Die zwei bisherigen Gipfelerklärungen der beiden Koreas

Wien/Pjöngjang (APA) - Schon einmal gab es zwischen 1997 und 2007 eine Phase der „Sonnenscheinpolitik“ zwischen Süd- und Nordkorea, wo es zu...

Wien/Pjöngjang (APA) - Schon einmal gab es zwischen 1997 und 2007 eine Phase der „Sonnenscheinpolitik“ zwischen Süd- und Nordkorea, wo es zu Gipfeltreffen kam.

Vom 13. bis 15. Juni 2000 hielt sich der damalige südkoreanische Präsident Kim Dae-jung in Pjöngjang auf. Gemeinsam mit Machthaber Kim Jong-il, der das Atomprogramm stark vorantrieb, unterschrieb er eine „Gemeinsame Erklärung“, die einer Wiedervereinung der beiden koreanischen Staaten sowie humanitärer und wirtschaftlicher Zusammenarbeit das Wort redete:

„1. Der Süden und der Norden haben sich darauf geeinigt, die Frage der Wiedervereinigung unabhängig und durch die gemeinsamen Bemühungen des koreanischen Volkes, das Herrscher des Landes ist, zu lösen.

2. Zur Erreichung der Wiedervereinigung haben wir uns darauf geeinigt, dass es ein gemeinsames Element im Konzept des Südens eines Staatenbundes und der Formel des Nordens einer losen Form des Zusammenschlusses gibt. Der Süden und der Norden haben sich darauf geeinigt, die Wiedervereinigung in diese Richtung voranzutreiben.

3. Der Süden und der Norden haben sich darauf geeinigt, umgehend humanitäre Angelegenheiten zu lösen, wie Austausch-Besuche getrennter Familienmitglieder und Verwandter aus Anlass des Nationalen Befreiungstages am 15. August und die Frage überzeugter Kommunisten, die im Süden Gefängnisstrafen absitzen.

4. Der Süden und der Norden haben sich darauf geeinigt, das gegenseitige Vertrauen zu festigen, indem die ausgewogene Entwicklung der nationalen Wirtschaft durch wirtschaftliche Zusammenarbeit gefördert und die Kooperation und der Austausch in den Bereichen Bürgerleben, Kultur, Sport, Gesundheit, Umwelt und allen anderen Bereichen stimuliert wird.

5. Der Süden und der Norden haben sich darauf geeinigt, in der nahen Zukunft zwischen den entsprechenden Behörden einen Dialog zu führen, um die obigen Vereinbarungen rasch umzusetzen.

Präsident Kim Dae-jung hat den Vorsitzenden der Nationalen Verteidigungskommission, Kim Jong-il, herzlich eingeladen, Seoul zu besuchen, und Vorsitzender Kim Jong-il wird Seoul zum geeigneten Zeitpunkt besuchen.“

Nach dem Gipfel kam es zu Zusammentreffen von Familien, die durch den Korea-Krieg getrennt worden waren. Auch der gemeinsame Industriekomplex Kaesong entstand. Dieser wurde im Streit aber vor mehr als zwei Jahren geschlossen. Kim Dae-jung erhielt für seine „Sonnenscheinpolitik“ den Friedensnobelpreis, zu dem Besuch Kim Jong-ils in Seoul kam es nie.

Vom 2. bis 4. Oktober 2007 hielt sich aber Kim Dae-jungs Nachfolger Roh Moo-hyun in Nordkorea auf. Auch er traf Kim Jong-il. Damals liefen die Sechs-Parteien-Gespräche zwischen Nord- und Südkorea, China, den USA, sowie Japan und Russland. Damit sollte Nordkorea zur Aufgabe seines Atomprogramms im Gegenzug für Wirtschaftshilfe und Beendigung der diplomatischen Isolation Nordkoreas gebracht werden. Eine Acht-Punkte-Erklärung, die sogenannte Friedenserklärung, des zweiten Gipfels sah u.a. eine Ausweitung der Zusammenarbeit vor. Der Waffenstillstand von 1953 sollte durch einen Friedensvertrag ersetzt werden.

„1. Der Süden und der Norden werden sich an die Gemeinsame Erklärung vom 15. Juni halten und sie aktiv umsetzen.

2. Der Süden und der Norden haben entschieden, die Unterschiede in Ideologie und Institutionen zu überwinden und die zwischen-koreanischen Beziehungen entschieden in gegenseitigen Respekt und Vertrauen zu wandeln.

3. Der Süden und der Norden haben sich geeinigt, militärische Feindseligkeiten zu beenden und eng zusammenzuarbeiten, um Entspannung und Frieden auf der Koreanischen Halbinsel zu sichern.

4. Der Süden und der Norden haben sich geeinigt, das bestehende Waffenstillstands-System zu beenden und ein permanentes Friedens-Regime zu schaffen, und sie haben sich darauf geeinigt, mit den Führern der drei Parteien oder vier Parteien zusammenzuarbeiten, die direkt mit der Kriegserklärung auf der Koreanischen Halbinsel zu tun haben.

5. Der Süden und der Norden haben entschieden, aktiv die wirtschaftliche Zusammenarbeit zu fördern und Wirtschaftskooperationsprojekte gemäß dem Prinzip der Gleichwertigkeit und der Koexistenz für eine ausgewogene Entwicklung und einem allgemeinen Florieren der nationalen Wirtschaft auszuweiten und zu entwickeln.

6. Der Süden und der Norden haben entschieden, Austausch und Kooperation in sozialen und kulturellen Feldern zu entwickeln wie in Geschichte, Sprache, Bildung, Wissenschaft, Technologie, Kultur, Kunst und Leibeserziehung, um der langen Geschichte der Nation und ihrer hervorragenden Kultur Glanz zu verleihen.

7. Der Süden und der Norden haben sich darauf geeinigt, aktiv Projekte der humanitären Kooperation zu fördern.

8. Der Süden und der Norden werden ihre Zusammenarbeit auf der internationalen Bühne im Interesse des Volkes und der Rechte und Interessen der Koreaner im Ausland stärken.“

Nach weiteren Atom- und Raketentests und der Amtsübernahme konservativer Präsidenten in Seoul scheiterten die Sechs-Parteien-Gespräche, und die „Sonnenschein“-Entspannungsphase endete.