Korea-Gipfel im „Haus des Friedens“ - Wie ernst meint es Kim?

Seoul/Pjöngjang (APA/Reuters) - Die Vorbereitungen für das erste innerkoreanische Gipfeltreffen seit mehr als zehn Jahren laufen auf Hochtou...

Seoul/Pjöngjang (APA/Reuters) - Die Vorbereitungen für das erste innerkoreanische Gipfeltreffen seit mehr als zehn Jahren laufen auf Hochtouren: Das „Haus des Friedens“ auf der südkoreanischen Seite der Grenzanlagen von Panmunjom, in dem das Treffen stattfindet, wird renoviert. Die Unterhändler beider Staaten bereiten bereits eine gemeinsame Abschlusserklärung vor.

Und Experten diskutieren seit Wochen Fragen des Protokolls, der Sicherheit und der Berichterstattung, bevor Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un am Freitag als erster nordkoreanischer Führer seinen Fuß auf südkoreanisches Gebiet setzt. Gelingt das Treffen, könnte es die Ouvertüre zum Gipfel mit US-Präsident Donald Trump und letztlich zur Beseitigung der Atomwaffen auf der Halbinsel werden. Allerdings hegen Experten Zweifel, wie viel Vertrauen man Kim tatsächlich schenken kann.

Der südkoreanische Präsident Moon Jae-in widmet sich nach Angaben seines Büros die ganze Woche lang nur dem Gipfeltreffen. Er habe keine Termine außerhalb des Präsidentenpalastes. Auf seinem Schreibtisch wurde bereits eine direkte Telefonverbindung zu Kim installiert. Bisher gab es nur eine Hotline in der Gemeinsamen Sicherheitszone in Panmunjom. In dieser Woche sollen Kim und Moon erstmals über die neue Leitung miteinander sprechen.

Am Montag stoppte Südkorea außerdem seine Propaganda-Beschallung an der Grenze zum Norden. Ziel sei es, vor dem Gipfeltreffen eine friedliche Atmosphäre zu schaffen, erklärte das Verteidigungsministerium in Seoul. Es war das erste Mal seit mehr als zwei Jahren, dass Propaganda-Botschaften und laute Militärmusik in Richtung Norden gestoppt wurden. Auch der Norden soll seine Propaganda eingestellt haben.

Die Vorbereitungen zeigen, dass beide Staaten sehr daran interessiert sind, das Treffen zu einem Erfolg zu machen. Im Süden wurde daher auch die Ankündigung Nordkoreas positiv aufgenommen, seine Atom- und Raketenversuche einzustellen und die Atomtestanlage zu schließen. Auch US-Präsident Donalds Trump begrüßte die Entscheidung. Dies seien „sehr gute Nachrichten für Nordkorea und die Welt“, erklärte Trump, der ebenfalls ein Treffen mit Kim plant, wahrscheinlich Ende Mai oder Anfang Juni.

Einige Experten warnten indes vor zu großem Euphorie. Es gebe eine lange Geschichte nordkoreanischer Versprechen und Zusagen, sagte Nam Sung-wook, Professor für Nordkorea-Studien an der Korea-Universität in Seoul. Und jeder erinnere sich daran, wie diese im Laufe der Zeit wertlos geworden seien. Die Welt solle bei jedem Wort Kims sehr vorsichtig sein.

Kims Ankündigung schloss auch nicht die Beseitigung der existierenden Atomwaffen ein, und es gibt starke Zweifel, dass er auf diese Waffen verzichtet, die seit Jahrzehnten entwickelt wurden. Da er die Atomwaffen und auch Interkontinentalraketen bereits besitzt, ist die Beendigung von Tests nicht mehr so bedeutsam.

Manche Experten sehen in der Erklärung Nordkoreas eher die Absicht, sich als verantwortungsbewusste Atommacht zu präsentieren als die atomare Abrüstung voranzubringen. Ein klares Bekenntnis zur Abrüstung sei ohnehin nicht vor dem Gipfeltreffen Kim-Trump zu erwarten, sagt Cheong Seong-chang von der Denkfabrik Sejong. „Kim kann nicht alles auf einmal aufgeben“, sagt er. Er zeige aber die ernsthafte Bereitschaft, den Weg zu Verhandlungen zu ebnen.

(Grafik 0454-18)