismus auf, von dem sie sich allerdings durch ihre religiöse Prägung unterschied. Mit dem Zusammenbruch der faschistischen Mächte war 1945 auch das Schicksal des Ustascha-Regimes besiegelt. Die kroatischen Truppen zogen sich an der Seite der deutschen Wehrmacht zurück und mussten sich in Kärnten den Briten ergeben. Während sich Pavelic in Sicherheit bringen konnte und seinen Lebensabend ungestört in Argentinien und Spanien verbrachte, wurden etwa 150.000 kroatische Kriegsgefangene an den Partisanenführer und späteren Präsident Josip Broz Tito ausgeliefert, der einen Großteil von ihnen erschießen ließ.

An den Gedenkfeiern in Kärnten, die von der kroatischen Bischofskonferenz und dem Verein Bleiburger Ehrenzug veranstaltet werden, nahmen in der Vergangenheit auch immer wieder hochrangige Politiker aus Kroatien teil. In Kroatien wird der Gebrauch von Ustascha-Symbolen schweigend geduldet. Bei Fußballfans gehört die Ustascha-Parole „Za dom - spremni!“ („Für die Heimat - bereit!“) zum Standard-Repertoire, immer öfter wird er auch bei Kundgebungen von Ultrakonservativen verwendet.