Innsbruck

Grünbacher-Kritik zum Abschied: “Viele sind damit einfach überfordert“

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1989 erstmals angelobt, sagt SP-Klubchef Arno Grünbacher heute dem Innsbrucker Gemeinderat Lebewohl. Nicht ohne kritische Nachlese.

Von Manfred Mitterwachauer

Innsbruck –Der Absturz der SPÖ bei der Gemeinderatswahl hat Arno Grünbacher „erschüttert“. Das ist wohl nicht das Abschiedsgeschenk, das sich der 1989 erstmals als Ersatzgemeinderat angelobte und nunmehr seit zwölf Jahren den Klubobmann mimende 57-Jährige von seiner Partei gewünscht hat.

Heute tagt der Innsbrucker Gemeinderat zum letzten Mal in alter Form, obwohl der neue bereits gewählt ist. Ein städtisches Kuriosum. Mehr aber auch nicht. Für Grünbacher wird es so oder so die Abschiedsvorstellung – er geht in die angekündigte Politpension. Und das, „ohne offene Rechnungen begleichen zu müssen“. Das haben derzeit offenbar andere im Bezirksparteivorstand im Sinn (siehe Artikel auf Seite 4). Öffentliche Rücktrittsaufforderungen hält Grünbacher für kein geeignetes Mittel: „Auch wenn klar ist, dass das alles nicht wieder wird, wenn nicht etwas passiert.“

Umso weniger ortet Grünbacher nun bei sich selbst einen Trennungsschmerz. Die Politik habe sich seit seinen ersten Fußstapfen im Gemeinderat rasant verändert. Nicht zum Besseren. Dass der Nachwuchs immer schneller und jünger in die Politik geschickt werde, kritisiert Grünbacher: „Es tut schon gut, wenn man sich die Politik eine Zeit lang anschaut, bevor man ein Mandat annimmt.“ Schließlich erwarte sich die Bevölkerung eine professionelle Arbeit. Gerade die Ausschussarbeit im Gemeinderat sei aber komplex, Erfahrung gefragt. „Viele Junge sind damit einfach überfordert“, ist sich Grünbacher sicher. Das treffe alle Fraktionen. Der neue Gemeinderat werde in gewisser Weise „ein Ponyhof“, ist er überzeugt. Andererseits müsse man froh sein, noch Junge zu finden.

Thematisch hält Grünbacher nichts von einer Wohnbaubremse in den kommenden Jahren. Alternativen zur Verdichtung gebe es keine. Überregionale Entwicklungen und Lösungen müssten her. Die einstige Entscheidung zum Ausbau der Straßenbahn sei in Ordnung gewesen, aber: „Heute würden wir diese wohl aufgrund des technischen Fortschritts nicht mehr so bauen.“ Ebenso gehöre der Markenfindungsprozess der Stadt abgeschlossen: „Innsbruck kann nicht Uni-, Rad- und Wirtschaftsstadt sein.“

In die Tagespolitik will sich Grünbacher im Ruhestand nicht einmischen. Dafür gebe es andere.